Nachhaltigkeit im Fokus: EU-Regeln, Unternehmensstrategien und regionale Projekte
Autor: Nachhaltigkeit-Wirtschaft Redaktion
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Kategorie: News
Zusammenfassung: In Hessen zeigen über 250 Organisationen mit Aktionen wie Aquaponik, Reparatur- und Bildungsangeboten, wie nachhaltige Entwicklung praktisch umgesetzt wird.
Kiel beendet EU-Projekt zur Kreislaufwirtschaft mit mehr als 1500 Teilnehmenden
In Kiel endet im Oktober das europäische Projekt „Creative Circular Cities“ (CCC), das sich drei Jahre lang mit der Frage beschäftigt hat, wie Kreislaufwirtschaft im Alltag sichtbar und praktisch erfahrbar werden kann. Beteiligt waren seit November 2023 neben Kiel die Städte Aarhus, Turku, Tallinn, Riga und Gdynia.
Das Projekt verfügt über ein Budget von knapp vier Millionen Euro und wird vom Interreg Baltic Sea Region Programme sowie der Europäischen Union kofinanziert. In Kiel nahmen mehr als 1500 Bürgerinnen und Bürger an Veranstaltungen, Fortbildungen und weiteren Angeboten teil.
Gemeinsam mit dem Anscharcampus, Zero Waste Kiel e.V. und der Heinrich-Böll-Stiftung organisierte die Stadt unter anderem ein Reparatur- und Upcycling-Festival. Dort konnten Fahrräder und Haushaltsgegenstände repariert, Musikinstrumente aus Abfallmaterialien gebaut und Drucktechniken mit recycelten Materialien ausprobiert werden. In den Jahren 2025 und 2026 kamen knapp 1400 Teilnehmende zu diesem Festival.
Eine weitere Kooperation bestand mit der Muthesius Kunsthochschule. Im Kurs „Goldmine“ entwickelten Studierende des Industriedesigns aus Metallabfällen neue Produkte. Dabei sollte verdeutlicht werden, dass Kreislaufwirtschaft bereits am Designtisch beginnt, wenn über Materialien, Langlebigkeit, Wiederverwendung und Wert eines Produkts entschieden wird.
Projektmanagerin Kerstin Müller sieht in Kiel zahlreiche innovative Ansätze, die jedoch häufig gegen finanzstarke und etablierte Unternehmen bestehen müssten. Sie beschreibt das Spannungsfeld mit den Worten: „Der Markt belohnt kurzfristige Effizienz, nicht langfristige Nachhaltigkeit.“ Die Ergebnisse des Projekts werden in einem digitalen Archiv mit Best-Practice-Beispielen gesammelt.
Am 29. und 30. September sollen die Resultate bei der Konferenz „Creative Cities – Circular Futures“ in der Seeburg in Kiel vorgestellt werden. Ziel ist es, die entwickelten Formate auch in andere Städte zu übertragen. Laut Kieler Nachrichten bewirbt sich Kiel außerdem um weitere Fördermittel, damit das Festival nach dem Projektende fortgeführt werden kann.
„Der Markt belohnt kurzfristige Effizienz, nicht langfristige Nachhaltigkeit.“ – Kerstin Müller, Projektleiterin bei Creative Circular Cities
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Projektlaufzeit | Drei Jahre |
| Projektende | Oktober |
| Projektbudget | Knapp vier Millionen Euro |
| Beteiligte Städte | Kiel, Aarhus, Turku, Tallinn, Riga und Gdynia |
| Teilnehmende an den Angeboten | Mehr als 1500 |
| Teilnehmende am Festival 2025 und 2026 | Knapp 1400 |
| Konferenz | 29. und 30. September |
Zusammenfassung: Das Kieler CCC-Projekt verband Kreislaufwirtschaft mit Kultur, Design und Bürgerbeteiligung. Mehr als 1500 Menschen nahmen an den Angeboten teil; die Ergebnisse sollen über eine Konferenz und ein digitales Archiv weiterverbreitet werden.
Quelle: Kieler Nachrichten
ZDF soll Nachhaltigkeitsstrategie trotz Spardruck weiterverfolgen
Eva Maria Welskop-Deffaa, Mitglied des ZDF-Fernsehrats und Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, fordert, Nachhaltigkeit und Klimaschutz auch unter wirtschaftlichem und öffentlichem Druck weiter als Bestandteil der Unternehmensstrategie zu behandeln. Das ZDF habe beim Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz eine große gesellschaftliche Vorbildwirkung.
