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Unternehmen berichten umfassender über Nachhaltigkeit – Transparenz bleibt selektiv
Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen enthalten zunehmend konkrete Angaben zu Umwelt, Beschäftigten und Unternehmensführung. Wie der MDR berichtet, hat ein Forschungsteam der Ludwig-Maximilians-Universität München die Berichterstattung über einen Zeitraum von zehn Jahren ausgewertet.
Im Mittelpunkt standen Millionen von Daten aus rund 9.000 Berichten mit 1,7 Millionen Seiten. Dafür entwickelten die Forschenden ein KI-System, das die umfangreichen Dokumente analysiert. Die Daten stehen nach Angaben des MDR kostenfrei zur Verfügung und seien teilweise detaillierter als kommerziell erhältliche Datensätze.
Die neue EU-Richtlinie CSRD umfasst insgesamt 500 Kennzahlen. Diese reichen laut MDR vom Wasserverbrauch bis zur Zahl der Frauen im Top-Management. Nach Einschätzung des Ökonomen Thorsten Sellhorn ermöglichen solche Kennzahlen Vergleiche über mehrere Jahre und eine Messung an festgelegten Zielen.
In den untersuchten Berichten informieren Unternehmen besonders häufig über die eigene Belegschaft. Dazu zählen unter anderem Mitarbeitendenzufriedenheit und Arbeitsunfälle. Angaben zu Umweltverschmutzung und zum Erhalt der Biodiversität finden sich dagegen deutlich seltener.
Bei den direkten Emissionen aus der eigenen Produktion beobachtete die Studie im Durchschnitt einen deutlichen Rückgang. Zugleich habe sich der Anteil erneuerbarer Energien nahezu verdoppelt. Die Emissionen entlang der Wertschöpfungsketten nahmen dagegen deutlich zu, was laut MDR vor allem mit einer verbesserten Transparenz bei Lieferketteninformationen zusammenhängt.
Sellhorn zufolge verbessern Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsstrategien vor allem dort, wo Transparenz eingefordert wird und Kennzahlen im öffentlichen Rampenlicht stehen. Der Bericht allein senke jedoch keine Emissionen. Die CSRD könnte in Deutschland voraussichtlich noch 2026 geltendes Recht werden; zugleich wird vor einer Überforderung kleinerer Unternehmen gewarnt.
„Transparenz ist Mittel, nicht Zweck an sich. Ich meine, Berichte alleine senken keine Emissionen“, sagt Thorsten Sellhorn laut MDR.
Zusammenfassung: Die Berichterstattung wird messbarer und umfangreicher, konzentriert sich aber weiterhin stärker auf öffentlich beachtete Themen als auf Umweltverschmutzung und Biodiversität. Direkte Emissionen sanken im Durchschnitt, während Lieferkettenemissionen zunehmend sichtbar wurden.
Nachhaltige Finanzen: Mehr Regulierung soll Vergleichbarkeit schaffen
Die Branche für nachhaltige Finanzen steht nach Einschätzung der FAZ trotz geopolitischer Veränderungen und einer ablehnenden Haltung der US-amerikanischen Regierung nicht vor einem Einbruch. Unternehmen, die in Amerika aktiv sind, hätten ihre Kommunikation zu Nachhaltigkeit zwar zurückgefahren, das Thema bleibe jedoch wirtschaftlich relevant.
Julia Haake, Leiterin des ESG-Ratings der französischen Ratingagentur Ethifinance, verweist insbesondere auf Einsparungen durch einen geringeren Energieverbrauch. Unternehmen weltweit bereiteten sich auf eine Zukunft vor, in der sie weniger abhängig von fossilen Energieträgern seien.
Auch der Verlust an Biodiversität werde wirtschaftlich bedeutsamer. Besonders Branchen wie Tourismus, Pharma und die Lebensmittelindustrie seien von der Artenvielfalt abhängig. Am Finanzmarkt spielten neben Kapitaleignern zunehmend Vermögensverwalter eine wichtige Rolle.
Ein Problem der ESG-Ratings besteht laut FAZ darin, dass die Ergebnisse verschiedener Ratingagenturen aufgrund unterschiedlicher Methoden stark voneinander abweichen. Bewertet würden soziale, ökologische und Aspekte der Unternehmensführung; Unterschiede gebe es unter anderem bei der Gewichtung dieser Bereiche und bei der Zahl der Indikatoren.
Seit Anfang Juli gelten EU-weite Regeln für ESG-Ratingagenturen. Diese unterstehen nun der europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA. Nach Einschätzung von Haake soll die Aufsicht zu mehr Transparenz und höherer Ratingqualität führen und das Vertrauen von Investoren stärken.
Die angewendeten Methoden sollen kontrollier- und vergleichbar werden. Außerdem müssen bewertete Unternehmen benachrichtigt werden, bevor ein Bericht veröffentlicht wird. Ethifinance wolle sich dabei als unabhängige und regulierte europäische Alternative positionieren.
