Der Crunch beginnt im Boden: Wie Lorenz den Kartoffelanbau für Crunchips regenerativ umbauen will

Autor: Nachhaltigkeit-Wirtschaft Redaktion

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Kategorie: Beispiele aus der Praxis

Zusammenfassung: Lorenz setzt beim Kartoffelanbau für Crunchips auf gesunde Böden: 4.293 Hektar regenerativ bewirtschaftet, 11.033 Tonnen CO₂e Reduktionen und Removals.

Wenn im September die Roder über die niedersächsischen und bayerischen Kartoffelfelder fahren, ist die Qualität der Knollen längst entschieden. Zur diesjährigen Erntezeit hat der Snack-Hersteller Lorenz ein Hintergrundpapier zu seiner Marke Crunchips vorgelegt, das den Blick vom Werk zurück auf den Acker lenkt. Die Kernaussage: Ob ein Chip später knusprig und aromatisch schmeckt, entscheidet sich nicht in der Fritteuse, sondern Monate zuvor im Boden. Interessant ist das Papier weniger als Markenbotschaft, sondern wegen der Zahlen, die es zu regenerativen Anbaumethoden nennt.

Die Qualitätsentscheidung fällt Monate vor der Tüte

Kartoffeln sind für einen Chips-Hersteller die entscheidende Zutat – und zugleich ein landwirtschaftliches Produkt, dessen Eigenschaften sich im Werk kaum noch korrigieren lassen. Stärkegehalt, Größe, Form und Lagerfähigkeit entstehen auf dem Feld. Lorenz beschreibt genau diesen Zusammenhang als Ausgangspunkt der eigenen Beschaffungsstrategie: Der Grundstein für die spätere Verarbeitungsqualität werde bereits Monate vor der Ernte gelegt.

Für ein Unternehmen der Ernährungswirtschaft ist das mehr als eine Qualitätsfrage. Wer die Eigenschaften seines Rohstoffs beeinflussen will, muss beim Anbau ansetzen – und damit bei Partnern, über die er keine direkte Weisungsbefugnis hat. Genau deshalb rücken langfristige Anbauverträge und gemeinsame Feldversuche in der Branche zunehmend in den Mittelpunkt.

Warum gesunde Böden über die Kartoffelqualität entscheiden

Der fachliche Kern des Papiers ist die Bodenfunktion. Gesunde Böden speichern Wasser, versorgen die Pflanzen mit Nährstoffen und helfen ihnen, sowohl Trockenperioden als auch Starkregen besser zu überstehen. Beides ist für die Kartoffel besonders relevant: Sie besteht nach Angaben von Lorenz zu rund 80 Prozent aus Wasser. Ein Boden, der Feuchtigkeit gut aufnimmt und hält, puffert damit unmittelbar das ab, was Wetterextreme sonst an die Knolle weitergeben.

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Quelle: Lorenz

Dieser Zusammenhang erklärt, warum Bodengesundheit für verarbeitende Unternehmen kein weiches Nachhaltigkeitsthema ist, sondern eine Frage der Versorgungssicherheit. Ertragsschwankungen durch Dürre oder Nässe treffen die Beschaffung direkt – über Menge, Preis und Qualität gleichzeitig.

Regionaler Vertragsanbau rund um zwei deutsche Werke

Die Kartoffeln für Crunchips stammen laut Lorenz aus dem Anbau im Umfeld der beiden deutschen Werke in Hankensbüttel (Niedersachsen) und Neunburg vorm Wald (Oberpfalz). Die räumliche Nähe zwischen Anbaugebiet und Verarbeitung ermöglicht kurze Wege vom Feld ins Werk – ein Punkt, der bei einem wasserreichen, druckempfindlichen Rohstoff sowohl logistisch als auch qualitativ zählt.

Organisatorisch setzt das Unternehmen dabei auf langjährige Partnerschaften mit Vertragslandwirtinnen und -landwirten sowie auf einen laufenden fachlichen Austausch zu Anbau, Qualität und neuen landwirtschaftlichen Ansätzen. Paulina Elena Manthey, Sustainable Agronomy Manager bei Lorenz, formuliert den Anspruch im Pressematerial so:

„Der Geschmack unserer Chips beginnt lange bevor die Kartoffeln im Werk ankommen. Gesunde Böden sind die Grundlage für hochwertige Kartoffeln. Deshalb arbeiten wir gemeinsam mit unseren Vertragslandwirt:innen daran, den Kartoffelanbau langfristig zu stärken und fit für die Zukunft zu machen.“

Untersaaten: regenerative Methoden im Praxistest

Seit 2023 erprobt Lorenz gemeinsam mit Landwirtinnen, Landwirten und wissenschaftlichen Partnern regenerative Methoden im Kartoffelanbau. Die erklärten Ziele: Bodengesundheit und Bodenfruchtbarkeit fördern, Wasser besser speichern, die Biodiversität stärken und den Anbau widerstandsfähiger gegenüber Wetterextremen machen.

