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Wer war Carl von Clausewitz?
Carl von Clausewitz wurde 1780 in Burg bei Magdeburg geboren und trat bereits als Jugendlicher in die preußische Armee ein. Seine Laufbahn fiel in eine Zeit, in der Napoleon die politische Ordnung Europas veränderte. Clausewitz erlebte mehrere Feldzüge und erkannte dabei, dass militärische Stärke allein keinen Erfolg garantiert.
Die Erfahrungen der Napoleonischen Kriege prägten seinen Blick auf Führung und Entscheidung. Große Heere, neue Formen der Mobilisierung und starke politische Bewegungen veränderten den Krieg. Clausewitz interessierte deshalb nicht nur das Gefecht, sondern auch die Ziele eines Staates, die Rolle von Führung und die Grenzen militärischer Planung.
Nach dem Krieg arbeitete Clausewitz an militärischen Lehrstätten und übernahm später wichtige Aufgaben im preußischen Heer. Sein Hauptwerk Vom Kriege blieb bei seinem Tod 1831 unvollendet. Seine Ehefrau Marie von Clausewitz sorgte ab 1832 für die Veröffentlichung der Manuskripte.
Das Werk ist keine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Clausewitz wollte zeigen, warum Kriege schwer zu planen sind. Seine Analyse verbindet politische Ziele, militärische Mittel, menschliches Verhalten und wechselnde Umstände. Genau diese Verbindung machte ihn für spätere Strategen bedeutend.
Clausewitz schrieb aus der Sicht eines preußischen Offiziers des frühen 19. Jahrhunderts. Seine Begriffe lassen sich daher nicht ohne Prüfung auf heutige Konflikte oder Unternehmen übertragen. Dennoch hilft sein Ansatz, strategische Entscheidungen nicht als reine Rechenaufgabe zu verstehen. Er lenkt den Blick auf Interessen, Widerstände und die offene Entwicklung einer Lage.
Strategie und Taktik nach Clausewitz
Für Clausewitz beginnt Strategie nicht beim einzelnen Gefecht. Sie fragt zuerst: Welches Ziel soll der gesamte Krieg erreichen? Erst danach folgt die Wahl der Mittel. In Vom Kriege beschreibt er Strategie als die Verbindung einzelner Gefechte zu einem übergeordneten Zweck.
Taktik meint dagegen die Führung des Gefechts. Sie entscheidet, wie Truppen an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit eingesetzt werden. Dazu gehören etwa Bewegung, Feuer, Gelände und das Verhalten gegenüber dem Gegner.
Die Unterscheidung lässt sich knapp fassen:
- Strategie: Sie legt Ziel, Richtung, Schwerpunkt und Einsatz der Kräfte fest.
- Taktik: Sie setzt diese Vorgaben in einer konkreten Lage um.
- Verbindung: Taktische Erfolge zählen erst dann dauerhaft, wenn sie den strategischen Zweck fördern.
Ein gewonnenes Gefecht kann daher strategisch nutzlos bleiben, etwa wenn es zu viele Kräfte bindet, den politischen Zweck verfehlt oder keinen Einfluss auf den weiteren Verlauf hat. Clausewitz trennte beide Ebenen also analytisch, nicht praktisch.
Sein Ansatz war damit anspruchsvoller als eine einfache Rangordnung. Eine Strategie muss umsetzbar sein und darf nicht nur auf dem Papier überzeugen. Umgekehrt braucht jede taktische Handlung eine Richtung, sonst entsteht Aktivität ohne klares Ergebnis.
Clausewitz warnte zudem vor Regeln, die unabhängig von der Lage gelten sollen. Gelände, Kräfte, Zeit, Führung und Gegner verändern jede Entscheidung. Strategisches Denken bedeutet deshalb, allgemeine Grundsätze auf den Einzelfall anzuwenden, statt ein festes Rezept abzuarbeiten.
Strategie bestimmt den Sinn einer Handlung, Taktik zeigt, wie sie unter konkreten Bedingungen gelingt. Zwischen beiden liegt keine starre Mauer, sondern ein ständiger Austausch.
