Nachhaltigkeitsbericht Pflicht für Unternehmen: Bedeutung und gesetzliche Vorgaben
Autor: Nachhaltigkeit-Wirtschaft Redaktion
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Kategorie: Strategie im Unternehmen
Zusammenfassung: Die Nachhaltigkeitsberichtspflicht hängt von Größe, Rechtsform, Kapitalmarktzugang und Konzernstruktur ab; 2026 gelten wegen EU-Änderungen verschobene Anwendungsregeln.
Nachhaltigkeitsbericht Pflicht für Unternehmen: Wer ist betroffen?
Ob ein Nachhaltigkeitsbericht für Unternehmen Pflicht ist, hängt vor allem von Rechtsform, Größe, Kapitalmarktzugang und Konzernstruktur ab. Eine allgemeine Pflicht für jedes Unternehmen besteht nicht.
Unmittelbar betroffen sind vor allem Unternehmen, die in den Anwendungsbereich der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung fallen. Dazu zählen insbesondere große Unternehmen und bestimmte kapitalmarktorientierte Unternehmen. Maßgeblich sind nicht nur Umsatz oder Beschäftigtenzahl, sondern die gesetzlichen Größenmerkmale, der Kapitalmarktzugang und der jeweils geltende zeitliche Anwendungsbereich.
Auch Unternehmensgruppen müssen ihre Struktur prüfen. Ein Mutterunternehmen kann zur Erstellung eines konsolidierten Nachhaltigkeitsberichts verpflichtet sein. Tochterunternehmen können dann unter bestimmten Voraussetzungen von einer eigenen Berichterstattung entlastet sein. Das gilt jedoch nicht automatisch. Befreiungen hängen unter anderem vom Inhalt des Konzernberichts, seiner Veröffentlichung und der Anerkennung des verwendeten Berichtsstandards ab.
Mittelbar betroffen sind viele kleinere Unternehmen. Große Geschäftspartner, Banken oder Versicherungen fragen zunehmend Nachhaltigkeitsdaten ab. Das kann etwa Emissionen, Energieverbrauch, Beschäftigtenzahlen, Arbeitsbedingungen oder Informationen zu Lieferketten betreffen. Eine solche Anfrage begründet für sich genommen noch keine gesetzliche Berichtspflicht, kann aber erheblichen praktischen Druck erzeugen.
- Große Unternehmen: Sie sollten prüfen, ob die gesetzlichen Größenmerkmale und der zeitliche Anwendungsbereich erfüllt sind.
- Kapitalmarktorientierte Unternehmen: Für sie können besondere Vorgaben gelten. Die konkrete Einordnung hängt von Unternehmensgröße und Börsenstatus ab.
- Konzerne: Mutterunternehmen müssen die Berichtspflicht auf Ebene der Unternehmensgruppe untersuchen.
- KMU: Kleine und mittlere Unternehmen sind häufig nicht unmittelbar verpflichtet. Sie können jedoch Datenanforderungen aus Geschäftsbeziehungen erhalten.
- Handwerksbetriebe: Eine direkte Pflicht besteht meist nicht. Relevant werden Nachhaltigkeitsdaten oft durch Auftraggeber, Finanzierungen oder Lieferketten.
- Freiwillig berichtende Unternehmen: Sie können mit einem passenden Standard Transparenz schaffen, ohne einer gesetzlichen Pflicht zu unterliegen.
Für die erste Prüfung reichen drei Fragen: Gehört das Unternehmen zu einer berichtspflichtigen Gruppe? Erfüllt es die gesetzlichen Größenmerkmale? Fordern wichtige Geschäftspartner bereits standardisierte Nachhaltigkeitsinformationen?
Ab wann gilt die Nachhaltigkeitsberichtspflicht?
Die Anwendung der Nachhaltigkeitsberichtspflicht richtet sich nach dem jeweiligen Geschäftsjahr. Entscheidend ist daher nicht nur, wann ein Bericht veröffentlicht wird, sondern für welches Geschäftsjahr er die Informationen enthält.
Die CSRD sah ursprünglich eine stufenweise Ausweitung vor. Unternehmen, die bereits nach den früheren Vorschriften zur nichtfinanziellen Berichterstattung berichten mussten, sollten grundsätzlich mit dem Geschäftsjahr 2024 starten. Weitere große Unternehmen sollten für Geschäftsjahre ab 2025 folgen. Für bestimmte kapitalmarktorientierte kleine und mittlere Unternehmen war ein späterer Beginn vorgesehen.
Diese ursprüngliche Staffelung darf zum Stand 9. September 2026 nicht mehr isoliert betrachtet werden. Die Europäische Union hat den Zeitplan im Rahmen des sogenannten „Stop-the-clock“-Ansatzes zunächst verschoben. Zudem verändert das Omnibus-Paket den persönlichen und zeitlichen Anwendungsbereich der CSRD. Unternehmen müssen deshalb zwischen dem ursprünglichen CSRD-Zeitplan und der aktuell geltenden Rechtslage unterscheiden.
- Geschäftsjahr 2024: Ursprünglich war dies der Startpunkt für Unternehmen, die schon unter der früheren nichtfinanziellen Berichtspflicht erfasst waren.
- Geschäftsjahr 2025: Ursprünglich sollte die zweite Gruppe großer Unternehmen einbezogen werden.
