Inhaltsverzeichnis:
Nachhaltigkeit wird am Campus Tuttlingen praktisch erfahrbar
Die Hochschule Furtwangen hat Schülerinnen und Schüler der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule zu einem Projekttag am Campus Tuttlingen eingeladen. Unter dem Titel „Nachhaltige Lehre und Forschung an der HFU“ standen Kunststoffrecycling, Energiegewinnung, Energiespeicherung, Wasserstofftechnik und virtuelle Realität im Mittelpunkt.
Der Campus Tuttlingen verbindet als „Industry Campus“ praxisorientierte Lehre und anwendungsnahe Forschung mit einer engen Zusammenarbeit mit der regionalen Industrie. Moderne Labore und kurze Wege zwischen den Fachgebieten sollten den Jugendlichen ermöglichen, technische Entwicklungen unmittelbar kennenzulernen und mit gesellschaftlichen Zukunftsfragen zu verknüpfen.
Zum Auftakt informierten Maren Gernsheimer und Prof. Dr. Ulrich Gloistein über Kunststofftechnik. Dabei ging es um die große Bedeutung von Kunststoffen im Alltag, ihre langen Zersetzungszeiten und die daraus entstehenden Umweltprobleme. Neben den Eigenschaften verschiedener Kunststoffe wurden Möglichkeiten des Kunststoffrecyclings sowie Biokunststoffe und deren Chancen und Grenzen vorgestellt.
Dr. Jawad Slieh ergänzte den theoretischen Teil durch Experimente aus Physik und Chemie. Fluoreszierende Farben, durch Musik erzeugte Schallwellen und ein stroboskopischer Effekt machten naturwissenschaftliche Zusammenhänge anschaulich und zeigten, wie die menschliche Wahrnehmung getäuscht werden kann.
Am Nachmittag präsentierte die Arbeitsgruppe EnergieSpeicherSysteme drei Vorträge. Dimitri Schultheis stellte das Lehrexperiment „Sonne doppelt ernten: Wassergekühlte Photovoltaik mit Stirling-Abwärmenutzung“ vor. Dabei wird ein Photovoltaikmodul gekühlt und die abgeführte Wärme einem Niedertemperatur-Stirlingmotor zugeführt. Studierende sollen künftig elektrische Leistung, Temperaturen und Wärmeströme erfassen und das Zusammenspiel von PV-Mehrertrag und Abwärmenutzung untersuchen können.
Stefan Raiber berichtete über das abgeschlossene Forschungsprojekt BLITZ. Dort wurde untersucht, wie Lithium-Ionen-Zellen bei niedrigen Temperaturen durch elektrische Pulse von innen erwärmt werden können. Die Versuche erreichten eine Erwärmung um bis zu 13 Grad Celsius; nach 400 Erwärmungsvorgängen lag der ermittelte State of Health der untersuchten Zellen weiterhin bei 99 Prozent.
Im neuen Projekt MBC – Maritime Battery Cockpit geht es um elektrische Mobilität auf dem Wasser. Entwickelt werden soll eine Reichweitenprognose für elektrisch angetriebene Boote, die neben Batteriekapazität und Bootseigenschaften auch Wind, Wellen, Strömung und Wassertiefe berücksichtigt. Eine App soll die Fahrtenplanung unterstützen, den Ladezustand darstellen und die voraussichtlich erreichbare Reichweite visualisieren.
Prof. Dr. Frank Allmendinger erläuterte anschließend die Grundlagen verschiedener Energiespeichersysteme. Speicher sollen zeitliche Unterschiede zwischen Energieerzeugung und Verbrauch ausgleichen, eine gezielte Lastverschiebung ermöglichen und damit zur Versorgungssicherheit, zum Klimaschutz und zu einer nachhaltigen Energieversorgung beitragen.
Im Wasserstofflabor des Innovations- und Forschungs-Centrums Tuttlingen zeigten die Studierenden Sarah Keser und Georg Paul Vogel das Wasserstoffschulungssystem WaSS. Es bildet den Kreislauf von der Wasserelektrolyse über die Wasserstoffspeicherung bis zur Rückverstromung in einer Brennstoffzelle ab.
Sarah Keser stellte die Weiterentwicklung WaSS Companion vor, die Messdaten direkt aus dem System ausliest und unter anderem Elektrolyse, Speicherung, Brennstoffzellenbetrieb und Kühlkreisläufe visualisiert. Georg Paul Vogel präsentierte die XR-Erweiterung, mit der Ionentransport und Energieflüsse dreidimensional erfahrbar werden sollen. Die Schülerinnen und Schüler konnten die VR-Brille selbst ausprobieren und die technischen Anlagen in den Laboren kennenlernen.