Warum Krieg für Clausewitz ein politisches Mittel ist
Für Clausewitz stand Krieg nie außerhalb staatlicher Zwecke. Er verstand ihn als Handlung eines politischen Gemeinwesens, das mit Gewalt einen Willen durchsetzen oder den Willen des Gegners brechen will. Damit verschiebt sich die Leitfrage: Nicht nur „Wie wird gekämpft?“ zählt, sondern vor allem „Welches politische Ziel soll erreicht werden?“
Seine bekannte Formel lautet: „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Gemeint ist kein Freibrief für Gewalt. Clausewitz beschreibt damit die Verbindung zwischen politischem Zweck und militärischem Handeln. Die Waffen ändern das Mittel, nicht den Ursprung des Konflikts.
Der politische Zweck bestimmt, wie viel ein Staat einsetzen will. Ein begrenztes Ziel verlangt meist andere Kräfte als der Versuch, den Gegner vollständig zu besiegen. Deshalb kann ein militärischer Erfolg trotzdem falsch bewertet sein: Er mag teuer, riskant oder für das eigentliche Staatsziel ohne Nutzen sein.
Clausewitz unterscheidet zwischen dem politischen Zweck und dem militärischen Ziel. Das Militär braucht konkrete Vorgaben, etwa die Sicherung eines Gebiets oder die Ausschaltung einer bestimmten Fähigkeit. Diese Vorgaben bleiben jedoch an eine politische Entscheidung gebunden. Ändert sich der Zweck, muss sich auch der militärische Kurs ändern.
Krieg besitzt für ihn zudem eine eigene Dynamik. Gewalt erzeugt Gegenwehr, und beide Seiten versuchen, ihren Willen durchzusetzen. Aus einem begrenzten Vorhaben kann so ein größerer Konflikt entstehen. Die politische Führung muss daher fortlaufend prüfen, ob weitere Gewalt noch zum Ziel passt.
Militärische Mittel dürfen folglich nicht allein nach ihrem unmittelbaren Erfolg beurteilt werden. Entscheidend bleibt ihr Beitrag zu einem erreichbaren politischen Zweck. Ohne diese Verbindung wird Strategie zur bloßen Sammlung von Operationen.
Friktion, Zufall und Unsicherheit in strategischen Entscheidungen
Friktion bezeichnet bei Clausewitz die Summe kleiner Störungen, die einen Plan im Einsatz verändern. Dazu zählen Missverständnisse, verspätete Nachrichten, Erschöpfung, schlechtes Wetter oder technische Ausfälle. Jede einzelne Schwierigkeit wirkt oft gering. Zusammen können sie jedoch den Ablauf einer Operation stark verschieben.
Damit unterscheidet Clausewitz den wirklichen Krieg vom Krieg auf dem Papier. Ein Plan setzt klare Abläufe voraus. Die Wirklichkeit liefert dagegen unvollständige Informationen und unerwartete Reaktionen. Auch ein gut ausgebildeter Verband handelt nicht wie eine Maschine. Menschen zögern, irren sich oder bewerten dieselbe Lage verschieden.
Zum Problem kommt der Gegner. Er folgt keinem Drehbuch, sondern beobachtet, täuscht und passt sich an. Jede eigene Entscheidung verändert seine Optionen. Strategische Planung gleicht deshalb keinem geraden Weg, sondern einem Kurs, der unter wechselnden Bedingungen korrigiert werden muss.
Zufall verstärkt diese offene Lage. Ein Ausfall, eine falsche Meldung oder eine unerwartete Bewegung kann Folgen auslösen, die niemand geplant hat. Clausewitz sah darin keinen bloßen Randfehler. Zufall gehört für ihn zum Charakter des Krieges.
Gute Strategie verlangt daher nicht die Illusion vollständiger Kontrolle. Sie braucht Reserven, klare Prioritäten und die Fähigkeit, Entscheidungen unter Zeitdruck zu treffen. Ebenso wichtig ist ein realistisches Lagebild, das eigene Annahmen jederzeit infrage stellt.
- Welche Informationen sind gesichert?
- Welche Annahmen können sich als falsch erweisen?
- Welche Störung würde den gesamten Plan gefährden?
- Welche Entscheidung lässt sich später noch korrigieren?