- Spätere Geschäftsjahre: Für weitere Unternehmensgruppen waren zusätzliche Stufen vorgesehen, insbesondere für bestimmte kapitalmarktorientierte KMU.
- Stand 2026: Verschiebungen und Änderungen durch europäische Rechtsakte können diese Einteilung überlagern.
Die deutsche Umsetzung ist ein weiterer Prüfpunkt. Eine EU-Richtlinie gilt nicht in jedem Detail unmittelbar wie eine Verordnung. Deutschland muss ihre Vorgaben grundsätzlich in nationales Recht übertragen. Solange ein deutsches Umsetzungsgesetz oder eine Änderung bestehender Bilanz- und Berichtsvorschriften nicht endgültig gilt, bleibt die konkrete Anwendung in Deutschland besonders aufmerksam zu beobachten.
Freiwillige Berichte nach dem VSME folgen keinem gesetzlichen Starttermin. Unternehmen können sie grundsätzlich dann erstellen, wenn sie belastbare Nachhaltigkeitsdaten strukturiert offenlegen möchten. Solche Berichte können Geschäftspartnern frühzeitig Informationen liefern, ersetzen aber keine zwingende Berichterstattung nach geltendem Recht.
Für jedes Unternehmen sollte daher eine kurze Zeitachsenprüfung erfolgen: Welches Geschäftsjahr steht an? Welche EU-Regelung gilt dafür? Ist die deutsche Umsetzung abgeschlossen? Und wurde der Anwendungsbereich durch das Omnibus-Paket verändert? Erst diese Kombination liefert eine belastbare Antwort auf die Frage, ab wann die Nachhaltigkeitsberichtspflicht tatsächlich greift.
CSRD, ESRS und doppelte Wesentlichkeit
CSRD, ESRS und die doppelte Wesentlichkeit bilden den fachlichen Kern der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung. Die CSRD legt den rechtlichen Rahmen fest, die ESRS bestimmen die Berichtsinhalte und die Wesentlichkeitsanalyse entscheidet, welche Themen für ein Unternehmen relevant sind.
Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verpflichtet bestimmte Unternehmen, Nachhaltigkeitsinformationen in einem festgelegten Teil des Lageberichts offenzulegen. Dadurch stehen diese Angaben näher an den Finanzinformationen des Unternehmens. Die Richtlinie zielt auf vergleichbare, nachvollziehbare und prüfbare Angaben zu Umwelt, Beschäftigten, Menschenrechten und Unternehmensführung.
Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) konkretisieren, welche Informationen ein Bericht enthalten muss. Sie unterscheiden zwischen allgemeinen Angaben und thematischen Standards. Dazu zählen unter anderem Klimawandel, Umweltverschmutzung, Wasser, Biodiversität, Ressourcennutzung, eigene Beschäftigte, Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette, betroffene Gemeinschaften, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmensführung.
Die Standards verlangen nicht nur einzelne Kennzahlen. Unternehmen müssen auch ihre Strategie, Geschäftsmodelle, Ziele, Maßnahmen, Risiken und Chancen beschreiben. Dazu kommen Angaben zu Richtlinien, Verantwortlichkeiten und Fortschritten. Wo Daten fehlen, muss das Unternehmen die Lücke erklären und seine Vorgehensweise nachvollziehbar machen.
Ein wichtiger Grundsatz lautet: Die ESRS sind kein beliebiger Themenkatalog zum Ankreuzen. Unternehmen müssen zunächst ermitteln, welche Nachhaltigkeitsthemen wesentlich sind. Dafür dient die doppelte Wesentlichkeitsanalyse.
Sie betrachtet zwei Blickrichtungen:
- Impact-Wesentlichkeit: Welche tatsächlichen oder möglichen Auswirkungen hat das Unternehmen auf Umwelt, Menschen und Gesellschaft?
- Finanzielle Wesentlichkeit: Wie können Nachhaltigkeitsthemen die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, den Unternehmenswert oder den Zugang zu Kapital beeinflussen?
Ein Thema kann bereits aus einer Perspektive wesentlich sein. Es muss also nicht beide Prüfungen bestehen. Ein Unternehmen kann zum Beispiel durch einen hohen Wasserverbrauch eine erhebliche Auswirkung auf eine wasserarme Region haben. Gleichzeitig können strengere Wasserpreise oder Nutzungsvorgaben die Kosten erhöhen. In diesem Fall liegt eine doppelte Wesentlichkeit nahe. Möglich ist aber auch, dass nur eine der beiden Perspektiven greift.
Die Analyse sollte nicht allein auf einer kurzen Managementeinschätzung beruhen. Sinnvoll sind unter anderem die Auswertung der Wertschöpfungskette, Gespräche mit betroffenen Gruppen, die Prüfung von Risiken und Chancen sowie die Dokumentation von Schwellenwerten und Bewertungsmaßstäben. So wird erkennbar, warum ein Thema aufgenommen oder ausgeschlossen wurde.
Für die Berichtspraxis hat das eine klare Folge: Nicht jedes Unternehmen berichtet über jedes ESRS-Thema mit derselben Tiefe. Allgemeine Angaben können unabhängig von einzelnen Themen erforderlich sein. Thematische Angaben hängen dagegen regelmäßig vom Ergebnis der Wesentlichkeitsanalyse und von den jeweils geltenden Erleichterungen ab.