Die FAZ berichtet zugleich, dass die Reduzierung der berichtspflichtigen Unternehmen im Zuge der Änderungen an der CSRD problematisch sein könne. Dadurch könnten weniger Gesellschaften vergleichbare und realistische Daten liefern. Ziel der ursprünglichen Regelung sei es gewesen, harmonisierte Daten von vielen Unternehmen zu erhalten.
In Frankreich habe eine frühe Berichtspflicht dazu geführt, dass sich Unternehmen bereits frühzeitig mit Nachhaltigkeit beschäftigten. Haake kritisiert, es habe insgesamt zu viel Reporting und zu wenige innovative Themen wie Kreislaufwirtschaft oder faire Transition gegeben. Gleichzeitig sei auf dem französischen Markt viel Innovation entstanden.
„Aber es ist ein wirtschaftliches Thema: Es reduziert die Kosten, wenn man Energie spart“, sagt Julia Haake laut FAZ.
Zusammenfassung: Nachhaltige Finanzen bleiben trotz politischer Gegenbewegungen wirtschaftlich relevant. Neue EU-Regeln für ESG-Ratings sollen Transparenz, Vergleichbarkeit und Vertrauen verbessern, während eine geringere Zahl berichtspflichtiger Unternehmen die Datenbasis schwächen könnte.
„Toxic beauties“ im Haus der Nachhaltigkeit
Das Haus der Nachhaltigkeit zeigt bis zum 23. August die Ausstellung „toxic beauties“ des Berliner Künstlers Udo Vieth. Wie Die Rheinpfalz berichtet, nutzt Vieth digitale Satellitendaten als Inspiration und Rohmaterial für seine Arbeiten.
Satelliten ermöglichen einen präzisen Blick auf die rasanten und radikalen Veränderungen des Planeten durch menschliche Aktivitäten und das Klima. Im Zentrum der Werke steht eine Natur, die zur reinen Nutzfläche gemacht und von einer „Geometrie des Profits und der Maßlosigkeit“ geprägt sei.
Die daraus entstehenden Strukturen und Bilder wirken zugleich absurd und irritierend schön. Der Künstler fasst sie in fragile Schmetterlingslinien. Der Schmetterling steht für Vieth für Verletzlichkeit und Bedrohung.
Die Ausstellung thematisiert unter anderem die Blaualgenblüte der Ostsee, den Permafrostboden in Sibirien, die Ausbeutung eines Grundwassersees in den USA und die Todeslinien auf dem Meeresgrund durch Schleppnetzfischerei.
Der Besuch ist während der Öffnungszeiten des Hauses der Nachhaltigkeit kostenfrei möglich. Geöffnet ist die Ausstellung außer samstags von 10 bis 17 Uhr. Trotz laufender Bauarbeiten bleibt das Haus geöffnet.
Zusammenfassung: „Toxic beauties“ verbindet Satellitendaten mit künstlerischen Darstellungen globaler Umweltveränderungen. Die Ausstellung ist bis zum 23. August kostenfrei zu den genannten Öffnungszeiten zu sehen.
Deutsche informieren sich weniger über Mode – Nachhaltigkeit verliert an Bedeutung
Das Interesse der Deutschen an Mode und Bekleidung nimmt ab. Baden Online berichtet unter Berufung auf eine Studie, dass sich weniger Menschen über Kleidung informieren.
Auch Nachhaltigkeit spielt beim Kauf von Bekleidung demnach eine geringere Rolle. Weitere Angaben zu den Ergebnissen der Studie enthält die vorliegende Meldung nicht.
Zusammenfassung: Das Interesse an Mode sinkt, während Nachhaltigkeit beim Kleidungskauf laut der von Baden Online genannten Studie weniger wichtig wird.
Radiologie des Universitätsklinikums Brandenburg erhält Nachhaltigkeits-Siegel
Die Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums Brandenburg an der Havel wurde von der European Society of Radiology als „Green Imaging Department“ ausgezeichnet. Das berichtet Meetingpoint Brandenburg.
Mit dem europäischen Qualitätssiegel würdigt die Fachgesellschaft Radiologieabteilungen, die Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und eine hochwertige Patientenversorgung miteinander verbinden. Die Auszeichnung berücksichtigt zahlreiche Aspekte des radiologischen Alltags.
Dazu zählen energieeffiziente Betriebsabläufe, moderne Geräte- und Gebäudetechnik, nachhaltiges Abfall- und Kontrastmittelmanagement sowie digitale Archivierungs- und Befundungsprozesse. Ebenfalls einbezogen werden evidenzbasierte Untersuchungsstrategien, ressourcenschonende Beschaffung, die Reduktion unnötiger Patientenwege und die Förderung digitaler Zusammenarbeit.
