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Wenn im September die Roder über die niedersächsischen und bayerischen Kartoffelfelder fahren, ist die Qualität der Knollen längst entschieden. Zur diesjährigen Erntezeit hat der Snack-Hersteller Lorenz ein Hintergrundpapier zu seiner Marke Crunchips vorgelegt, das den Blick vom Werk zurück auf den Acker lenkt. Die Kernaussage: Ob ein Chip später knusprig und aromatisch schmeckt, entscheidet sich nicht in der Fritteuse, sondern Monate zuvor im Boden. Interessant ist das Papier weniger als Markenbotschaft, sondern wegen der Zahlen, die es zu regenerativen Anbaumethoden nennt.
Die Qualitätsentscheidung fällt Monate vor der Tüte
Kartoffeln sind für einen Chips-Hersteller die entscheidende Zutat – und zugleich ein landwirtschaftliches Produkt, dessen Eigenschaften sich im Werk kaum noch korrigieren lassen. Stärkegehalt, Größe, Form und Lagerfähigkeit entstehen auf dem Feld. Lorenz beschreibt genau diesen Zusammenhang als Ausgangspunkt der eigenen Beschaffungsstrategie: Der Grundstein für die spätere Verarbeitungsqualität werde bereits Monate vor der Ernte gelegt.
Für ein Unternehmen der Ernährungswirtschaft ist das mehr als eine Qualitätsfrage. Wer die Eigenschaften seines Rohstoffs beeinflussen will, muss beim Anbau ansetzen – und damit bei Partnern, über die er keine direkte Weisungsbefugnis hat. Genau deshalb rücken langfristige Anbauverträge und gemeinsame Feldversuche in der Branche zunehmend in den Mittelpunkt.
Warum gesunde Böden über die Kartoffelqualität entscheiden
Der fachliche Kern des Papiers ist die Bodenfunktion. Gesunde Böden speichern Wasser, versorgen die Pflanzen mit Nährstoffen und helfen ihnen, sowohl Trockenperioden als auch Starkregen besser zu überstehen. Beides ist für die Kartoffel besonders relevant: Sie besteht nach Angaben von Lorenz zu rund 80 Prozent aus Wasser. Ein Boden, der Feuchtigkeit gut aufnimmt und hält, puffert damit unmittelbar das ab, was Wetterextreme sonst an die Knolle weitergeben.
Dieser Zusammenhang erklärt, warum Bodengesundheit für verarbeitende Unternehmen kein weiches Nachhaltigkeitsthema ist, sondern eine Frage der Versorgungssicherheit. Ertragsschwankungen durch Dürre oder Nässe treffen die Beschaffung direkt – über Menge, Preis und Qualität gleichzeitig.
Regionaler Vertragsanbau rund um zwei deutsche Werke
Die Kartoffeln für Crunchips stammen laut Lorenz aus dem Anbau im Umfeld der beiden deutschen Werke in Hankensbüttel (Niedersachsen) und Neunburg vorm Wald (Oberpfalz). Die räumliche Nähe zwischen Anbaugebiet und Verarbeitung ermöglicht kurze Wege vom Feld ins Werk – ein Punkt, der bei einem wasserreichen, druckempfindlichen Rohstoff sowohl logistisch als auch qualitativ zählt.
Organisatorisch setzt das Unternehmen dabei auf langjährige Partnerschaften mit Vertragslandwirtinnen und -landwirten sowie auf einen laufenden fachlichen Austausch zu Anbau, Qualität und neuen landwirtschaftlichen Ansätzen. Paulina Elena Manthey, Sustainable Agronomy Manager bei Lorenz, formuliert den Anspruch im Pressematerial so:
„Der Geschmack unserer Chips beginnt lange bevor die Kartoffeln im Werk ankommen. Gesunde Böden sind die Grundlage für hochwertige Kartoffeln. Deshalb arbeiten wir gemeinsam mit unseren Vertragslandwirt:innen daran, den Kartoffelanbau langfristig zu stärken und fit für die Zukunft zu machen.“
Untersaaten: regenerative Methoden im Praxistest
Seit 2023 erprobt Lorenz gemeinsam mit Landwirtinnen, Landwirten und wissenschaftlichen Partnern regenerative Methoden im Kartoffelanbau. Die erklärten Ziele: Bodengesundheit und Bodenfruchtbarkeit fördern, Wasser besser speichern, die Biodiversität stärken und den Anbau widerstandsfähiger gegenüber Wetterextremen machen.
Ein konkretes Beispiel sind Untersaaten – zusätzliche Pflanzen, die zwischen den Kartoffelreihen wachsen. Sie bedecken den Boden, halten Feuchtigkeit, binden Nährstoffe und können Erosion reduzieren. Der Ansatz ist in der Praxis nicht risikofrei: Untersaaten konkurrieren potenziell mit der Hauptkultur um Wasser, Licht und Nährstoffe, und sie erschweren unter Umständen die Ernte.
Genau hier liefert das Papier eine belastbare Zwischenbilanz: Die bisherigen Versuche zeigen nach Unternehmensangaben, dass Untersaaten weder Ernte noch Ertrag noch Qualität beeinträchtigt haben. Die langfristige Wirkung auf den Boden werde weiter untersucht – eine Einschränkung, die das Unternehmen selbst benennt und die man ernst nehmen sollte: Bodenaufbau ist ein Prozess über Jahre, nicht über zwei Vegetationsperioden. Ergänzend organisiert Lorenz gemeinsame Feldtage, bei denen sich Unternehmen, Landwirtschaft und Projektpartner direkt auf dem Acker über Ergebnisse und neue Ansätze austauschen.