EU-Taxonomie, CSDDD, LkSG und CSR-RUG im Vergleich
Die EU-Taxonomie-Verordnung, die CSDDD, das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) verfolgen unterschiedliche Ziele. Sie greifen aber an mehreren Stellen ineinander. Berichtspflichten, Sorgfaltspflichten und historische Vorgaben sind deshalb sauber zu trennen.
Die EU-Taxonomie ist ein Klassifikationssystem. Sie legt fest, unter welchen Bedingungen eine wirtschaftliche Tätigkeit als ökologisch nachhaltig gilt. Dafür müssen Unternehmen unter anderem prüfen, ob eine Tätigkeit wesentlich zu einem Umweltziel beiträgt, keine anderen Umweltziele erheblich beeinträchtigt und soziale Mindestanforderungen einhält.
Die Taxonomie konzentriert sich auf sechs Umweltziele:
- Klimaschutz
- Anpassung an den Klimawandel
- Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft
- Vermeidung und Verminderung von Umweltverschmutzung
- Schutz und Wiederherstellung von Biodiversität und Ökosystemen
- Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen
In der Berichterstattung erscheinen dabei vor allem drei Kennzahlen: der Anteil taxonomiefähiger und taxonomiekonformer Umsatzerlöse, Investitionsausgaben und Betriebsausgaben. Ein hoher Umsatzanteil allein beweist daher noch keine vollständige Nachhaltigkeit des Unternehmens. Die EU-Taxonomie ist ein abgegrenztes Bewertungssystem, kein Ersatz für die gesamte Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Die CSDDD verfolgt einen anderen Ansatz. Die Richtlinie verpflichtet bestimmte große Unternehmen, menschenrechtliche und umweltbezogene Risiken in ihrer eigenen Tätigkeit, bei Tochterunternehmen und in Teilen ihrer Wertschöpfungskette zu erkennen und zu bearbeiten. Dazu gehören etwa Präventionsmaßnahmen, Beschwerdeverfahren, Abhilfemaßnahmen und die Überwachung der Wirksamkeit.
Nachhaltigkeitsbericht und Sorgfaltspflichtenbericht sind deshalb nicht dasselbe. Ein Nachhaltigkeitsbericht erklärt unter anderem Auswirkungen, Risiken, Chancen, Ziele und Kennzahlen. Die CSDDD verlangt dagegen konkrete Prozesse zur Vermeidung oder Begrenzung schädlicher Auswirkungen. Beide Regelwerke können dieselben Lieferkettendaten nutzen, stellen aber unterschiedliche Fragen.
Das LkSG gilt als deutsches Sorgfaltspflichtenrecht. Sein Schwerpunkt liegt auf dem Schutz von Menschenrechten und bestimmten Umweltbelangen in Lieferketten. Unternehmen müssen dafür unter anderem Zuständigkeiten festlegen, Risiken analysieren, Präventionsmaßnahmen umsetzen, Beschwerden ermöglichen und bei Verstößen reagieren.
Eine LkSG-Berichtspflicht darf nicht mit einer CSRD-Berichtspflicht verwechselt werden. Das LkSG verlangt den Nachweis eines funktionierenden Sorgfaltspflichten-Systems. Ein Nachhaltigkeitsbericht ordnet solche Maßnahmen in einen breiteren Bericht über die gesamte Nachhaltigkeitsleistung ein. Die Daten können sich überschneiden, doch Umfang, Zweck und Rechtsfolgen unterscheiden sich.
Das CSR-RUG prägte die frühere deutsche nichtfinanzielle Erklärung. Es setzte die ältere europäische CSR-Richtlinie in deutsches Recht um. Betroffene Unternehmen berichteten damals vor allem über Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelange, Menschenrechte sowie die Bekämpfung von Korruption und Bestechung.
Das CSR-RUG bleibt vor allem für die historische Entwicklung wichtig. Es bildete die Grundlage der früheren nichtfinanziellen Berichterstattung, während die CSRD einen weiter gefassten und stärker standardisierten Ansatz verfolgt. Für ältere Geschäftsjahre können CSR-RUG-Vorgaben weiterhin relevant sein. Für aktuelle Berichte ist dagegen der jeweils geltende Rechtsstand maßgeblich.
- EU-Taxonomie: Bewertet, ob bestimmte Wirtschaftstätigkeiten ökologisch nachhaltig sind.
- CSDDD: Regelt unternehmerische Sorgfaltspflichten entlang ausgewählter Wertschöpfungsketten.
- LkSG: Verlangt in Deutschland ein Risikomanagement für Menschenrechte und bestimmte Umweltpflichten.
- CSR-RUG: War die frühere deutsche Grundlage für die nichtfinanzielle Erklärung.
Die praktische Verbindung liegt in der Datenorganisation: Einkauf, Risikomanagement, Compliance, Umweltmanagement und Finanzen sollten ihre Informationen nicht isoliert erfassen. Dennoch braucht jedes Regelwerk eine eigene rechtliche Prüfung. Eine Taxonomiequote ersetzt keine Risikoanalyse, und ein Lieferkettenprozess ersetzt keinen vollständigen Nachhaltigkeitsbericht.
Omnibus-Paket: Aktueller Stand zum 9. September 2026
Das Omnibus-Paket bündelt mehrere EU-Vorschläge zur Vereinfachung von Nachhaltigkeitsregeln. Im Mittelpunkt stehen Änderungen an der CSRD, der CSDDD und der EU-Taxonomie. Der Begriff bezeichnet kein einzelnes Gesetz, sondern ein Paket aus Rechtsakten und Anpassungen.
