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Mode verliert an Bedeutung – Nachhaltigkeitskriterien geraten unter Druck
Das Interesse an Mode und Bekleidung hat in Deutschland deutlich nachgelassen. Auch Nachhaltigkeit spielt beim Kauf eine geringere Rolle. Das berichtet die WELT unter Berufung auf eine Untersuchung des Marktforschungsinstituts Innofact im Auftrag des Modeverbands GermanFashion.
Für die Untersuchung wurden im April gut 1.000 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren repräsentativ befragt. 40 Prozent informieren sich demnach nicht aktiv über Mode und Bekleidung. Bei der letzten Befragung im Jahr 2022 waren es 29 Prozent; 2020 und 2021 lag der Anteil ähnlich hoch.
Die wichtigsten Informationsquellen verlieren ebenfalls an Bedeutung. In Bekleidungsgeschäften informierten sich 2022 noch 38 Prozent, 2026 sind es 29 Prozent. Es folgen Gespräche mit Freunden und Bekannten mit 19 Prozent, Websites von Bekleidungshändlern mit 18 Prozent, soziale Netzwerke wie Instagram mit 16 Prozent sowie Internet-Werbung und Hersteller-Websites mit jeweils 13 Prozent. In allen Kanälen sind die Werte rückläufig. Frauen informieren sich deutlich häufiger über Mode und Bekleidung als Männer.
Als Grund für das sinkende Interesse nennt Handelsexpertin Theresa Schleicher die gestiegenen Lebenshaltungskosten. Die Menschen in Deutschland wollten vor allem bei persönlichen Dingen wie Mode sparen. Bei jungen Menschen fließe das Geld eher in Finanzpläne als in eine Handtasche. Zugleich prägten Billiganbieter und eine Ramschkultur die Erwartung, dass Kleidung wenig kosten müsse.
„Was weniger Wert hat, wird weniger benötigt und gewollt“, sagt Theresa Schleicher laut WELT.
Eine im Juni veröffentlichte Umfrage des Instituts Kantar im Auftrag des Preisvergleichsportals Idealo kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. 52 Prozent sparen bei Bekleidung und Accessoires. Damit liegt dieser Bereich vor Hobby- und Freizeitbedarf mit 42 Prozent, Elektronik mit 41 Prozent sowie Wohn- und Haushaltsartikeln mit 36 Prozent. Mehr als 2.000 Menschen wurden dazu befragt.
| Bereich | Anteil der Menschen, die sparen |
|---|---|
| Bekleidung und Accessoires | 52 Prozent |
| Hobby- und Freizeitbedarf | 42 Prozent |
| Elektronik | 41 Prozent |
| Wohn- und Haushaltsartikel | 36 Prozent |
| Lebensmittel | 32 Prozent |
| Bücher und Medien | 31 Prozent |
| Drogerie und Kosmetik | 31 Prozent |
| Gesundheit | 16 Prozent |
Stationäre Anbieter bleiben trotz des Rückgangs wichtig. 37 Prozent kaufen Kleidung überwiegend und häufig in Filialen von Anbietern wie H&M, Zara oder C&A. Der Anteil ist seit 2022 um acht Prozentpunkte gesunken. Der örtliche Fachhandel, Onlineplattformen wie Amazon, Temu oder Otto sowie Modeportale wie Zalando oder Shein folgen mit jeweils 34 Prozent.
Weitere genannte Einkaufsorte sind Ladengeschäfte größerer Bekleidungsketten wie Peek & Cloppenburg mit 24 Prozent und Geschäfte von Herstellern wie Boss oder Adidas mit 22 Prozent. Kaufhäuser wie Galeria erreichen 18 Prozent, Textildiscounter wie Takko und Kik sowie der Versandhandel über Kataloge jeweils 17 Prozent. Insgesamt nutzen Konsumenten im Schnitt 3,4 Kanäle; vor vier Jahren waren es noch 4,3.
GermanFashion-Sprecherin Tanja Croonen sieht in der Bedeutung der Bekleidungsgeschäfte vor Ort eine Chance für den stationären Einzelhandel. Die Geschäfte seien weiterhin die wichtigste Informationsquelle und würden von den meisten Menschen bevorzugt zum Kauf genutzt.