Nach Einschätzung von Welskop-Deffaa müssen die inhaltliche Glaubwürdigkeit des Senders und die Glaubwürdigkeit des eigenen Handelns gemeinsam betrachtet werden. Besonders dringlich sei es, die Nachhaltigkeitsstrategie trotz des aktuellen Spardrucks und der öffentlichen Generalkritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk umzusetzen.
Im Gespräch mit dem ZDF-Fernsehrat bewertet Welskop-Deffaa auch das Green-Streaming-Projekt. Neue digitale Technologien seien besonders große Energieverbraucher. Weil Video-Streaming einen erheblichen Teil des weltweiten Datenverkehrs ausmache, sei es sinnvoll, die Energieeffizienz entlang der gesamten Streaming-Wertschöpfungskette systematisch zu verbessern.
Nachhaltigkeit und digitale Innovation seien dabei kein Widerspruch. Welskop-Deffaa begrüßt, dass das ZDF neben technischen Lösungen auch Möglichkeiten für einen bewussteren und stromsparenden Medienkonsum anbietet, etwa durch ECO-Modi und transparente Einstellungen zum Streaming-Verhalten. Zugleich müssten digitale Angebote zugänglich, bezahlbar und barrierefrei bleiben.
Ein weiteres Spannungsfeld sieht die Caritas-Präsidentin bei Investitionen in eine „grüne Produktion“. Sie verweist darauf, dass auch Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege Klimaschutzinvestitionen bei Verhandlungen über Pflegesätze nicht als wirtschaftlich anerkannt bekämen. Ein verengter Wirtschaftlichkeitsbegriff führe dadurch zu einer Konkurrenz von Wirtschaftlichkeits- und Nachhaltigkeitszielen.
Auch die Führungskultur und gesellschaftliche Wirkung des ZDF gehören für Welskop-Deffaa zur Nachhaltigkeit. Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex erfasse unter anderem Arbeitnehmerrechte, Chancengerechtigkeit, Qualifizierung, Menschenrechte, Gemeinwesen, politische Einflussnahme sowie gesetzes- und richtlinienkonformes Verhalten.
Die bisherige Entwicklung im ZDF könne von außen nur schwer beurteilt werden. Welskop-Deffaa warnt jedoch, dass der Druck auf den Sender auch die gesellschaftlichen Ziele beeinträchtigen könnte. Ein „ZDF für alle“ müsse offen, demokratisch und freiheitlich sein und sich für die Rechte aller Generationen einsetzen.
„Das ZDF hat eine große gesellschaftliche Vorbildwirkung beim Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz.“ – Eva Maria Welskop-Deffaa
- Nachhaltigkeit soll trotz Spardruck Bestandteil der Unternehmensstrategie bleiben.
- Das Green-Streaming-Projekt untersucht Energieeffizienz entlang der Streaming-Wertschöpfungskette.
- ECO-Modi und transparente Einstellungen sollen einen bewussteren Medienkonsum ermöglichen.
- Barrierefreiheit, Zugänglichkeit und Bezahlbarkeit digitaler Angebote bleiben zentrale Anforderungen.
Zusammenfassung: Eva Maria Welskop-Deffaa sieht Nachhaltigkeit beim ZDF als dauerhafte Zukunftsaufgabe. Neben energieeffizientem Streaming hebt sie die Bedeutung von Glaubwürdigkeit, Barrierefreiheit und einer offenen Führungskultur hervor.
Quelle: ZDF
Mehr als 250 Unternehmen und Initiativen beteiligen sich am Tag der Nachhaltigkeit in Hessen
Unter dem Motto „Unser Hessen: Gemeinsam. Mehr. Bewegen.“ haben sich mehr als 250 Unternehmen, Schulen, Kommunen, Vereine und Initiativen am 9. Tag der Nachhaltigkeit Hessen beteiligt. Mit Veranstaltungen und Mitmachaktionen zeigen die Beteiligten, wie nachhaltige Entwicklung in Hessen umgesetzt und im Alltag gelebt werden kann.