Zum Stand 9. September 2026 ist zwischen bereits beschlossenen Änderungen und früheren Kommissionsvorschlägen zu unterscheiden. Die EU hat mit der Richtlinie (EU) 2025/794 den Zeitplan bestimmter CSRD-Berichtsgruppen verschoben. Diese Regelung wird häufig als „Stop-the-clock“-Richtlinie bezeichnet. Sie verschiebt nicht automatisch alle materiellen Anforderungen.
Die weitergehenden Änderungen der Richtlinie (EU) 2026/470 sind für die praktische Einordnung besonders wichtig. Sie begrenzen den CSRD-Anwendungsbereich auf größere Unternehmen und Unternehmensgruppen. Nach der neuen Systematik stehen Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und einem Nettoumsatz von mehr als 450 Millionen Euro im Mittelpunkt. Die konkrete Anwendung hängt jedoch von den Übergangs- und Umsetzungsvorschriften ab.
Für Unternehmen bedeutet das: Die frühere CSRD-Zeitachse reicht nicht mehr aus. Entscheidend sind nun insbesondere:
- die endgültige Fassung des jeweiligen EU-Rechtsakts,
- das Geschäftsjahr, für das berichtet werden soll,
- die Mitarbeiterzahl und der Umsatz,
- die Einordnung als Einzelunternehmen oder Unternehmensgruppe,
- die Umsetzung in deutsches Recht.
Auch die ESRS stehen im Zuge des Omnibus-Prozesses auf dem Prüfstand. Ziel ist es, Berichtspflichten zu verringern und Datenpunkte zu streichen oder zu vereinfachen. Solange eine Änderung der delegierten Rechtsakte jedoch nicht wirksam gilt, dürfen Unternehmen geplante Erleichterungen nicht wie geltendes Recht behandeln.
Für kleinere Unternehmen kann die Neufassung eine direkte Entlastung bringen. Mittelbare Datenanfragen bleiben dennoch möglich. Große Geschäftspartner dürfen Nachhaltigkeitsinformationen nicht ohne Weiteres in beliebigem Umfang verlangen, wenn gesetzliche Begrenzungen für solche Anfragen greifen. In der Praxis kommt es deshalb stärker auf verhältnismäßige, standardisierte Datenabfragen an.
Bei der CSDDD betreffen die Änderungen vor allem den Anwendungsbereich, den Zeitplan und die Ausgestaltung der Sorgfaltspflichten. Das ändert nichts daran, dass Unternehmen ihre menschenrechtlichen und umweltbezogenen Risiken gesondert prüfen müssen. Ein geänderter Nachhaltigkeitsbericht ersetzt kein funktionierendes Sorgfaltspflichten-System.
Für die EU-Taxonomie können Anpassungen bei Umfang, Datenumfang und Erleichterungen relevant werden. Taxonomieangaben sollten deshalb nicht vorschnell aus bestehenden CSRD-Prozessen gelöscht werden. Entscheidend ist, welche delegierten Rechtsakte und nationalen Durchführungsvorschriften für das betreffende Geschäftsjahr gelten.
Die sichere Arbeitsregel für Unternehmen lautet daher: geltendes Recht anwenden, Änderungen überwachen und Berichtssysteme flexibel halten. Das betrifft vor allem Schwellenwerte, Berichtsjahre, ESRS-Datenpunkte und Anforderungen an Wertschöpfungskettendaten.
Welche Nachhaltigkeitsinformationen müssen Unternehmen offenlegen?
Ein Nachhaltigkeitsbericht beschreibt nicht nur Umweltkennzahlen. Er muss zeigen, wie das Unternehmen auf Menschen und Umwelt wirkt, welche Nachhaltigkeitsthemen das Geschäft beeinflussen und wie die Unternehmensleitung damit umgeht.
Welche Angaben konkret erforderlich sind, hängt vom anwendbaren Standard, der Branche, dem Geschäftsmodell und dem Ergebnis der Wesentlichkeitsanalyse ab. Für CSRD-pflichtige Unternehmen bilden die ESRS den maßgeblichen Rahmen. Freiwillig berichtende kleine und mittlere Unternehmen können sich am VSME orientieren.
Typischerweise umfasst ein Bericht folgende Informationsbereiche:
- Strategie und Geschäftsmodell: Abhängigkeiten von Ressourcen, wichtige Märkte, Wertschöpfungskette und Auswirkungen auf die künftige Entwicklung.
- Klimaschutz: Energieverbrauch, Treibhausgasemissionen, Klimaziele, Anpassungsmaßnahmen und Übergangspläne.
- Umwelt: Luft- und Gewässerverschmutzung, Wasserverbrauch, Abfall, Rohstoffe, Kreislaufwirtschaft und Schutz der biologischen Vielfalt.
- Beschäftigte: Arbeitsbedingungen, Vergütung, Gesundheitsschutz, Weiterbildung, Vielfalt, Gleichbehandlung und Beteiligungsrechte.
- Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette: Risiken für Sicherheit, faire Arbeitsbedingungen und Menschenrechte bei Lieferanten und Dienstleistern.
- Betroffene Gemeinschaften: Auswirkungen von Standorten, Projekten oder Geschäftsbeziehungen auf lokale Bevölkerungsgruppen.
- Verbraucherinnen und Verbraucher: Produktsicherheit, Datenschutz, Zugänglichkeit, Gesundheitsschutz und verantwortungsvolle Vermarktung.