Gleichzeitig verliert Nachhaltigkeit beim Modekauf an Relevanz. Der Verzicht auf die Ausbeutung von Menschen in Produktionsländern ist 71 Prozent wichtig; 2022 waren es noch 77 Prozent. Eine nachhaltige und umweltfreundliche Herstellung nennen 60 Prozent, 11 Prozentpunkte weniger als vier Jahre zuvor. Die Verwendung eines Siegels für Nachhaltigkeit oder Biomaterialien ist 42 Prozent wichtig, ein Rückgang um 10 Prozentpunkte.
Nur für 10 bis 28 Prozent der Modekäufer spielen die untersuchten Nachhaltigkeitskriterien wirklich eine große Rolle. Zwar geben viele an, dass ihnen verantwortungsvoller Konsum zumindest eher wichtig ist, doch das tatsächliche Kaufverhalten weicht davon teilweise deutlich ab. Nur knapp jeder Fünfte, dem ein Siegel wichtig ist, hat mehr als 10 Prozent nachhaltige oder ökologische Kleidung im Schrank.
„Bei Kleidung fehlt der Eigennutz“, sagt Theresa Schleicher laut WELT. Nachhaltige Mode koste mehr, während ihre Wirkung für viele weniger ersichtlich sei.
Bei der Auswahl von Kleidung zählen vor allem eine gute Passform, Bequemlichkeit und Komfort, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis sowie hohe Qualität. Diese Ergebnisse ähneln denen aus dem Jahr 2022. Deutlich rückläufig sind dagegen markenbezogene Aspekte wie der Ruf der Marke, Design, Herkunft und Exklusivität.
Als glaubwürdig gelten Marken für die Befragten vor allem dann, wenn sie verlässlich hohe Qualität bieten. Tanja Croonen erkennt darin auch ein Signal gegen Ultra Fast Fashion. Qualität im Sinne von Langlebigkeit, Nachhaltigkeit und Produktsicherheit habe jedoch ihren Preis.
Auch die Preisentwicklung wird in der Untersuchung eingeordnet. Ein Herrenhemd kostete laut Statistischem Bundesamt im Juni im Schnitt knapp 15 Prozent mehr als 2020, Kinderschuhe knapp 12 Prozent. Ein Damenshirt war gut 6 Prozent teurer, Jacken oder Mäntel für Säuglinge oder Kleinkinder 4 Prozent. Insgesamt stiegen die Verbraucherpreise seit 2020 durchschnittlich um mehr als 24 Prozent, bei Nahrungsmitteln um 37 Prozent.
Infobox – WELT: 40 Prozent informieren sich nicht aktiv über Mode. 52 Prozent sparen bei Bekleidung und Accessoires. Nachhaltige und umweltfreundliche Herstellung ist 60 Prozent wichtig, die Verwendung eines Nachhaltigkeitssiegels oder von Biomaterialien 42 Prozent.
Brandenburgs KMU sehen Nachhaltigkeit als wichtig – doch Ressourcen fehlen
Viele kleine und mittlere Unternehmen in Brandenburg bewerten Nachhaltigkeit als relevant, stehen bei der praktischen Umsetzung jedoch vor erheblichen Herausforderungen. Das berichtet Meetingpoint Brandenburg über eine neue Bedarfsanalyse der Technischen Hochschule Brandenburg aus dem europäischen Projekt CSRDatSME.
Die Analyse untersucht, wie befragte KMU mit Nachhaltigkeitsdaten, ESG-Anfragen und freiwilliger Berichtsfähigkeit umgehen. ESG steht für Environmental, Social and Governance und umfasst Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Zu den abgefragten Informationen gehören unter anderem CO₂-Emissionen, Energieverbrauch, Lieferketten und Unternehmensverantwortung.
Grundlage ist eine Online-Befragung von 134 KMU mit Sitz in Brandenburg, ergänzt durch Gespräche mit regionalen Unterstützungsakteuren. Wegen der freiwilligen Teilnahme sind die Ergebnisse nicht repräsentativ für alle KMU in Brandenburg. Sie zeigen jedoch wiederkehrende Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe.
73,7 Prozent der befragten Unternehmen bewerten Nachhaltigkeit als wichtig oder sehr wichtig. Gleichzeitig geben 61,2 Prozent an, keine spezifischen Ressourcen für Nachhaltigkeit zu haben. Formale Nachhaltigkeitsberichte sind bislang selten.