Das europäische Programm umfasst insgesamt neun Handlungsfelder nachhaltiger Radiologie. Eine zentrale Rolle bei den technischen und physikalischen Maßnahmen spielte der Medizinphysiker Christian Willomitzer, der den Zertifizierungsprozess fachlich begleitete.
Nach Angaben von Meetingpoint Brandenburg versteht das Universitätsklinikum Nachhaltigkeit und Digitalisierung als festen Bestandteil moderner Universitätsmedizin. Das Klinikum engagiert sich bereits in Projekten zu energieeffizienter Gebäudetechnik, Photovoltaik, intelligenten Mobilitätskonzepten und bundesweiten Klimaschutzinitiativen.
„Nachhaltigkeit ist für uns kein Selbstzweck, sondern Ausdruck einer hochwertigen Medizin“, sagt Univ.-Prof. Andreas G. Schreyer laut Meetingpoint Brandenburg.
Die Radiologie will die Zertifizierung als Ansporn für weitere Verbesserungen verstehen. Neue Ideen sollen entwickelt und wissenschaftlich begleitet werden, um Spitzenmedizin, Innovation und verantwortungsvolles Handeln miteinander zu verbinden.
Zusammenfassung: Die Radiologie des Universitätsklinikums Brandenburg wurde als „Green Imaging Department“ ausgezeichnet. Das Siegel bezieht sich unter anderem auf Energieeffizienz, Kontrastmittelmanagement, digitale Prozesse, Beschaffung und die Reduktion unnötiger Patientenwege.
Trinationaler Masterstudiengang soll nachhaltige Fachkräfte für den Oberrhein ausbilden
Im Oberrheingebiet verbindet das EU-geförderte Projekt TRAIL Hochschulen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz in einem trinationalen Masterstudiengang Sustainable Business Development. Der Tagesspiegel berichtet, dass der Studiengang praktische grenzüberschreitende Erfahrung, internationale Perspektiven und nachhaltige Entwicklung zusammenführen soll.
Beteiligt sind die Hochschule Offenburg, die EM Strasbourg Business School und die Fachhochschule Nordwestschweiz. Studiert wird an drei Standorten: in Offenburg, Straßburg und Basel.
Der Studiengang kombiniert Inhalte aus Betriebswirtschaft, Technologie und Nachhaltigkeit. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der engen Verbindung zur Unternehmenspraxis.
Das Projekt TRAIL wird im Rahmen des Interreg-Programms durch Mittel der EU-Kohäsionspolitik gefördert. Es erhält 1.259.120,07 Euro aus EU-Mitteln und umfasst insgesamt ein Budget von 2.885.869,65 Euro. Projektträger ist die Hochschule Offenburg.
Ziel ist es, insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen zu stärken. Dafür sollen qualifizierte Fachkräfte mit Praxisbezug und internationaler Erfahrung ausgebildet werden.
Praxisorientierte Projekte sind fester Bestandteil des Lehrplans. Studierende arbeiten direkt mit Unternehmen zusammen, entwickeln eigene Geschäftsideen oder begleiten Transformationsprozesse hin zu nachhaltigeren Geschäftsmodellen.
Nach Darstellung des Tagesspiegels bringen die Studierenden aktuelles Fachwissen, einen Blick von außen und internationale Perspektiven in die Betriebe ein. Gleichzeitig erhalten sie frühzeitig Einblicke in reale Herausforderungen und konkrete Lösungsansätze.
Der Studiengang fördert neben der fachlichen Qualifikation auch interkulturelle Kompetenzen und Eigeninitiative. Die internationale Zusammensetzung der Gruppen sowie der Wechsel zwischen den Standorten sollen neue Perspektiven eröffnen.
| Projektangabe | Wert |
|---|---|
| EU-Mittel | 1.259.120,07 Euro |
| Gesamtbudget | 2.885.869,65 Euro |
| Studienstandorte | Offenburg, Straßburg und Basel |
| Beteiligte Länder | Deutschland, Frankreich und die Schweiz |
Zusammenfassung: Das Projekt TRAIL verbindet einen trinationalen Masterstudiengang mit Unternehmenspraxis und Nachhaltigkeit. Für das Projekt stehen 1.259.120,07 Euro EU-Mittel und ein Gesamtbudget von 2.885.869,65 Euro zur Verfügung.
Quellen:
- Nachhaltigkeit: Unternehmen berichten offener – aber vor allem, was sie müssen
- Nachhaltige Finanzen: Macht die Branche Fortschritte?
- Ausstellung am Haus der Nachhaltigkeit
- Interesse an Mode sinkt – Nachhaltigkeit weniger wichtig
- Ein Blick auf die Radiologie: Uni-Klinik holt Nachhaltigkeits-Siegel
- Trinationales Masterprogramm Sustainable Business Development bildet nachhaltige Fachkräfte für den Oberrhein aus