„Nachhaltigkeit begeistert besonders dann, wenn sie nicht abstrakt bleibt, sondern gemeinsam erforscht, diskutiert und ausprobiert werden kann.“
Infobox – Hochschule Furtwangen: Im Mittelpunkt des Projekttags standen Kunststoffrecycling, wassergekühlte Photovoltaik, Energiespeicher, Wasserstofftechnik und virtuelle Realität. Das Forschungsprojekt BLITZ erreichte eine Erwärmung um bis zu 13 Grad Celsius; nach 400 Erwärmungsvorgängen lag der ermittelte State of Health weiterhin bei 99 Prozent.
Bund stellt 70 Millionen Euro für grüne Binnenschifffahrtskorridore bereit
Das Bundesministerium für Verkehr hat am 10. August 2026 den ersten Förderaufruf der neuen „Richtlinie über Zuwendungen für eine grüne Binnenschifffahrt“ veröffentlicht. Für den Aufbau grüner Binnenschifffahrtskorridore stellt der Bund zunächst bis zu 70 Millionen Euro bereit.
Gefördert werden Projekte, die emissionsfreie oder emissionsarme Binnenschiffe ermöglichen und die dafür erforderliche Infrastruktur schaffen. Das Programm soll zugleich dazu beitragen, mehr Güter- und Personenverkehr auf die Wasserstraße zu verlagern und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Binnenschifffahrt zu stärken.
Der erste Förderaufruf umfasst ausschließlich Maßnahmen der Förderlinie „Aufbau grüner Binnenschifffahrtskorridore“. Antragsberechtigt sind Unternehmen, Kommunen sowie weitere wirtschaftlich tätige Akteure mit Sitz in Deutschland.
- Ausrüstung von Binnenschiffsneubauten und Umrüstung bestehender Güterschiffe auf emissionsfreie oder emissionsarme Antriebe
- Investitionen in Hafeninfrastruktur einschließlich Lade- und Tankinfrastruktur für alternative Kraftstoffe wie Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol
- Errichtung von Anlagen zur Erzeugung erneuerbaren Stroms und erneuerbaren Wasserstoffs sowie entsprechender Speicherlösungen
- Infrastrukturmaßnahmen an Umschlag- und Liegeplätzen außerhalb von Häfen, darunter Lade- und Tankinfrastruktur sowie mobile Versorgungseinrichtungen
Anträge können ab dem 17. August 2026 über das Förderportal easy-Online eingereicht werden. Die Antragsfrist endet zu einem später bekanntgegebenen Zeitpunkt. Ein Online-Seminar zu Förderbedingungen und Antragsverfahren ist für den 13. August 2026 von 10 Uhr bis 12 Uhr angekündigt.
„Mit unserer neuen Förderung schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass emissionsfreie Antriebe und die notwendige Lade- und Tankinfrastruktur schneller in die Praxis kommen.“
Infobox – Logistik Heute: Der erste Förderaufruf stellt zunächst bis zu 70 Millionen Euro bereit. Anträge sind ab dem 17. August 2026 möglich; das Online-Seminar findet am 13. August 2026 von 10 Uhr bis 12 Uhr statt.
FiFeFo in Wendlingen verbindet Nachhaltigkeit und Ferienbetreuung
Das Kinderferienprogramm FiFeFo des Jugendhauses Wendlingen findet zwei Wochen lang auf dem Schulhof des Schulzentrums am Berg statt. Im Jahr 2026 stehen Upcycling und „Zukunftshelden“ im Mittelpunkt.
Die Kinder nutzen die Räume der Realschule zum Werken und Basteln, während auf dem Schulhof auch gespielt und geplanscht wird. Das Programm verbindet damit Ferienbetreuung mit praktischen Zugängen zu Nachhaltigkeit.
Die Nürtinger Zeitung berichtet, dass die Aktivitäten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits im vollen Gange waren. Weitere Einzelheiten waren in dem zugänglichen Artikelauszug aufgrund der Bezahlschranke nicht enthalten.
Infobox – Nürtinger Zeitung: FiFeFo 2026 dauert zwei Wochen und behandelt Upcycling sowie Zukunftshelden. Veranstaltungsort ist der Schulhof des Schulzentrums am Berg in Wendlingen.