Diese Fragen zeigen, warum Clausewitz starre Regeln ablehnte. Eine allgemeine Formel kann die Lage nicht ersetzen. Strategisches Urteilsvermögen entsteht erst, wenn Führungskräfte Signale gewichten, Folgen abschätzen und bei Bedarf umsteuern.
Gerade darin liegt die moderne Bedeutung seiner Kriegstheorie. Sie erklärt Unsicherheit nicht weg, sondern macht sie zum Kern strategischer Entscheidungen. Wer Friktion einplant, bewertet Pläne nicht nach ihrer Eleganz, sondern nach ihrer Belastbarkeit.
Schwerpunkt, Angriff und Verteidigung
Der Schwerpunkt bezeichnet bei Clausewitz den entscheidenden Punkt eines Konflikts. Gemeint ist nicht immer ein Ort oder eine einzelne Truppe. Es kann auch die Verbindung zwischen Streitkräften, die politische Führung oder die Moral einer Koalition sein. Wer diesen Punkt richtig erkennt, kann mit begrenzten Mitteln große Wirkung erzielen.
Der Begriff verlangt daher eine genaue Lageanalyse. Ein Schwerpunkt entsteht nicht nach einer festen Formel. Er hängt von den Zielen, den Kräften und der inneren Stabilität des Gegners ab. Was in einem Konflikt entscheidend wirkt, kann in einem anderen fast bedeutungslos sein.
Clausewitz betrachtete den Angriff als Handlung mit einem klaren Vorteil: Er bestimmt zunächst Ort und Zeitpunkt des Vorgehens. Dieser Vorteil bleibt jedoch nicht dauerhaft. Mit wachsender Entfernung, längeren Nachschubwegen und zunehmender Erschöpfung verliert der Angreifer an Kraft. Der Angriff muss deshalb ein erreichbares Ziel haben.
Die Verteidigung verstand Clausewitz nicht als bloßes Abwarten. Sie nutzt die Vorteile der Lage, etwa geschützte Positionen, bessere Ortskenntnis und die Unterstützung durch die Bevölkerung. Außerdem kann sie Zeit gewinnen und die Kräfte des Angreifers schwächen. Eine Verteidigung wird damit zur Vorbereitung eines Gegenangriffs.
Für strategische Entscheidungen folgt daraus ein Balanceproblem:
- Der Angriff kann Initiative schaffen, bindet aber oft mehr Kräfte.
- Die Verteidigung kann Ressourcen schonen, überlässt dem Gegner jedoch zunächst Handlungsspielraum.
- Beide Seiten müssen den entscheidenden Punkt der Lage erkennen.
- Ein Erfolg zählt erst, wenn er die eigene Position dauerhaft verbessert.
Diese Überlegungen lenken die Aufmerksamkeit auf Prioritäten statt auf bloße Aktivität. Wer überall zugleich handeln will, verteilt seine Kräfte. Wer den Schwerpunkt erkennt, setzt sie gezielter ein.
Clausewitz liefert damit kein starres Schema für Angriff oder Verteidigung. Sein Wert liegt in der Frage, welche Handlung unter den gegebenen Bedingungen den größten Einfluss besitzt. Genau diese Prüfung schützt vor vorschnellen Entscheidungen.
Clausewitz’ Einfluss auf modernes strategisches Denken
Clausewitz prägte modernes strategisches Denken vor allem durch seinen analytischen Ansatz. Er suchte keine zeitlosen Rezepte für jeden Konflikt. Stattdessen untersuchte er, wie Ziele, Kräfte, Entscheidungen und Gegenspieler zusammenwirken. Diese Sicht beeinflusste militärische Lehrsysteme und später auch politische Analysen.
Sein Werk wurde im 19. Jahrhundert zunächst unterschiedlich aufgenommen. Manche Militärs lasen es als Anleitung für große Entscheidungsschlachten. Andere erkannten stärker die methodische Seite: Strategen müssen eine konkrete Lage deuten, statt sich auf ein starres Modell zu verlassen. Diese Spannung prägt die Clausewitz-Rezeption bis heute.
Spätere Militärtheoretiker griffen besonders drei Elemente auf:
- die Verbindung von politischem Zweck und militärischem Handeln;
- die Bedeutung des Gegners als aktivem, lernendem Akteur;
- die Notwendigkeit eines Urteils, das auch unvollständige Informationen verarbeitet.