Bereits 28,7 Prozent wurden aufgefordert, Nachhaltigkeitsdaten weiterzugeben. Die Anfragen kommen bei den betroffenen Unternehmen besonders häufig von Großkunden beziehungsweise Auftraggebern. Sie beziehen sich unter anderem auf CO₂-Emissionen, Energieverbrauch und Lieferketteninformationen.
Das Projekt wird an der Technischen Hochschule Brandenburg im Zentrum für Gründung und Transfer umgesetzt. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse und europäische Projektergebnisse für Unternehmen in Brandenburg nutzbar zu machen. Im Mittelpunkt stehen Wissen, Datenkompetenz und handhabbare Prozesse rund um Nachhaltigkeitsdaten.
„Für viele KMU beginnt freiwillige Berichtsfähigkeit mit verlässlichen Daten, klaren Zuständigkeiten und wiederholbaren Prozessen“, sagt Susann Wagner, akademische Mitarbeiterin im Zentrum für Gründung und Transfer und Projektleiterin für CSRDatSME.
Nach Darstellung der Analyse kann ein strukturiertes Nachhaltigkeitsdatenmanagement Unternehmen dabei helfen, Anforderungen von Kunden, Auftraggebern, Banken oder Lieferkettenpartnern effizienter zu beantworten. Zugleich sollen interne Entscheidungen besser vorbereitet und die Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Robustheit gestärkt werden.
Infobox – Meetingpoint Brandenburg: 134 KMU wurden befragt. 73,7 Prozent bewerten Nachhaltigkeit als wichtig oder sehr wichtig, 61,2 Prozent verfügen über keine spezifischen Ressourcen für Nachhaltigkeit und 28,7 Prozent wurden bereits zur Weitergabe von Nachhaltigkeitsdaten aufgefordert.
Vintage-Markt in Salzwedel verbindet Nostalgie und Wiederverwendung
Historische Möbel, Dekoration und ungewöhnliche Alltagsgegenstände sollen beim Vintage- und Kuriositätenmarkt des Arbeitskreises Salzwedeler Altstadt neue Besitzer finden. Die Volksstimme beschreibt die Veranstaltung als Verbindung von Nostalgie, Nachhaltigkeit und der Freude am Entdecken.
Was für die einen ausgedient ist, kann für andere ein besonderer Fund sein. Angeboten werden unter anderem alte Kommoden und eine Bettpfanne. Die Gegenstände erhalten dadurch eine neue Chance, statt ungenutzt zu bleiben oder entsorgt zu werden.
Der Markt setzt auf den Gedanken, vorhandene Dinge weiter zu nutzen und ihren Wert neu zu entdecken. Neben historischen Möbeln und Dekorationsobjekten stehen auch kuriose Alltagsgegenstände im Mittelpunkt.
Infobox – Volksstimme: Der Vintage- und Kuriositätenmarkt des Arbeitskreises Salzwedeler Altstadt stellt historische Möbel, Deko und ungewöhnliche Alltagsgegenstände in den Mittelpunkt. Nachhaltigkeit entsteht durch die Weitergabe und weitere Nutzung bereits vorhandener Dinge.
Bielefelder Grüne fordern nachhaltigeres und regionaleres Schulessen
Nach der Kündigung des Vertrags durch einen Heidelberger Caterer für sechs Bielefelder Schulen fordern die Bielefelder Grünen eine stärkere Gewichtung von Nachhaltigkeit und Regionalität bei der nächsten Ausschreibung. Darüber berichtet Radio Bielefeld.
Nach Ansicht der Grünen darf es nicht erneut dazu kommen, dass Schulessen Hunderte von Kilometern entfernt hergestellt und mehrmals in der Woche nach Bielefeld transportiert wird. Das Essen solle möglichst frisch, regional, klimafreundlich und bezahlbar sein.
Die Forderung verbindet kurze Transportwege mit einer veränderten Beschaffung für Schulen. Nachhaltigkeit und Regionalität sollen nach dem Willen der Grünen nicht nur ergänzende Gesichtspunkte sein, sondern bei der nächsten Ausschreibung stärker berücksichtigt werden.
Infobox – Radio Bielefeld: Anlass ist die Kündigung eines Vertrags durch einen Heidelberger Caterer für sechs Bielefelder Schulen. Die Grünen verlangen Schulessen, das möglichst frisch, regional, klimafreundlich und bezahlbar ist.