Umweltminister Ingmar Jung besuchte die Theodor-Heuss-Schule in Offenbach. Schülerinnen und Schüler des beruflichen Gymnasiums stellten dort Aquaponik-Anlagen vor, in denen Fische und Pflanzen in einem gemeinsamen Kreislauf verbunden sind. Die Jugendlichen erklärten Grundschulkindern der Wildbachschule, wie Nährstoffe aus den Ausscheidungen der Fische für den Gemüsebau genutzt werden können.
Die Schülerfirma entwickelt und baut außerdem kleinere Aquaponik-Anlagen für andere Schulen und Interessierte in Hessen. Umweltminister Jung hob hervor, dass die Anlagen zeigen, wie Ressourcen effizient genutzt, Kreisläufe geschlossen und nachhaltige Bildung mit praktischem Lernen verbunden werden können.
Der Veranstaltungskompass umfasst Angebote zu regionaler Ernährung, nachhaltiger Land- und Forstwirtschaft, nachhaltigem Wirtschaften, Klima- und Ressourcenschutz sowie Tausch- und Reparaturmöglichkeiten. Ergänzt wird das Programm durch Kulturangebote, Mitmachaktionen und Wettbewerbe für Kinder und Jugendliche.
Ministerpräsident Boris Rhein und Umweltminister Ingmar Jung würdigten als Schirmherren das Engagement der Beteiligten. Nachhaltigkeit könne nur gelingen, wenn Land, Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft, Vereine sowie Bürgerinnen und Bürger zusammenarbeiteten.
Auch aus dem Umweltministerium beteiligten sich Staatssekretäre am Aktionstag. Staatssekretär Michael Ruhl nahm an der Nachhaltigkeitstagung FU³lda an der Hochschule Fulda teil. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Unternehmen Nachhaltigkeit als Teil einer zukunftsfähigen und erfolgreichen Unternehmensführung gestalten können. An der Veranstaltung nahmen etwa 130 Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft teil.
Der Tag der Nachhaltigkeit Hessen findet seit 2010 alle zwei Jahre statt. Veranstaltungen und Aktionen laufen noch bis zum 8. Oktober 2026. Die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit finden bundesweit vom 18. September bis zum 8. Oktober statt.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Beteiligte Organisationen | Mehr als 250 |
| Tag der Nachhaltigkeit | 9. Tag der Nachhaltigkeit Hessen |
| Teilnehmende an der Nachhaltigkeitstagung FU³lda | Etwa 130 |
| Zeitraum der Aktionen | Bis zum 8. Oktober 2026 |
| Zeitraum der Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit | 18. September bis zum 8. Oktober |
| Turnus des Aktionstags | Alle zwei Jahre seit 2010 |
Zusammenfassung: Der hessische Aktionstag bündelt Aktivitäten von mehr als 250 Unternehmen, Schulen, Kommunen, Vereinen und Initiativen. Im Mittelpunkt stehen praktische Projekte wie Aquaponik, Ressourcenschutz, nachhaltiges Wirtschaften sowie Tausch- und Reparaturangebote.
Quelle: HESSEN Landesregierung
Arminia Bielefeld stellt Nachhaltigkeitsmaßnahmen auf der Alm vor
Arminia Bielefeld hat bei einer erstmaligen Stadionführung zum Thema Nachhaltigkeit Einblicke in soziale und ökologische Maßnahmen des Vereins gegeben. Die Führung zeigte unter anderem Bereiche hinter den Kulissen des Stadions, darunter auch die Kabinen der Alm.
Mit dem Angebot wollte der DSC Arminia Bielefeld vermitteln, wie Nachhaltigkeit im Vereins- und Stadionbetrieb umgesetzt wird. Die Neue Westfälische ordnet die Veranstaltung als Einblick in die ökologischen und sozialen Aktivitäten des Vereins ein.
Die Stadionführung verband damit Informationen über die Alm mit einem Blick auf Nachhaltigkeit bei Arminia Bielefeld. Im Mittelpunkt stand nicht nur die sportliche Nutzung des Stadions, sondern auch die Frage, welche Maßnahmen der Verein in den Bereichen Umwelt und Gesellschaft umsetzt.
Zusammenfassung: Arminia Bielefeld öffnete die Alm erstmals für eine Stadionführung mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Besucherinnen und Besucher erhielten dabei auch Einblicke in die Kabinen und die Nachhaltigkeitsarbeit des Vereins.