Die Zahlen im Überblick
Folgende Angaben nennt Lorenz in seinem Pressehintergrund. Es handelt sich um Unternehmensangaben, die hier nicht unabhängig geprüft wurden:
- 4.293 Hektar Kartoffelfläche werden bereits mit Maßnahmen der regenerativen Landwirtschaft bewirtschaftet.
- 11.033 Tonnen CO₂e an Reduktionen und Removals entfallen zwischen 2023 und 2025 auf Kartoffeln.
- Das ist der größte Anteil der insgesamt 12.223 Tonnen CO₂e, die das Unternehmen für diesen Zeitraum ausweist.
- Zwei deutsche Werke: Hankensbüttel und Neunburg vorm Wald.
- Projekte zur regenerativen Landwirtschaft laufen seit 2023.
Was das Papier offenlässt: Es ordnet die 12.223 Tonnen CO₂e nicht in den gesamten Fußabdruck des Unternehmens ein. Ohne diese Bezugsgröße lässt sich nicht beurteilen, welchen Anteil der Effekt an der Klimabilanz tatsächlich ausmacht. Wer die Zahlen bewerten will, braucht diese Einordnung – sie findet sich in der Regel im Nachhaltigkeitsbericht, nicht im Pressematerial. Weitere Angaben zu Zielen und Projekten macht das Unternehmen im Nachhaltigkeitsprogramm von Lorenz.
Was das für die Ernährungswirtschaft bedeutet
Der Fall ist typisch für eine Verschiebung, die sich quer durch die Lebensmittelbranche zieht. Bei verarbeitenden Unternehmen entsteht ein großer Teil der Umwelt- und Klimawirkung nicht im eigenen Werk, sondern in der vorgelagerten Landwirtschaft. Wer dort etwas bewegen will, kann nicht allein über Einkaufspreise steuern, sondern muss in die Anbaupraxis hineinwirken – über langfristige Verträge, gemeinsame Versuchsflächen und geteiltes Wissen.
Regenerative Landwirtschaft ist dabei kein geschützter Begriff und kein einheitliches Verfahren, sondern ein Bündel von Maßnahmen: Bodenbedeckung, weitere Fruchtfolgen, reduzierte Bodenbearbeitung, Untersaaten. Ihre Wirkung hängt stark vom Standort ab. Umso wichtiger sind Versuche unter realen Bedingungen – und die ehrliche Angabe, welche Effekte belegt sind und welche noch offen.
Für die Bewertung solcher Programme empfiehlt sich deshalb ein einfacher Prüfmaßstab: Werden Flächen und Mengen konkret genannt? Wird der Effekt in Relation zur Gesamtbilanz gesetzt? Und wird transparent gemacht, was noch nicht bewiesen ist?
Fazit
Hinter dem Werbeversprechen „Der Crunch beginnt im Boden“ steht ein ernst zu nehmender Zusammenhang: Bodenqualität, Wasserhaushalt und Anbaupraxis bestimmen den Rohstoff, den ein Snack-Hersteller später verarbeitet. Dass Lorenz seit 2023 regenerative Methoden im Praxistest hat, Flächen und Tonnagen beziffert und die offenen Fragen zur Langzeitwirkung selbst benennt, hebt das Papier über reine Imagekommunikation hinaus. Belastbar wird das Bild allerdings erst, wenn die genannten Einsparungen in Relation zur gesamten Klimabilanz des Unternehmens gesetzt werden.
Häufige Fragen zum regenerativen Kartoffelanbau bei Lorenz
Warum ist die Bodengesundheit für Crunchips wichtig?
Gesunde Böden können Wasser und Nährstoffe besser speichern und Kartoffelpflanzen dadurch bei Trockenheit und Starkregen unterstützen. Da Kartoffeln zu rund 80 Prozent aus Wasser bestehen, beeinflusst der Wasserhaushalt des Bodens auch die Qualität und Lagerfähigkeit der Knollen.
Welche regenerativen Methoden testet Lorenz im Kartoffelanbau?
Lorenz erprobt seit 2023 gemeinsam mit Vertragslandwirtinnen und -landwirten sowie wissenschaftlichen Partnern unter anderem Untersaaten. Diese Pflanzen bedecken den Boden, können Feuchtigkeit halten, Nährstoffe binden und Erosion verringern.
Welche Ergebnisse zeigen die bisherigen Versuche mit Untersaaten?
Nach Angaben von Lorenz haben die bisherigen Versuche weder Ernte, Ertrag noch Qualität beeinträchtigt. Die langfristige Wirkung der Untersaaten auf die Bodengesundheit wird jedoch weiterhin untersucht.
Woher stammen die Kartoffeln für Crunchips?
Die Kartoffeln stammen laut Lorenz aus dem regionalen Vertragsanbau im Umfeld der deutschen Werke in Hankensbüttel in Niedersachsen und Neunburg vorm Wald in der Oberpfalz.
Wie groß sind die bisher ausgewiesenen Klimaeffekte?
Lorenz weist für den Zeitraum von 2023 bis 2025 insgesamt 11.033 Tonnen CO₂e an Reduktionen und Removals im Kartoffelanbau aus. Die Maßnahmen werden auf 4.293 Hektar Kartoffelfläche umgesetzt. Eine Einordnung in die gesamte Klimabilanz des Unternehmens fehlt jedoch.