Nachhaltige Geschäftsideen stoßen in Winterthur auf wirtschaftliche Grenzen
Richard Miklavcic arbeitet in Winterthur an nachhaltigen Geschäftsideen, sieht dabei jedoch einen Widerspruch zwischen dem Anspruch auf Nachhaltigkeit und der Zahlungsbereitschaft vieler Kunden. Im Mittelpunkt seines aktuellen Projekts steht das Phonix-Sound-System, bei dem historische Radiogeräte mit moderner Bluetooth- und Wi-Fi-Technik ausgestattet werden.
Miklavcic kam vor acht Jahren nach Winterthur, um den „Bunten Hund“ in Veltheim zu leiten. Nach dem Ende des Restaurants im Jahr 2020 arbeitete er noch drei Jahre als Sommelier in der Zürcher Markthalle, bevor er sich beruflich neu orientierte.
„Wer bezahlt am Ende meine Miete, wenn Nachhaltigkeit möglichst nichts kosten darf?“
Seine beruflichen Stationen führten ihn unter anderem zur Fotografie, zur Plattform „Essen & Trinken Winterthur“, ins Marketing und zu einem Tandemverleih. Eine Ausstellung in der Motorworld in Kemptthal samt Postkartenbuch bezeichnete er als Höhepunkt seiner fotografischen Tätigkeit. Den Tandemverleih beendete er, nachdem niemand das Angebot mietete.
Nachhaltigkeit habe ihn bei seinen Projekten stets begleitet, berichtet Nau.ch. Gleichzeitig kritisiert Miklavcic, dass viele Fördermittel wie der Klimafonds der Stadt für nachhaltige Projekte vergeben würden, nachhaltige unternehmerische Tätigkeiten aber ausgeschlossen seien.
Als positive Beispiele nennt er Brockenhäuser, Wick Reuse und Renner Bikes. Häufig fehle es nachhaltigen Unternehmen jedoch an Sichtbarkeit, um sich im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Die Stadt könne aus seiner Sicht als Schnittstelle auftreten und eine Plattform schaffen, die einzelne Projekte miteinander verbindet und ihre Sichtbarkeit in Winterthur oder überregional fördert.
Infobox – nau.ch: Richard Miklavcic verfolgt mit dem Phonix-Sound-System eine nachhaltige Geschäftsidee auf Basis historischer Radiogeräte. Als zentrale Herausforderung beschreibt er die geringe Bereitschaft, für Nachhaltigkeit mehr zu bezahlen, sowie die fehlende Sichtbarkeit entsprechender Unternehmen.
„Rotterdam Rocks“ soll nachhaltiges Bauen sichtbar machen
Das niederländische Architekturbüro MVRDV hat mit „Rotterdam Rocks“ ein Gebäudekonzept aus sieben riesigen Felsbrocken entworfen. Die 240 Millionen Euro teure Konstruktion soll Ausstellung, Begrünung und nachhaltiges Bauen in einem Gebäudekomplex verbinden.
Das Konzept entstand als Beitrag zu einem internationalen Wettbewerb des Sozialunternehmens Shift. Gesucht wurde ein neues „Weltwunder“, das für die Klimakrise sensibilisiert und nachhaltiges Bauen vorlebt. Geplant ist ein rund 20.000 Quadratmeter großer Gebäudekomplex am Südufer der Maas.
Die beiden verbundenen Türme sollen von einem dreidimensionalen Flusspark überzogen werden. Vorgesehen sind Grünflächen, Kanäle, Terrassen, Nischen für Tiere und Pflanzen sowie Bereiche zur Wasserspeicherung und Energiegewinnung. Begrünte Aufenthaltsflächen, Cafés und Restaurants sollen das Projekt ergänzen.
Ein Rundweg soll Besucher bis auf die Dachterrasse mit Blick über Rotterdam führen. Laut MVRDV soll die Gebäudeoberfläche die Biodiversität fördern und Lebensraum für urbane Natur schaffen.
Auch im Inneren wird die Felsenoptik aufgegriffen. Jeder Gebäudeteil soll eine große Höhle erhalten, die über Treppen, Rampen, Terrassen und Aufzüge erschlossen wird. Ein Turm ist vor allem für Erlebnis-Ausstellungen vorgesehen, im anderen sollen Gastronomieangebote entstehen. Zusätzlich sind ein Hotel und ein Konferenzzentrum geplant.
Als Baumaterialien und Verfahren sind recycelter Stahl, CO₂-reduzierter Beton, biobasierte Materialien, Robotik und 3D-Druck vorgesehen. Alle Bauteile sollen später wiederverwendet werden können. Besucher sollen in Echtzeit verfolgen können, wie das Gebäude Energie erzeugt und verbraucht, Wasser nutzt, Biodiversität entwickelt und auf Umwelteinflüsse reagiert.