Damit veränderte Clausewitz den Blick auf strategische Planung. Ein Plan gilt nicht mehr allein deshalb als gut, weil er logisch aufgebaut ist. Er muss sich auch gegen Widerstand bewähren und auf neue Entwicklungen reagieren können. Strategie wurde so stärker als Denkaufgabe verstanden.
Sein Einfluss reichte über die klassische Landkriegslehre hinaus. Im 20. Jahrhundert bezogen sich Militärplaner, Politiker und sicherheitspolitische Schulen auf seine Begriffe. Dabei entstanden sehr verschiedene Lesarten. Einige betonten die Entscheidungsschlacht, andere den politischen Rahmen oder die Unsicherheit jedes Konflikts.
Auch moderne Strategieforschung nutzt Clausewitz nicht als fertige Theorie. Sie prüft seine Einsichten im jeweiligen Zusammenhang. Bei asymmetrischen Konflikten, hybriden Bedrohungen oder politischen Krisen zeigt sich jedoch weiterhin ein nützlicher Gedanke: Der sichtbare Einsatz von Mitteln erklärt einen Konflikt erst, wenn seine Ziele und Wechselwirkungen bekannt sind.
Die Publikation Clausewitz – Strategie denken, herausgegeben von Bolko von Oetinger, Tiha von Ghyczy und Christopher Bassford, überträgt diese Perspektive auf Wirtschaft und Management. Die Ausgabe erschien 2001 im Carl Hanser Verlag. Ihr Ansatz ist anregend, weil er Führung nicht als Anwendung eines festen Schemas behandelt.
Gleichzeitig bleibt diese Übertragung umstritten. Besprechungen hoben den Umgang mit instabilen Lagen hervor, bemängelten aber teils fehlende konkrete Wirtschaftsbeispiele. Die Kritik ist nachvollziehbar: Militärische Konflikte beruhen auf anderen Zielen, Regeln und moralischen Grenzen als Märkte.
Der nachhaltigste Einfluss von Clausewitz liegt deshalb weniger in einzelnen Schlagworten. Er besteht in einer Haltung: Strategen sollen Zusammenhänge prüfen, Gegenspieler ernst nehmen und Entscheidungen unter unsicheren Bedingungen verantworten. Diese Haltung erklärt, warum Clausewitz’ Strategiedenken auch 2026 in Militär, Politik und Management diskutiert wird.
Was Unternehmen aus Clausewitz’ Strategiedenken lernen können
Clausewitz liefert Unternehmen keine fertige Wachstumsformel. Sein Nutzen liegt in einer klaren Prüfung von Zweck, Mitteln und Lage. Für ein mittelständisches Unternehmen heißt das zuerst: Welche Position soll in drei Jahren erreicht werden, und welche Fähigkeiten tragen wirklich dorthin?
Aus diesem Ziel lassen sich konkrete Entscheidungen ableiten. Ein Maschinenbauer kann etwa zwischen Preisführerschaft, Spezialanfertigungen und langfristigem Service wählen. Jede Option verlangt andere Investitionen, Kundenbeziehungen und Kompetenzen. Viele Einzelmaßnahmen ergeben noch keine Strategie, wenn diese Verbindung fehlt.
Hilfreich ist auch die Trennung von langfristiger Richtung und kurzfristigem Handeln. Ein neues Vertriebsgebiet kann ein taktischer Schritt sein. Strategisch wird er erst, wenn er zu einem tragfähigen Geschäftsmodell beiträgt. So verhindert die Geschäftsleitung, dass dringende Aufgaben die eigentliche Entwicklung verdrängen.
Für den Alltag lassen sich daraus vier Prüfungen ableiten:
- Welches Ergebnis soll eine Maßnahme genau bewirken?
- Welche knappe Ressource begrenzt den nächsten Schritt?
- Welche Reaktion von Kunden, Wettbewerbern oder Lieferanten ist denkbar?
- Woran erkennt das Unternehmen früh, dass der Kurs nicht trägt?
Ein Beispiel zeigt die praktische Seite: Steigt ein Zulieferer in eine neue Technologie ein, sollte er nicht nur das Produkt planen. Er braucht auch Fachkräfte, Zulassungen, Lieferpartner und einen verlässlichen Absatz. Fehlt ein Baustein, kann ein technisch gutes Angebot wirtschaftlich scheitern.