- Unternehmensführung: Geschäftsethik, Korruptionsbekämpfung, Hinweisgebersysteme, politische Einflussnahme und interne Kontrollverfahren.
Zu den Sachthemen kommen Angaben zur Steuerung. Unternehmen sollen erläutern, welche Richtlinien gelten, wer verantwortlich ist, welche Ziele bestehen und wie Maßnahmen wirken. Bei messbaren Zielen gehören Ausgangswerte, Zeitpunkte, Kennzahlen und Fortschritte zusammen. Ein Ziel ohne Ausgangswert bleibt meist schwer einzuordnen.
Auch negative Entwicklungen dürfen nicht ausgeblendet werden. Ein belastbarer Bericht erklärt etwa steigende Emissionen, verfehlte Ziele oder erkannte Lieferkettenrisiken. Entscheidend ist, ob die Aussage durch interne Aufzeichnungen, Berechnungen, Verträge oder andere Nachweise belegt werden kann.
Bei Klimadaten reicht eine einzelne Zahl selten aus. Unternehmen müssen die Systemgrenzen und Berechnungsmethoden offenlegen. Dazu gehören etwa die einbezogenen Standorte, der Berichtszeitraum, verwendete Emissionsfaktoren und die Abgrenzung direkter und indirekter Emissionen.
Für soziale Angaben sind klare Bezugsgrößen wichtig. Die Zahl der Beschäftigten sollte zum Beispiel nach einer einheitlichen Methode ermittelt werden. Aussagen zu Arbeitsunfällen, Fluktuation oder Entgeltunterschieden benötigen definierte Berechnungsgrundlagen.
Die Anforderungen an kleinere Unternehmen können deutlich schlanker ausfallen. Der VSME konzentriert sich auf Informationen, die Geschäftspartner, Banken und andere Adressaten häufig benötigen. Er ist jedoch kein Ersatz für einen verpflichtenden Bericht nach einem anderen geltenden Standard.
Ein guter Bericht trennt außerdem drei Ebenen: Auswirkungen, Risiken und Chancen sowie Maßnahmen und Ziele. Diese Trennung macht sichtbar, was bereits eingetreten ist, was künftig eintreten kann und wie das Unternehmen darauf reagiert.
Nachhaltigkeitsbericht erstellen: Der praktische Ablauf
Ein Nachhaltigkeitsbericht entsteht nicht am Ende eines Geschäftsjahres, sondern durch einen wiederholbaren Prozess. Ziel ist ein Bericht, dessen Aussagen klar zugeordnet, zeitlich abgegrenzt und mit belastbaren Nachweisen belegt sind.
- Projektauftrag festlegen: Die Geschäftsleitung bestimmt Ziel, Berichtsjahr, Geltungsbereich und interne Entscheidungswege. Ein schriftlicher Projektauftrag verhindert spätere Unklarheiten.
- Datenverantwortliche benennen: Für jede Kennzahl braucht es eine zuständige Person oder Abteilung. Sinnvoll sind ein Datenverzeichnis, feste Abgabefristen und eine Vertretungsregel.
- Wertschöpfungskette abgrenzen: Das Unternehmen dokumentiert Standorte, Tochtergesellschaften, Lieferanten, Logistikwege und wichtige Kundenschnittstellen. Diese Landkarte zeigt, wo Daten fehlen oder Risiken entstehen.
- Informationsquellen erfassen: Geeignete Quellen können das Energiemanagement, die Personalverwaltung, das Beschaffungswesen, das Hinweisgebersystem oder die Finanzbuchhaltung sein. Jede Quelle sollte mit Zeitraum, Einheit und Erhebungsmethode dokumentiert werden.
- Datenmodell aufbauen: Einheitliche Definitionen verhindern widersprüchliche Zahlen. Das gilt etwa für Beschäftigtenzahlen, Energieverbräuche, Unfallquoten und Emissionen.
- Nachweise sichern: Rechnungen, Zählerstände, Personalstatistiken, Lieferantenerklärungen und Berechnungstabellen sollten geordnet abgelegt werden. Eine nachvollziehbare Versionierung hilft bei späteren Rückfragen.
- Ziele und Maßnahmen verknüpfen: Für jede wesentliche Herausforderung sollten Ausgangswert, Zieljahr, Zuständigkeit, Maßnahme und Fortschrittsindikator feststehen. So wird aus einer Absicht ein steuerbarer Plan.
- Qualitätskontrollen durchführen: Plausibilitätsprüfungen erkennen ungewöhnliche Sprünge, fehlende Einheiten oder doppelt erfasste Werte. Ein Vier-Augen-Prinzip ist besonders bei zentralen Kennzahlen sinnvoll.
- Bericht redaktionell erstellen: Tabellen, Erläuterungen und Querverweise müssen zusammenpassen. Unklare Begriffe, unbelegte Superlative und widersprüchliche Aussagen gehören vor der Freigabe aus dem Text.
- Freigabe organisieren: Fachabteilungen bestätigen ihre Angaben. Die Geschäftsleitung prüft, ob der Bericht die tatsächliche Steuerung, Risiken und Fortschritte des Unternehmens angemessen wiedergibt.
Ein praktisches Hilfsmittel ist eine Verantwortungsmatrix. Sie ordnet jede Angabe einer Quelle, einer verantwortlichen Person, einer prüfenden Stelle und einem Ablageort zu. Dadurch bleibt sichtbar, wer eine Zahl erstellt und wer sie freigibt.