Ein Termin für die Fertigstellung steht bislang nicht fest. Die Meldung wurde von BILD unter Bezug auf TRAVELBOOK veröffentlicht.
Infobox – BILD: „Rotterdam Rocks“ soll rund 20.000 Quadratmeter umfassen und 240 Millionen Euro kosten. Vorgesehen sind sieben Felsformationen, ein dreidimensionaler Flusspark, Erlebnis-Ausstellungen, Gastronomie, ein Hotel und ein Konferenzzentrum.
Niedrigwasser am Pegel Kaub erschwert die Binnenschifffahrt
Der Pegel Kaub ist am 10. August 2026 um 5 Uhr auf 17 Zentimeter gefallen. Damit wird die Binnenschifffahrt auf dem Rhein zunehmend schwieriger; laut der gemeinsamen Pressemeldung von MSG eG, Würzburg, und der Bavaria Schiffahrts- und Speditions-AG soll der Wasserstand bis zum Ende der Woche sogar auf einen einstelligen Wert sinken.
Sinkende Pegelstände zwingen Binnenschiffe dazu, ihren Tiefgang zu reduzieren. Dadurch können sie weniger Ladung aufnehmen. Für Reedereien und Verlader bedeutet dies weniger verfügbare Ladekapazität und steigende Kosten entlang der Versorgungskette.
Die Versorgung der Kunden auf der Wasserstraße soll nach Angaben der beiden Reedereien dennoch aufrechterhalten werden. Die Unternehmen warnen jedoch davor, dass Verteuerungen entlang der Versorgungskette in wirtschaftlich angespannten Zeiten auch höhere Verbraucherpreise und Verknappungen auslösen könnten.
Als Vergleich verweist die Pressemeldung auf das Niedrigwasserjahr 2018. Eine Erhebung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft habe die damalige extreme Kleinwasserperiode mit einem Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts um rund 0,4 Prozent in Verbindung gebracht. Dies entspreche etwa 13 bis 14 Milliarden Euro.
Die Reedereien kritisieren, dass sich die Infrastruktur nur begrenzt an stark schwankende Wasserstände anpassen lasse. Martin Staats, Vorstand der MSG, fordert weitere Maßnahmen des Bundes. Die im Bundeswasserstraßenausbaugesetz von 2016 vorgesehene „Abladeoptimierung der Fahrrinne am Mittelrhein“ soll nach seinen Angaben lediglich 20 Zentimeter zusätzliche Abladung ermöglichen; die Umsetzung der notwendigen wasserbaulichen Maßnahmen dauere zugleich mehr als 20 Jahre.
MSG und Bavaria sehen ihre Flotten für unterschiedliche Wasserstände vergleichsweise gut gerüstet. Andreas Dicke, Vorstand der Bavaria, verweist darauf, dass die Schiffe weitgehend tiefgangsoptimiert seien. Auf der Donau seien die Reedereien seit Jahrzehnten mit stark schwankenden und häufig niedrigen Wasserständen vertraut.
Zusammen betreiben MSG und Bavaria nach eigenen Angaben eine Flotte von annähernd 85 Schiffseinheiten. Beide Unternehmen sind auf den Rhein-Main-Donau-Wechselverkehr spezialisiert.
Eine stärkere Verknüpfung von Straße, Schiene und Wasserstraße halten die Reedereien grundsätzlich für sinnvoll. Als kurzfristige Lösung für die aktuelle Niedrigwasserlage sehen sie den Straßengüterverkehr und die Schiene jedoch nicht: Auf der Straße verweisen sie unter anderem auf das Sonntagsfahrverbot, bei der Bahn auf zahlreiche Baustellen und weitere Einschränkungen.
Infobox – transport-online.de: Am Pegel Kaub wurden am 10. August 2026 um 5 Uhr 17 Zentimeter gemessen. Für das Ende der Woche wird ein einstelliger Wert erwartet; die Flotte von MSG und Bavaria umfasst nach eigenen Angaben annähernd 85 Schiffseinheiten.
Quellen:
- Nachhaltigkeit zum Anfassen // 10.08.2026
- Nachhaltigkeit: Verkehrsministerium fördert grüne Binnenschifffahrt mit 70 Millionen Euro
- FiFeFo 2026 – Nachhaltigkeit trifft auf Kinderbetreuung in Wendlingen
- «Wer bezahlt meine Miete, wenn Nachhaltigkeit nichts kosten darf?»
- Mega-Projekt Rotterdam Rocks - Nachhaltigkeit in Felsform gedacht
- Binnenschifffahrt: Pegel Kaub fällt auf 17 Zentimeter














