Nachhaltigkeitsbericht Helios: Erfolge und Herausforderungen
Autor: Nachhaltigkeit-Wirtschaft Redaktion
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Kategorie: Beispiele aus der Praxis
Zusammenfassung: Helios senkte 2020 relative Energie- und CO₂-Werte, bezog aber 98 Prozent nicht erneuerbare Energie; Photovoltaik, Scope 3 und Menschenrechte blieben offen.
Nachhaltigkeitsbericht Helios 2020: Zeitraum, Titel und Berichtsstandard
Der Nachhaltigkeitsbericht Helios mit dem Titel „Stark in die Zukunft“ bezieht sich auf das Geschäftsjahr 2020. Veröffentlicht wurde er am 8. September 2021. Als Quelle der Veröffentlichung dient kma Online.
Helios orientierte den Bericht an den GRI-Standards der Global Reporting Initiative. Diese Standards bieten einen Rahmen für die strukturierte Darstellung ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Themen. Eine Anlehnung bedeutet jedoch nicht automatisch eine vollständige Berichterstattung nach allen GRI-Anforderungen.
Die beschriebenen Kennzahlen, Vorhaben und offenen Aufgaben stammen aus dem Jahr 2020. Aussagen über geplante nächste Schritte, etwa eine stärkere Verbindung mit den UN-Nachhaltigkeitszielen, sind daher als damalige Ankündigungen zu verstehen.
Energieverbrauch und CO₂-Emissionen: Die wichtigsten Kennzahlen
Der Energieverbrauch je Quadratmeter sank 2020 von 248 kWh auf 242 kWh. Das entspricht einem Rückgang von rund 2,4 Prozent und zeigt, dass der relative Verbrauch im Klinikbetrieb leicht zurückging.
Auch die CO₂-Emissionen je Million Euro Umsatz entwickelten sich positiv. Sie lagen 2020 bei 31,3 Tonnen, nach 34 Tonnen im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von rund 7,9 Prozent. Eine direkte Veränderung der gesamten betrieblichen Emissionen lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Für den Klinikbetrieb weist der Bericht 2020 insgesamt 204.541 Tonnen CO₂ aus. Eine Vergleichszahl für 2019 fehlt. Deshalb bleibt offen, wie sich die absolute Emissionsmenge im Jahresvergleich verändert hat.
Die bezogene Energie belief sich auf 802.292 MWh. Davon stammten 98 Prozent aus nicht erneuerbaren Quellen; der Anteil erneuerbarer Energien lag bei rund 2 Prozent. Hier zeigt sich ein klarer Zielkonflikt: Die relativen Verbrauchskennzahlen verbesserten sich, während der Energiemix weiterhin stark fossil beziehungsweise nicht erneuerbar geprägt war.
- Energieverbrauch je Quadratmeter: 242 kWh im Jahr 2020 gegenüber 248 kWh im Jahr 2019
- CO₂-Emissionen je Million Euro Umsatz: 31,3 Tonnen gegenüber 34 Tonnen
- CO₂-Emissionen aus dem Klinikbetrieb: 204.541 Tonnen
- Bezogene Energie: 802.292 MWh
- Erneuerbare Energien: rund 2 Prozent des Energiebezugs
Beim Strom veränderte sich das Verhältnis nur geringfügig. 84 Prozent des Gesamtstromverbrauchs entfielen auf Fremdstrom, eigenerzeugter Strom machte 16 Prozent aus. Im Vergleich zu 2019 sank der Anteil des Fremdstroms leicht von 83,5 auf 84 Prozent, während der Anteil eigenerzeugten Stroms von 16,5 auf 16 Prozent zurückging.
Helios senkte damit den relativen Energieverbrauch und die umsatzbezogenen CO₂-Emissionen. Für die absolute Klimawirkung und den Ausbau erneuerbarer Energiequellen bietet der Bericht jedoch nur eine eingeschränkte Vergleichsbasis. Besonders der Anteil erneuerbarer Energien blieb niedrig.
Erneuerbare Energien bei Helios: Fortschritte mit deutlichem Nachholbedarf
Beim Ausbau erneuerbarer Energien blieb 2020 eine deutliche Lücke zwischen dem bestehenden Energiebezug und dem angestrebten Wandel. Von insgesamt 802.292 MWh bezogener Energie entfielen rund 2 Prozent auf erneuerbare Quellen, 98 Prozent stammten aus nicht erneuerbaren Energien.
Der Bericht beschreibt somit keinen weit fortgeschrittenen Ausbau, sondern vor allem einen frühen Entwicklungsschritt. Ein niedrigerer relativer Verbrauch ist zwar positiv, verändert den Energiemix aber nicht automatisch.