Clausewitz’ Denken lenkt zudem auf Prioritäten. Ein Betrieb mit begrenztem Kapital kann nicht gleichzeitig jede Produktlinie modernisieren, neue Märkte erschließen und die Produktion verdoppeln. Die Leitung muss entscheiden, welcher Engpass den größten Einfluss auf das Ziel besitzt.
In Krisen hilft eine solche Sicht besonders. Fällt ein wichtiger Lieferant aus, braucht das Unternehmen zunächst eine Rangfolge: Welche Kunden, Produkte und Verpflichtungen sind kritisch? Erst danach folgt die Wahl zwischen Ersatzlieferant, Anpassung des Angebots oder eigener Fertigung.
Die Übertragung bleibt jedoch begrenzt. Wettbewerb ist kein Krieg. Kunden, Beschäftigte und Partner sind keine Gegner, die es zu besiegen gilt. Nachhaltige Unternehmensführung braucht Vertrauen, Rechtstreue und Kooperation. Militärische Begriffe dürfen diese Werte nicht verdrängen.
Grenzen der Übertragung auf Wirtschaft und Management
Die Übertragung von Clausewitz auf Unternehmen scheitert zuerst an unterschiedlichen Zwecken. Ein Staat kann einen politischen Willen mit Gewalt durchsetzen. Ein Betrieb muss dagegen Kunden gewinnen, Recht beachten und Vertrauen erhalten. Schon deshalb darf Wettbewerb nicht als Krieg beschrieben werden.
Auch die Rollen sind nicht vergleichbar. Beschäftigte handeln nicht wie Soldaten. Kunden wählen, wechseln oder verhandeln. Lieferanten können zugleich Partner und Konkurrenten sein. Diese Beziehungen beruhen nicht nur auf Druck, sondern auch auf Kooperation, Fairness und gegenseitigem Nutzen.
Militärische Begriffe können zudem Entscheidungen verzerren. Wer von „Feinden“, „Angriffen“ oder „Vernichtung“ spricht, sieht Märkte schnell als Nullsummenspiel. Dadurch geraten Innovation, Partnerschaften und gesellschaftliche Folgen aus dem Blick. Die Sprache ist hier nicht nebensächlich: Sie beeinflusst, welche Optionen Führungskräfte überhaupt erkennen.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Messbarkeit. Im Gefecht lässt sich ein Gebiet oft besetzen oder halten. Der Erfolg eines Unternehmens zeigt sich dagegen erst über längere Zeit. Umsatz, Gewinn, Kundentreue, Beschäftigtenbindung und ökologische Folgen können einander widersprechen.
Die Übertragung wird besonders problematisch, wenn historische Begriffe verkürzt. Der Schwerpunkt ist kein Synonym für ein beliebiges Kernprojekt. Die Friktion erklärt nicht jede Verzögerung. Solche Konzepte verlieren ihren Wert, wenn sie ohne Prüfung der jeweiligen Lage als Etiketten dienen.
Eine verantwortungsvolle Nutzung verlangt daher drei Grenzen:
- Clausewitz’ Aussagen müssen vom historischen Krieg ihrer Zeit getrennt werden.
- Militärische Begriffe dürfen keine ethischen oder rechtlichen Prüfungen ersetzen.
- Unternehmen brauchen eigene Modelle für soziale, ökologische und wirtschaftliche Folgen.
Die Debatte um Clausewitz – Strategie denken zeigt diese Spannung deutlich. Der Ansatz gilt als anregend, weil er instabile Lagen ernst nimmt. Zugleich wurde kritisiert, dass manche wirtschaftlichen Übertragungen zu allgemein bleiben und moderne Fallbeispiele fehlen. Das macht die Publikation interessant, aber nicht zu einem Beweis für die direkte Anwendbarkeit militärischer Lehren.
Clausewitz eignet sich deshalb eher als Denkanstoß denn als Managementautorität. Seine Begriffe helfen, Annahmen offenzulegen und Zielkonflikte zu erkennen. Wer daraus feste Rezepte ableitet, verfehlt gerade jene geistige Vorsicht, die seinen Ansatz auszeichnet.