Ein konkretes Beispiel sind Untersaaten – zusätzliche Pflanzen, die zwischen den Kartoffelreihen wachsen. Sie bedecken den Boden, halten Feuchtigkeit, binden Nährstoffe und können Erosion reduzieren. Der Ansatz ist in der Praxis nicht risikofrei: Untersaaten konkurrieren potenziell mit der Hauptkultur um Wasser, Licht und Nährstoffe, und sie erschweren unter Umständen die Ernte.

Genau hier liefert das Papier eine belastbare Zwischenbilanz: Die bisherigen Versuche zeigen nach Unternehmensangaben, dass Untersaaten weder Ernte noch Ertrag noch Qualität beeinträchtigt haben. Die langfristige Wirkung auf den Boden werde weiter untersucht – eine Einschränkung, die das Unternehmen selbst benennt und die man ernst nehmen sollte: Bodenaufbau ist ein Prozess über Jahre, nicht über zwei Vegetationsperioden. Ergänzend organisiert Lorenz gemeinsame Feldtage, bei denen sich Unternehmen, Landwirtschaft und Projektpartner direkt auf dem Acker über Ergebnisse und neue Ansätze austauschen.

Die Zahlen im Überblick

Folgende Angaben nennt Lorenz in seinem Pressehintergrund. Es handelt sich um Unternehmensangaben, die hier nicht unabhängig geprüft wurden:

Was das Papier offenlässt: Es ordnet die 12.223 Tonnen CO₂e nicht in den gesamten Fußabdruck des Unternehmens ein. Ohne diese Bezugsgröße lässt sich nicht beurteilen, welchen Anteil der Effekt an der Klimabilanz tatsächlich ausmacht. Wer die Zahlen bewerten will, braucht diese Einordnung – sie findet sich in der Regel im Nachhaltigkeitsbericht, nicht im Pressematerial. Weitere Angaben zu Zielen und Projekten macht das Unternehmen im Nachhaltigkeitsprogramm von Lorenz.

Was das für die Ernährungswirtschaft bedeutet

Der Fall ist typisch für eine Verschiebung, die sich quer durch die Lebensmittelbranche zieht. Bei verarbeitenden Unternehmen entsteht ein großer Teil der Umwelt- und Klimawirkung nicht im eigenen Werk, sondern in der vorgelagerten Landwirtschaft. Wer dort etwas bewegen will, kann nicht allein über Einkaufspreise steuern, sondern muss in die Anbaupraxis hineinwirken – über langfristige Verträge, gemeinsame Versuchsflächen und geteiltes Wissen.

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Quelle: Lorenz

Regenerative Landwirtschaft ist dabei kein geschützter Begriff und kein einheitliches Verfahren, sondern ein Bündel von Maßnahmen: Bodenbedeckung, weitere Fruchtfolgen, reduzierte Bodenbearbeitung, Untersaaten. Ihre Wirkung hängt stark vom Standort ab. Umso wichtiger sind Versuche unter realen Bedingungen – und die ehrliche Angabe, welche Effekte belegt sind und welche noch offen.

Für die Bewertung solcher Programme empfiehlt sich deshalb ein einfacher Prüfmaßstab: Werden Flächen und Mengen konkret genannt? Wird der Effekt in Relation zur Gesamtbilanz gesetzt? Und wird transparent gemacht, was noch nicht bewiesen ist? 

Fazit

Hinter dem Werbeversprechen „Der Crunch beginnt im Boden“ steht ein ernst zu nehmender Zusammenhang: Bodenqualität, Wasserhaushalt und Anbaupraxis bestimmen den Rohstoff, den ein Snack-Hersteller später verarbeitet. Dass Lorenz seit 2023 regenerative Methoden im Praxistest hat, Flächen und Tonnagen beziffert und die offenen Fragen zur Langzeitwirkung selbst benennt, hebt das Papier über reine Imagekommunikation hinaus. Belastbar wird das Bild allerdings erst, wenn die genannten Einsparungen in Relation zur gesamten Klimabilanz des Unternehmens gesetzt werden.