Eine mögliche Erweiterung der eigenen Stromerzeugung rückte mit Photovoltaik in den Blick. Ab 2022 sollte an verschiedenen Standorten geprüft werden, ob Solaranlagen installiert werden können. Dabei handelte es sich um eine Prüfung, nicht um eine bereits umgesetzte Maßnahme.
Vor dem möglichen Betrieb eigener Energieerzeugungsanlagen mussten zudem rechtliche Fragen geklärt werden. Technisches Potenzial allein genügt nicht, wenn Planung, Genehmigung und Betrieb rechtlich noch offen sind.
- Erneuerbarer Anteil: rund 2 Prozent des Energiebezugs
- Nicht erneuerbarer Anteil: 98 Prozent
- Perspektive: Prüfung von Photovoltaikanlagen ab 2022
- Offene Voraussetzung: Klärung rechtlicher Fragen für eigene Energieerzeugungsanlagen
Die Bilanz fällt zweigeteilt aus. Helios benannte Photovoltaik als mögliche nächste Etappe, erreichte im Berichtsjahr selbst aber noch keinen dokumentierten Durchbruch beim Ausbau erneuerbarer Energien. Der größte Handlungsbedarf lag somit beim Wechsel der Energiequellen, nicht allein bei der Effizienz des Verbrauchs.
Energiemanagement nach DIN EN ISO 50001 und geplantes Umweltmanagement
Das Energiemanagement bei Helios folgte 2020 der DIN EN ISO 50001. Die Norm beschreibt Anforderungen an ein systematisches Management von Energie und schafft einen festen Rahmen, um Energieeinsatz und Verbrauch dauerhaft zu beobachten und zu steuern.
Für den Klinikbetrieb ist dieser Ansatz besonders relevant. Energie wird an vielen Stellen benötigt, etwa für Gebäude, technische Anlagen und medizinische Infrastruktur. Ein einheitliches System kann helfen, Verbrauchsdaten vergleichbar zu erfassen und Verbesserungen über mehrere Standorte hinweg zu verfolgen.
Parallel dazu begann Helios mit der Vorbereitung eines Umweltmanagementsystems nach DIN EN ISO 14001. Diese Norm betrachtet Umweltwirkungen breiter als ein reines Energiesystem. Dazu können neben Energiefragen auch betriebliche Abläufe, Ressourcen und weitere Umweltaspekte gehören.
Eine flächendeckende Zertifizierung der Helios-Kliniken war vorgesehen. Der Bericht beschreibt damit einen begonnenen Vorbereitungsprozess, aber keine bereits abgeschlossene Zertifizierung. Ob und in welchem Umfang das Konzept umgesetzt wurde, lässt sich aus den Angaben zum Berichtsjahr 2020 nicht ableiten.
Photovoltaik ab 2022: Prüfung eigener Energieerzeugung
Ab 2022 sollte Helios an verschiedenen Standorten die Installation von Photovoltaikanlagen prüfen. Der Schritt zielte darauf, künftig mehr Energie selbst zu erzeugen. Eine Umsetzung oder flächendeckende Installation weist der Bericht jedoch nicht aus.
Im Mittelpunkt stand zunächst die Standortprüfung. Dabei mussten technische und rechtliche Voraussetzungen geklärt werden, bevor eigene Energieerzeugungsanlagen betrieben werden konnten. Der Plan befand sich somit in einer vorbereitenden Phase.
- Geplanter Zeitraum: Prüfung von Photovoltaikanlagen ab 2022
- Vorgesehener Ansatz: eigene Energieerzeugung an verschiedenen Standorten
- Offener Punkt: rechtliche Klärung vor einem möglichen Betrieb
- Status: Prüfung, nicht dokumentierte Umsetzung
Photovoltaik erscheint damit als angekündigte Perspektive, liefert für das Berichtsjahr 2020 aber noch keinen nachweisbaren Beitrag zur Energieversorgung.
Corona-Pandemie verzögert zentrale Nachhaltigkeitsprojekte
Die Corona-Pandemie beeinflusste 2020 nicht nur den Klinikalltag, sondern auch die geplante Nachhaltigkeitsarbeit. Mehrere Vorhaben konnten deshalb nicht wie vorgesehen umgesetzt werden. Betroffen waren vor allem Projekte, für die zusätzliche Datenerhebungen, Prüfungen und organisatorische Abstimmungen nötig waren.