Fazit: Strategie und Taktik Clausewitz heute nutzen
Strategie und Taktik nach Clausewitz bleiben auch 2026 relevant, weil sie den Blick auf den Kern strategischer Arbeit richten: Ziele müssen klar sein, Entscheidungen brauchen Prioritäten, und kein Plan entwickelt sich völlig isoliert von seiner Umwelt.
Wer Clausewitz heute liest, sollte ihn weder als Lieferanten einfacher Regeln noch als direkten Managementautor verstehen. Sein bleibender Wert liegt in der Prüfung von Zusammenhängen. Welche Absicht steht hinter einer Maßnahme? Welche Mittel sind verfügbar? Welche Annahmen tragen den Plan – und wann müssen sie fallen?
So verstanden, verbindet Clausewitz historische Kriegstheorie mit einer anspruchsvollen Form des Denkens. Die Taktik bleibt an konkrete Handlungen gebunden. Die Strategie beurteilt deren Beitrag zum übergeordneten Zweck. Erst diese Verbindung verhindert, dass Aktivität mit Fortschritt verwechselt wird.
- Für die Analyse: Ziele, Mittel und mögliche Gegenwirkungen getrennt betrachten.
- Für Entscheidungen: Unsicherheit nicht verdrängen, sondern sichtbar machen.
- Für die Führung: Prioritäten setzen und Verantwortung für Abwägungen übernehmen.
- Für die Übertragung: militärische Begriffe nur mit historischer und ethischer Vorsicht nutzen.
Die wichtigste Lehre lautet daher nicht, wie ein bestimmtes Gefecht oder Projekt gewonnen wird. Clausewitz zeigt vielmehr, warum strategische Entscheidungen Urteilskraft verlangen. Wer diese Einsicht aufgreift, nutzt Clausewitz’ Strategiedenken sinnvoll: als Werkzeug zur Orientierung in konfliktreichen und unsicheren Lagen, nicht als starres Rezept.
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Häufige Fragen zu Clausewitz und strategischem Denken
Was ist der Unterschied zwischen Strategie und Taktik nach Clausewitz?
Strategie verbindet einzelne Gefechte oder Maßnahmen mit einem übergeordneten Ziel. Taktik beschreibt dagegen die konkrete Umsetzung in einer bestimmten Lage. Taktische Erfolge sind nach Clausewitz nur dann dauerhaft bedeutsam, wenn sie den strategischen Zweck unterstützen.
Warum bezeichnete Clausewitz den Krieg als Fortsetzung der Politik?
Clausewitz verstand Krieg als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele. Militärische Handlungen sollten deshalb nicht isoliert bewertet werden, sondern danach, ob sie zum angestrebten politischen Zweck beitragen. Ändert sich das politische Ziel, muss sich auch der militärische Kurs verändern.
Was bedeutet Friktion in Clausewitz’ Kriegstheorie?
Friktion bezeichnet die vielen kleinen Störungen, die einen Plan in der Wirklichkeit erschweren. Dazu gehören etwa unvollständige Informationen, Missverständnisse, Erschöpfung, technische Ausfälle und unerwartete Reaktionen des Gegners. Sie zeigt, warum strategische Planung niemals vollständig kontrollierbar ist.
Was versteht Clausewitz unter einem Schwerpunkt?
Der Schwerpunkt ist der entscheidende Punkt eines Konflikts, an dem eine Handlung besonders große Wirkung entfalten kann. Dabei kann es sich um eine Stellung, eine Streitkraft, eine politische Führung oder die Moral einer Koalition handeln. Welche Bedeutung der Schwerpunkt besitzt, hängt immer von der konkreten Lage ab.
Lässt sich Clausewitz’ Strategiedenken auf Unternehmen übertragen?
Clausewitz’ Überlegungen können Unternehmen helfen, Ziele, Mittel, Prioritäten, Unsicherheiten und mögliche Reaktionen von Wettbewerbern zu analysieren. Sie sind jedoch kein fertiges Managementrezept. Wirtschaftlicher Wettbewerb unterscheidet sich grundlegend vom Krieg und erfordert zusätzlich rechtliche, ethische, soziale und ökologische Abwägungen.