Für wiederkehrende Berichte lohnt sich außerdem ein Datenkalender. Er enthält Erhebungszeiträume, interne Fristen, Kontrollen und Termine für die externe Prüfung. Das reduziert den Zeitdruck, gerade wenn mehrere Gesellschaften oder Standorte beteiligt sind.
Die DNK-Plattform bietet dafür unter anderem digitale Werkzeuge, Checklisten und Berichtsformate für CSRD und VSME. Die ESRS- und VSME-Checklisten können Lücken sichtbar machen. Ein VSME-Plausibilitätscheck unterstützt die formale Durchsicht, ersetzt aber weder eine rechtliche Einordnung noch eine Prüfung.
Für Handwerksbetriebe und kleinere Unternehmen genügt oft ein schlankes System: wenige klare Kennzahlen, feste Zuständigkeiten und eine saubere Ablage. Entscheidend ist nicht die Menge der Daten, sondern ihre Aussagekraft und Nachprüfbarkeit.
Prüfung des Nachhaltigkeitsberichts und Rolle der WPK
Die Prüfung des Nachhaltigkeitsberichts soll die Verlässlichkeit der veröffentlichten Angaben erhöhen. Sie untersucht nicht nur einzelne Kennzahlen, sondern auch Berichtssysteme, Berechnungsmethoden, Nachweise und die Übereinstimmung mit den geltenden Vorgaben.
Für CSRD-Berichte ist zunächst eine Prüfung mit begrenzter Sicherheit vorgesehen. Dabei führen Prüfende vor allem Befragungen, analytische Prüfungshandlungen und ausgewählte Nachweiskontrollen durch. Das Ergebnis ist eine negative Aussage: Es wurden keine Sachverhalte festgestellt, die auf wesentliche Fehler hindeuten.
Eine Prüfung mit hinreichender Sicherheit geht deutlich weiter. Sie verlangt umfangreichere Prüfungshandlungen und führt zu einer positiven Aussage über die Verlässlichkeit der Informationen. Die europäische Regelung sieht vor, dass sich die Prüfungssicherheit künftig weiterentwickeln kann. Der konkrete Rechtsstand ist daher für jedes Berichtsjahr gesondert zu prüfen.
Prüfende achten unter anderem auf folgende Punkte:
- Ist der Bericht im richtigen Teil des Geschäftsberichts enthalten?
- Sind die Angaben vollständig und eindeutig abgegrenzt?
- Stimmen Kennzahlen mit zugrunde liegenden Aufzeichnungen überein?
- Sind Schätzungen, Annahmen und Berechnungsmethoden erklärt?
- Wurden Konzernunternehmen und relevante Wertschöpfungsstufen korrekt einbezogen?
- Belegen interne Kontrollen die Entstehung und Freigabe der Daten?
Besonders anspruchsvoll sind Angaben, die nicht direkt aus einem bestehenden Buchhaltungssystem stammen. Dazu zählen etwa Lieferketteninformationen, Szenarioanalysen oder Daten zu indirekten Emissionen. Hier müssen Unternehmen die Datenquelle, die Auswahlmethode und mögliche Unsicherheiten nachvollziehbar dokumentieren.
Die Verantwortung bleibt beim Unternehmen. Eine Prüfung überträgt die Pflicht zur richtigen Berichterstattung nicht auf die Prüfungsgesellschaft. Geschäftsleitung und gegebenenfalls Aufsichtsorgan müssen den Bericht freigeben und für geeignete Prozesse sorgen.
Die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) ist weder Gesetzgeberin noch Prüfbehörde. Sie informiert den Berufsstand und betroffene Unternehmen über fachliche und regulatorische Fragen. Ihr Nachhaltigkeitskompass behandelt unter anderem Berichtspflicht, ESRS, doppelte Wesentlichkeit, Prüfung und den deutschen Umsetzungsstand.
Die DNK-Plattform kann bei der Orientierung unterstützen. Ihre ESRS-Checkliste, Informationen zum CSRD-Bericht und einschlägige Publikationen helfen bei der Strukturierung. Sie ersetzen jedoch keine gesetzlich erforderliche Prüfung und keine individuelle fachliche Beurteilung.
KMU, Handwerksbetriebe und VSME: Pflicht oder freiwillige Berichterstattung?
Für viele kleine und mittlere Unternehmen gilt: Ein Nachhaltigkeitsbericht ist nicht automatisch Pflicht. Entscheidend bleibt, ob das Unternehmen selbst in den gesetzlichen Anwendungsbereich fällt oder einer berichtspflichtigen Unternehmensgruppe angehört.
Eine mittelbare Betroffenheit ist davon zu unterscheiden. Kunden, Banken oder größere Geschäftspartner können Nachhaltigkeitsdaten anfordern. Das macht aus einem KMU noch kein unmittelbar berichtspflichtiges Unternehmen. Es kann jedoch beeinflussen, ob ein strukturierter Bericht wirtschaftlich sinnvoll ist.
Der VSME-Standard richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen, die Nachhaltigkeitsinformationen freiwillig und einheitlich bereitstellen möchten. Er bietet eine schlankere Alternative zu umfangreichen Berichtsanforderungen. Unternehmen können damit zum Beispiel Fragen zu Energie, Treibhausgasen, Beschäftigten, Geschäftsethik und grundlegenden Nachhaltigkeitsmaßnahmen beantworten.