Quelle: Neue Westfälische
EU verschärft Regeln gegen Greenwashing bei Textilien
Ab dem 27. September gelten in der Europäischen Union neue Regeln gegen unbewiesene Aussagen zur Nachhaltigkeit oder Klimaneutralität von Produkten. Grundlage ist die Empco-Richtlinie, deren Bezeichnung für „Empowering Consumers for the Green Transition“ steht.
Die Regelung richtet sich gegen allgemeine und nicht belegte Umweltversprechen. Begriffe wie „umweltfreundlich“, „ökologisch“, „grün“, „naturfreundlich“, „umweltgerecht“, „klimafreundlich“, „CO2-freundlich“, „umweltverträglich“, „energieeffizient“ und „biologisch abbaubar“ dürfen künftig ohne Nachweis einer „anerkannten hervorragenden Umweltleistung“ nicht mehr verwendet werden.
Als Beleg kommen eine Spezifizierung oder Zertifikate infrage. Die Aussage „klimafreundliche Verpackung“ wird als zu allgemein und damit unzulässig beschrieben. Dagegen gilt die Angabe „100 Prozent der für die Herstellung dieser Verpackung verwendeten Energie stammen aus erneuerbaren Quellen“ als ausreichend spezifisch und erlaubt.
Die EU hatte bereits 2020 in einer Studie umweltbezogene Aussagen untersucht. Dabei kam sie zu dem Ergebnis, dass 53 Prozent der untersuchten Aussagen vage, irreführend oder unbegründet waren. Die EU sah darin eine Verzerrung des Wettbewerbs zulasten von Unternehmen, die Nachhaltigkeit ernst nehmen.
Auch Schweizer Textilunternehmen sind betroffen, wenn sie ihre Produkte in den EU-Raum liefern. Dafür muss ein Unternehmen seine Waren nicht selbst exportieren; es genügt, wenn die Produkte in einem Online-Shop erscheinen, über den EU-Länder beliefert werden.
Bei der Schweizer Sportbekleidungsfirma Odlo wurden rund 600 Produktbeschreibungen angepasst und in diverse Sprachen übersetzt. In wenigen Fällen entfernte das Unternehmen auch Begriffe von Verpackungen, etwa bei einem Produkt aus Merinowolle mit dem Aufdruck „Natural Merino Base Layer“.
Die Nachhaltigkeitsexpertin Johanna Heimlicher beschreibt die Folge mit den Worten: „Neu gilt fast schon: Was nicht zertifiziert ist, kann auch nicht kommuniziert werden.“ Sie weist zugleich auf den bürokratischen Aufwand und die laufenden Änderungen bei Zertifizierungsstandards hin.
Der Schweizer Branchenverband Swiss Textiles begrüßt das Vorgehen gegen irreführende Aussagen, warnt aber vor einem möglichen „Greenhushing“. Unternehmen könnten aus Sorge vor Verstößen darauf verzichten, überhaupt über Nachhaltigkeit zu kommunizieren. Nach Einschätzung von Anna Vetsch wäre dies das schlimmste Szenario, weil Nachhaltigkeit dadurch aus dem Bewusstsein der Konsumenten verschwinden könnte.
Auch Zertifizierer müssen ihre Strukturen anpassen. Die Richtlinie verlangt, dass Unternehmen, die Zertifizierungsstandards entwickeln oder setzen, nicht selbst Zertifizierungen durchführen. Oeko-Tex hat deshalb die organisatorische Unabhängigkeit seiner 17 Institute gestärkt und die GmbH in eine AG umgewandelt.
Die Regulierung betrifft zudem bereits im Umlauf befindliche Ware. Produkte, die den Regeln nicht entsprechen, müssten strenggenommen aussortiert, neu etikettiert, anders beworben oder aus dem Verkehr gezogen werden.
Ab Ende 2028 soll für Textilien außerdem ein Digitaler Produktepass verlangt werden, etwa über einen QR-Code. Darin sollen unter anderem die Zusammensetzung, die verwendeten Materialien, die beteiligten Personen, die Behandlung, die Herkunft, die Recyclingfähigkeit und die Langlebigkeit eines Textils ausgewiesen werden.
| Regelungsaspekt | Angabe |
|---|---|
| Beginn der neuen Regeln | 27. September |
| Anteil vager, irreführender oder unbegründeter Aussagen laut EU-Studie | 53 Prozent |
| Angepasste Produktbeschreibungen bei Odlo | Rund 600 |
| Geplante Einführung des Digitalen Produktepasses für Textilien | Ende 2028 |
| Nach Oeko-Tex-Standards prüfende Institute | 17 |
„Ein solches Greenhushing wäre das schlimmste Szenario.“ – Anna Vetsch, Swiss Textiles
Zusammenfassung: Die EU verbietet ab dem 27. September unbewiesene und pauschale Umweltversprechen. Die Regeln betreffen auch Schweizer Textilfirmen, erhöhen den Nachweis- und Anpassungsaufwand und könnten nach Einschätzung der Branche dazu führen, dass Unternehmen weniger über Nachhaltigkeit kommunizieren.