Offen blieb insbesondere die geplante Erfassung von Umweltwirkungen außerhalb des unmittelbaren Klinikbetriebs. Ebenso konnte eine Risikoanalyse zu Menschenrechten nicht wie vorgesehen durchgeführt werden. Beide Themen sollten später in die Berichterstattung einfließen.
- geplante Ermittlung zusätzlicher Umweltwirkungen blieb offen
- Risiken für Menschenrechte wurden zunächst nicht systematisch analysiert
- die Einbindung dieser Themen in spätere Berichte verzögerte sich
Die Pandemie erklärt damit einen Teil der Lücken im Bericht, ersetzt aber keine spätere Bearbeitung. Für eine belastbare Nachhaltigkeitsbewertung sind gerade Lieferketten, Entsorgung und menschenrechtliche Risiken wichtige Prüfbereiche.
Scope-3-Emissionen und Menschenrechte als offene Aufgaben
Scope-3-Emissionen umfassen indirekte Treibhausgasemissionen entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette. Im Gesundheitsbetrieb können dazu etwa Emissionen aus Lieferketten und der Entsorgung gehören. Diese Quellen liegen nicht vollständig im direkten Betrieb der Kliniken, können die Klimawirkung aber erheblich beeinflussen.
Für den Nachhaltigkeitsbericht 2020 war ihre Ermittlung noch nicht abgeschlossen. Dadurch fehlte eine wichtige Datengrundlage, um die gesamte Emissionsbilanz umfassend einzuordnen. Die ausgewiesenen Betriebswerte deckten somit nicht alle indirekten Emissionsquellen ab.
Offen blieb außerdem eine Risikoanalyse zu Menschenrechten. Eine solche Prüfung kann mögliche Risiken in Geschäftsbeziehungen und Lieferketten sichtbar machen. Der Bericht dokumentiert jedoch keine abgeschlossene Analyse und keine daraus abgeleiteten Maßnahmen.
- Scope-3-Emissionen aus Lieferketten und Entsorgung wurden noch nicht vollständig ermittelt.
- Eine Risikoanalyse zu Menschenrechten stand noch aus.
- Beide Themen sollten in die künftige Nachhaltigkeitsberichterstattung einfließen.
Besonders bei einem Gesundheitsunternehmen sind belastbare Informationen zu Beschaffung, Entsorgung und sozialen Risiken wichtig. Erst wenn solche Daten systematisch vorliegen, lassen sich Entwicklungen über mehrere Jahre nachvollziehbar bewerten.
UN-Nachhaltigkeitsziele: Geplante Ausrichtung an den SDGs
Helios kündigte an, sich ab 2021 stärker an den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen zu orientieren. Die Ziele bilden einen internationalen Rahmen für soziale, ökologische und wirtschaftliche Entwicklung.
Für die Nachhaltigkeitsstrategie sollte daraus eine Auswahl von Schwerpunktthemen entstehen. Welche konkreten Ziele Helios priorisieren wollte, legte der Bericht noch nicht fest. Ebenso enthält er keine Angaben zu messbaren Zielwerten, Zeitplänen oder bereits abgeschlossenen SDG-Maßnahmen.
Die geplante Ausrichtung hätte Nachhaltigkeit stärker mit den verschiedenen Aufgaben eines Gesundheitsunternehmens verknüpfen können. Dazu zählen beispielsweise der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen, soziale Verantwortung und der Nutzen für Patientinnen und Patienten. Im Berichtsjahr blieb diese Verbindung jedoch ein angekündigter Entwicklungsschritt.
Für die Bewertung ist zwischen strategischer Absicht und belegter Umsetzung zu unterscheiden:
- Helios wollte sich ab 2021 intensiver mit den 17 SDGs befassen.
- Aus der Auseinandersetzung sollten eigene Schwerpunktthemen hervorgehen.
- Konkrete Prioritäten und überprüfbare Zielgrößen waren im Bericht noch nicht genannt.
Die SDGs dienten damit zunächst als Orientierungsrahmen. Ihr tatsächlicher Wert für die Nachhaltigkeitsarbeit hätte sich erst daran gezeigt, ob daraus klare Maßnahmen, Zuständigkeiten und messbare Fortschritte entstanden.
Forschung bei Helios: 468 Studien im Berichtsjahr
Der Nachhaltigkeitsbericht 2020 nennt erstmals konkrete Forschungszahlen. Insgesamt wurden bei Helios 468 Studien durchgeführt. Davon initiierte Helios 133 Studien selbst.
42 Studien standen im Zusammenhang mit COVID-19. Die Zahl zeigt, welchen Stellenwert die Pandemie auch in der Forschung einnahm. Eine weitere Einordnung zu Studiendesign, Ergebnissen oder wissenschaftlicher Wirkung enthält die vorliegende Berichtsangabe nicht.