Der VSME erfüllt dabei mehrere praktische Funktionen:
- Er bündelt häufig verlangte Informationen in einer einheitlichen Struktur.
- Er erleichtert Antworten auf Datenanfragen von Geschäftspartnern und Finanzinstituten.
- Er schafft eine Grundlage für spätere Verbesserungen der Datenerfassung.
- Er kann Nachhaltigkeitsleistungen sichtbar machen, ohne den Umfang eines großen Konzernberichts zu erreichen.
Für Handwerksbetriebe ist eine branchengerechte Darstellung besonders wichtig. Ein Bau-, Metall- oder Elektrohandwerksbetrieb hat andere Datenquellen und Risiken als ein Handelsunternehmen. Relevant sind oft Energie und Fuhrpark, Materialeinsatz, Arbeitsschutz, Qualifizierung, Fachkräftesicherung und Lieferanten. Eine schlanke Dokumentation mit wenigen belastbaren Kennzahlen ist meist hilfreicher als ein überladener Bericht.
Die DNK-Plattform stellt dafür VSME-Berichte, branchenspezifische Hinweise und einen VSME-Plausibilitätscheck bereit. Auch DNK-Erklärungen nach dem bisherigen Standard können eingesehen oder erstellt werden. Checklisten unterstützen die inhaltliche Orientierung.
Freiwillige Berichterstattung sollte nicht zu einer pauschalen Selbstdarstellung führen. Besser sind klare Angaben zu Ausgangslage, Grenzen und Verbesserungszielen. Ein Betrieb kann beispielsweise offenlegen, dass er seinen Stromverbrauch erstmals vollständig erfasst und die Datengrundlage im Folgejahr erweitern will.
VSME und andere freiwillige Formate entbinden ein Unternehmen nicht von einer gesetzlichen Pflicht, falls diese unabhängig davon besteht. Umgekehrt muss ein nicht berichtspflichtiges KMU keinen vollständigen CSRD-Bericht erstellen, nur weil ein Geschäftspartner einzelne Nachhaltigkeitsdaten abfragt.
Die DNK-Plattform bietet außerdem einen Helpdesk, Lotsinnen und Lotsen, eine Mediathek, Veranstaltungen und Outreach Events. Das DNK-Dashboard ermöglicht Einblicke in VSME-Berichte und ältere DNK-Erklärungen. Solche Vergleichsmöglichkeiten zeigen, wie andere Unternehmen Informationen strukturieren.
DNK-Plattform: Checklisten, Beratung und Vergleichsfunktionen
Die DNK-Plattform bündelt digitale Werkzeuge, Fachinformationen und Unterstützungsangebote für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Sie richtet sich an berichtspflichtige Unternehmen ebenso wie an KMU, Handwerksbetriebe, Verbände und freiwillig berichtende Organisationen.
Für die Berichterstellung stehen Formate nach CSRD und VSME bereit. Unternehmen können ihre Angaben strukturiert erfassen, Themen ordnen und den Bericht entlang des gewählten Standards vorbereiten. DNK-Checklisten helfen dabei, offene Punkte früh zu erkennen.
Für kleinere Unternehmen bietet die Plattform einen VSME-Plausibilitätscheck. Ergänzend gibt es branchenspezifische Hinweise, darunter Unterstützung für Handwerksbetriebe. Wer nach dem früheren DNK-Standard arbeitet, kann weiterhin DNK-Erklärungen erstellen oder bestehende Erklärungen auswerten.
Zur fachlichen Orientierung gehören:
- eine Checkliste zu den ESRS,
- eine Checkliste zum VSME,
- häufige Fragen zum CSRD-Bericht,
- häufige Fragen zum VSME-Bericht,
- Publikationen für verpflichtend und freiwillig berichtende Unternehmen.
Bei konkreten Einstiegsfragen unterstützt ein Helpdesk. Für weitergehende Anliegen stehen individuelle Beratung durch Lotsinnen und Lotsen sowie themen- und branchenspezifische Angebote zur Verfügung. Eine Mediathek, Veranstaltungen und Outreach Events ergänzen das Wissensangebot.
Die Inhalte richten sich nicht nur an Unternehmen. Auch Verbände sowie Politikerinnen und Politiker finden Informationen zur Entwicklung und praktischen Anwendung der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Dadurch dient die Plattform zugleich als Informations- und Austauschstelle.
Das DNK-Dashboard schafft einen Einblick in veröffentlichte Berichte. Dort lassen sich VSME-Berichte nach dem neuen Standard einsehen. Außerdem können Unternehmen DNK-Erklärungen nach dem bisherigen Standard vergleichen und ältere Erklärungen gegenüberstellen.
Diese Vergleichsfunktion hilft, unterschiedliche Darstellungsweisen und Kennzahlenstrukturen zu erkennen. Sie liefert jedoch keine automatische Aussage darüber, ob ein bestimmtes Unternehmen rechtlich berichtspflichtig ist oder ob ein Bericht vollständig den gesetzlichen Anforderungen entspricht.
Für die konkrete Nutzung empfiehlt sich eine klare Auswahl: CSRD-Checkliste für umfangreiche regulatorische Anforderungen, VSME-Angebote für kleinere Unternehmen und das Dashboard für Einblicke in bereits veröffentlichte Berichte.