Landwirtschaft zwischen Generationendenken, Klimarisiken und Kostendruck
Landwirte denken in Generationen und verbinden die Zukunft ihrer Höfe häufig mit der Weitergabe an die eigenen Kinder. inFranken.de beschreibt dieses Wertegerüst als möglichen Orientierungspunkt in einer Zeit, in der die Landwirtschaft mit steigenden Kosten und zunehmenden Wetterextremen konfrontiert ist.
Auf den Höfen bündeln sich demnach zentrale Herausforderungen. Diesel und Dünger hängen an fossilen Rohstoffen, die Deutschland importieren muss. Gleichzeitig schlägt das Wetter häufiger in Extreme um. Ohne Wasser könne keine Nutzpflanze überleben, während ein Unwetter die Arbeit vieler Monate in wenigen Minuten vernichten könne.
Die Anpassung an Ereignisse, die durch den Klimawandel in Zukunft wohl noch viel häufiger auftreten, brauche Zeit und Geld. Zugleich sei die Produktion in Deutschland teuer. Das gelte nicht nur für die Industrie, sondern auch für die Landwirtschaft.
Hohe Standards und viel Bürokratie verursachen laut inFranken.de Kosten, die Wettbewerber in anderen Teilen der Welt nicht haben. Die Verbraucher seien jedoch nicht bereit, diese Kosten zu tragen. Einen einzigen Ausweg aus der schwierigen Lage gebe es nicht.
Als Ausgangspunkt für die Suche nach einer zukunftsfähigen Landwirtschaft nennt der Beitrag die Frage, was geschehen müsse, damit ein Hof auch künftige Generationen noch ernähren könne. Ein Teil der Antwort könne darin liegen, unabhängiger von Dingen zu werden, die sich nicht beeinflussen lassen.
Infobox – inFranken.de: Steigende Kosten, fossile Rohstoffe, Wetterextreme, Wasserabhängigkeit, hohe Standards und Bürokratie setzen landwirtschaftliche Betriebe unter Druck. Die Zukunftsfrage lautet, wie ein Hof auch künftige Generationen ernähren kann.
Nachhaltige Unternehmen zwischen Engagement und Greenwashing
Wie sich nachhaltige Unternehmen erkennen lassen, ist laut Der Standard für Konsumentinnen und Konsumenten nicht leicht zu beantworten. Die WU-Forscherin Cordula Cerha erklärt, dass der Begriff Nachhaltigkeit heute inflationär verwendet werde und deshalb zwischen echtem Engagement und gutem Marketing unterschieden werden müsse.
Viele Menschen wünschen sich einen Konsum ohne schlechtes Gewissen und hoffen, mit nachhaltigen Produkten verantwortungsvoll einzukaufen. Ob ein Unternehmen tatsächlich nachhaltig arbeitet, sei jedoch schwierig festzustellen. Cerha forscht an der Wirtschaftsuniversität Wien mit Schwerpunkt auf Handel und Marketing.
„Der Begriff Nachhaltigkeit wird heute inflationär verwendet“, sagt Cordula Cerha laut Der Standard.
Der Beitrag stellt damit die Glaubwürdigkeit von Nachhaltigkeitsversprechen in den Mittelpunkt. Für Verbraucher entsteht die Herausforderung, Aussagen von Unternehmen nicht nur nach ihrer werblichen Darstellung zu beurteilen, sondern zwischen tatsächlicher Verantwortung und Greenwashing zu unterscheiden.
Infobox – Der Standard: Nachhaltigkeit wird nach Einschätzung der WU-Forscherin Cordula Cerha häufig verwendet und ist deshalb schwer einzuordnen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich echtes Engagement von Greenwashing unterscheiden lässt.
Quellen:
- Interesse an Mode sinkt – Nachhaltigkeit weniger wichtig
- Nachhaltigkeit steht hoch im Kurs – doch oft fehlt Zeit und Personal
- Von alten Kommoden bis zur Bettpfanne: Kuriose Schätze bekommen eine neue Chance
- Bielefelder Grüne: Schulessen muss nachhaltig sein und regional produziert werden
- Landwirte leben Nachhaltigkeit
- Woran erkennt man nachhaltige Unternehmen?





