Im Mittelpunkt der Förderung standen Forschungsprojekte von Beschäftigten. Voraussetzung war ein erwarteter Nutzen für Patientinnen und Patienten. Damit verknüpfte der Bericht die Forschungsaktivität direkt mit der medizinischen Versorgung.
- 468 Studien: Gesamtzahl der 2020 durchgeführten Studien
- 133 Studien: von Helios selbst initiierte Vorhaben
- 42 Studien: Projekte mit Bezug zu COVID-19
Die erstmalige Aufnahme der Forschungsleistungen erweitert den Nachhaltigkeitsbericht um eine soziale und medizinische Dimension. Sie macht sichtbar, dass Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen nicht nur Umweltkennzahlen umfasst. Zugleich bleiben Umfang und Wirkung der einzelnen Projekte offen, weil dazu keine weiteren Angaben vorliegen.
Erfolge und Herausforderungen im ausgewogenen Vergleich
Der Nachhaltigkeitsbericht zeigt ein gemischtes Bild. Helios konnte einzelne Effizienzkennzahlen verbessern und schuf mit dem Energiemanagement eine organisatorische Grundlage. Gleichzeitig blieb die ökologische Wirkung des Energiebezugs begrenzt, weil der Wechsel zu erneuerbaren Quellen erst am Anfang stand.
Ein weiterer Fortschritt liegt in der breiteren Themenwahl. Mit den Angaben zur Forschung wurde der Bericht erstmals über Umweltkennzahlen hinaus erweitert. Das schafft mehr Einblick in den möglichen Nutzen der medizinischen Arbeit, ersetzt aber keine Angaben zu Ergebnissen oder Wirkungen der einzelnen Studien.
Die größten Herausforderungen lagen bei der Vollständigkeit. Für indirekte Emissionen, Lieferketten und menschenrechtliche Risiken fehlten 2020 noch belastbare Grundlagen. Dadurch konnte der Bericht die Nachhaltigkeitsleistung nicht über den unmittelbaren Klinikbetrieb hinaus vollständig abbilden.
- Erfolge: bessere relative Effizienzwerte und ein systematischer Rahmen für das Energiemanagement
- Erweiterung: erstmals dokumentierte Forschungsaktivitäten mit Patientennutzen als Förderkriterium
- Herausforderungen: niedriger Anteil erneuerbarer Energie und unvollständige Betrachtung indirekter Auswirkungen
- Strategische Aufgabe: angekündigte Ziele in überprüfbare Maßnahmen und Kennzahlen zu überführen
Eine faire Bewertung darf die Fortschritte weder überhöhen noch ausblenden. Der Bericht dokumentiert erste Strukturen und messbare Verbesserungen, aber auch deutliche Lücken bei Datentiefe und Umsetzung. Sein Wert liegt deshalb in der Kombination aus erreichten Schritten und offen benannten Aufgaben.
Fazit: Nachhaltigkeitsbericht Helios zeigt Fortschritte und Handlungsbedarf
Der Nachhaltigkeitsbericht Helios zeichnet für 2020 kein einheitliches Erfolgsbild. Er dokumentiert messbare Verbesserungen und erste Managementstrukturen, macht zugleich aber deutlich, dass zentrale Nachhaltigkeitsdaten und Umsetzungsschritte noch fehlten.
Sein besonderer Wert liegt in dieser Zwischenbilanz: Der Bericht zeigt, wo Fortschritte sichtbar wurden, und benennt zugleich Themen, die für eine belastbare Weiterentwicklung noch vertieft werden mussten. Dazu zählen vor allem die vollständige Betrachtung der Wertschöpfungskette, soziale Risikoanalysen und überprüfbare strategische Ziele.
Für die Einordnung sollte der Bericht weder als abschließender Nachweis umfassender Nachhaltigkeit noch als bloße Absichtserklärung verstanden werden. Er markiert vielmehr einen Stand der Entwicklung im Jahr 2020. Ob aus den angekündigten Vorhaben dauerhafte Verbesserungen entstanden, lässt sich aus den Angaben dieses Berichts allein nicht bewerten.
Eine verlässliche Weiterentwicklung setzt voraus, Fortschritte regelmäßig mit vergleichbaren Kennzahlen zu belegen und offene Umwelt- und Sozialthemen systematisch in die Berichterstattung einzubeziehen. Erst dadurch würde aus der Bestandsaufnahme ein belastbares Bild der Nachhaltigkeitsleistung.