Checkliste zur Nachhaltigkeitsberichtspflicht
Die folgende Checkliste hilft, die eigene Betroffenheit und den nächsten Handlungsbedarf zu ordnen. Sie ersetzt keine individuelle Prüfung des geltenden Rechts.
- Rechtsform und Konzernstruktur klären: Ist das Unternehmen eigenständig, Tochtergesellschaft oder Mutterunternehmen? Gibt es bereits einen Bericht auf Konzernebene?
- Geschäftsjahr bestimmen: Für welches Geschäftsjahr soll berichtet werden? Stimmen Geschäftsjahr, Berichtszeitraum und Veröffentlichungszeitpunkt überein?
- Aktuellen Rechtsstand prüfen: Welche EU-Vorgaben, deutschen Umsetzungsvorschriften und Übergangsregeln gelten für dieses Geschäftsjahr? Wurden Änderungen des Omnibus-Pakets berücksichtigt?
- Anwendbaren Standard festlegen: Kommen ESRS, VSME oder ein anderer zulässiger Rahmen infrage? Eine freiwillige Orientierung am VSME darf eine bestehende gesetzliche Pflicht nicht verdrängen.
- Berichtsgrenzen dokumentieren: Welche Gesellschaften, Standorte, Betriebsstätten und Teile der Wertschöpfungskette werden einbezogen? Sind Ausnahmen nachvollziehbar begründet?
- Informationsanforderungen sammeln: Welche Daten verlangen Kunden, Banken, Versicherungen oder öffentliche Auftraggeber? Welche Anfragen sind rechtlich oder vertraglich begründet?
- Datenlücken bewerten: Fehlen belastbare Werte zu Energie, Emissionen, Beschäftigten, Arbeitsbedingungen, Lieferanten oder Geschäftsethik? Sind Schätzungen nötig?
- Nachweise zuordnen: Gibt es für jede wichtige Angabe eine Quelle, eine verantwortliche Person und einen nachvollziehbaren Ablageort?
- Abhängigkeiten erfassen: Welche Informationen kommen von Lieferanten, Tochtergesellschaften oder Dienstleistenden? Sind vertragliche Datenrechte und Fristen geklärt?
- Prüfungsumfang feststellen: Muss der Bericht extern geprüft werden? Welche Sicherheit verlangt das anwendbare Recht, und welche Nachweise wird die Prüfung voraussichtlich benötigen?
- Berichtsfreigabe planen: Welche Organe, Fachabteilungen und Kontrollstellen müssen den Bericht freigeben? Sind Zuständigkeiten und Termine schriftlich festgelegt?
- Unterstützung auswählen: Benötigt das Unternehmen eine ESRS- oder VSME-Checkliste, einen VSME-Plausibilitätscheck, eine Erstberatung beim Helpdesk oder eine individuelle Fachberatung?
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen unmittelbarer Pflicht, mittelbarer Datenanforderung und freiwilliger Transparenz. Diese drei Fälle können ähnliche Informationen verlangen, führen aber zu unterschiedlichen rechtlichen Folgen.
Da sich europäische Vorgaben und ihre deutsche Umsetzung ändern können, sollte die Checkliste vor jeder Berichtsperiode aktualisiert und mit den für das Geschäftsjahr geltenden Vorschriften abgeglichen werden.
Fazit: Berichtspflicht prüfen und frühzeitig handeln
Die Frage „Nachhaltigkeitsbericht Unternehmen Pflicht?“ lässt sich nur mit Blick auf das konkrete Geschäftsjahr, die Unternehmensstruktur und den geltenden EU- sowie deutschen Rechtsstand beantworten. Eine pauschale Pflicht für jedes Unternehmen gibt es nicht.
Zum 9. September 2026 sollten Unternehmen ihre Betroffenheit nicht allein anhand älterer CSRD-Zeitpläne beurteilen. Änderungen durch das Omnibus-Paket können Schwellenwerte, Übergangsregeln und Berichtsumfang beeinflussen. Entscheidend ist die Fassung, die für das jeweilige Geschäftsjahr tatsächlich gilt.
Für die Praxis zählt weniger ein möglichst umfangreicher Bericht als ein belastbarer Prozess. Wer Zuständigkeiten, Datenquellen und Freigaben früh ordnet, kann auf neue Anforderungen schneller reagieren. Das gilt auch dann, wenn ein Unternehmen zunächst freiwillig nach VSME berichtet oder nur Datenanfragen größerer Geschäftspartner erhält.
Die wichtigsten Schlussfolgerungen sind:
- Die CSRD und die ESRS bleiben zentrale Bezugspunkte für verpflichtende Nachhaltigkeitsberichte.
- KMU und Handwerksbetriebe sollten zwischen eigener Rechtspflicht und mittelbaren Marktanforderungen unterscheiden.
- EU-Taxonomie, CSDDD und LkSG ergänzen die Berichterstattung, ersetzen sie aber nicht.
- Der VSME kann freiwillige Angaben strukturieren, begründet jedoch keine automatische Befreiung von anderen Pflichten.
- Die DNK-Plattform bündelt Checklisten, Berichtsformate, Beratung, Publikationen und Vergleichsmöglichkeiten.
Unternehmen sollten die individuelle Einordnung für jedes Geschäftsjahr neu dokumentieren. Bei komplexen Konzernstrukturen, unsicherer Umsetzung oder bevorstehender Prüfung ist eine fachkundige rechtliche oder prüferische Beurteilung sinnvoll.