Quelle: NZZ
Nachhaltigkeit wird bei der Kreditvergabe für Handwerksbetriebe wichtiger
Nachhaltigkeit bleibt für Handwerksbetriebe auch ohne eigene Berichtspflicht relevant. Banken, Kunden und Lieferanten fragen zunehmend nach Nachhaltigkeitsdaten, und die Beschäftigung mit Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung kann die Kreditprüfung und Kreditkonditionen beeinflussen.
Steffen Pörner, Geschäftsführer des Bankenverbandes Nordrhein-Westfalen, erklärt, dass sich Betriebe bei Gesprächen mit ihrer Hausbank über Investitionen, Betriebsmittel oder Wachstum zunehmend auf Fragen zu Nachhaltigkeit und ESG einstellen müssten. ESG steht für Environmental, Social and Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.
Mit dem Omnibus-Paket vom Februar 2026 wurden nach Darstellung des Deutschen Handwerksblatts viele Pflichten zur Nachhaltigkeitsberichterstattung und zu Lieferkettensorgfaltspflichten entschärft. Die CSRD gilt demnach nur noch für Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mindestens 450 Millionen Euro Umsatz.
Andere Unternehmen können selbst entscheiden, ob sie einen Nachhaltigkeitsbericht nach dem freiwilligen VSME-Standard, künftig VS, erstellen und auf der Plattform des Deutschen Nachhaltigkeitskodex veröffentlichen. Der Standard besteht aus einem Basismodul mit 51 Punkten und einem Zusatzmodul mit 42 Punkten.
Eine vollständige Entwarnung bedeutet das laut Pörner nicht. Banken müssen gegenüber ihrer Aufsicht und der Europäischen Zentralbank nachweisen, wie nachhaltig ihre Kreditportfolios sind und welche Klimarisiken darin stecken. Deshalb fragen sie auch bei Firmenkunden genauer nach, um Risiken besser einschätzen zu können.
Indirekt können auch nicht berichtspflichtige Betriebe betroffen sein, wenn sie als Zulieferer für Konzerne arbeiten. Große Unternehmen fragen bei Geschäftspartnern zunehmend Daten zum Energieverbrauch, zum CO2-Ausstoß, zur Herkunft von Rohstoffen sowie zu Diversität und Menschenrechten ab.
Nachhaltigkeit kann für Betriebe außerdem eine Marktchance sein. Nachhaltiges Arbeiten kann helfen, Energie zu sparen, unabhängiger von Preissprüngen zu werden, neue Kundengruppen zu erreichen oder bei Ausschreibungen besser dazustehen. Im Mittelpunkt steht auch die Resilienz gegenüber hohen Energiepreisen, Hochwasserlagen, instabilen Lieferketten und neuen regulatorischen Anforderungen.
Banken berücksichtigen neben klassischen Bonitätsfragen zunehmend Klima- und Transformationsrisiken. Ein Standort in einem hochwassergefährdeten Gebiet kann die Finanzierung erschweren, wenn physische Klimarisiken den Standort, Sicherheiten oder die Fortführung des Geschäfts gefährden. Ähnliches gilt für energieintensive Geschäftsmodelle, eine hohe Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen oder Lieferketten mit kritischen Rohstoffen.
Aus den erhobenen Informationen entsteht bei vielen Banken ein ESG-Rating oder ein Klima-Risiko-Score. Nach Einschätzung Pörners erwarten Banken häufig keinen perfekten Endzustand, sondern einen plausiblen und möglichst konkreten Transformationspfad. Wer Risiken erkennt, Maßnahmen plant und die weitere Entwicklung glaubhaft darstellt, kann seine Position verbessern.
Als mögliche Maßnahmen nennt der Beitrag unter anderem Pläne zur Elektrifizierung des Fuhrparks, ein Energiekonzept, eine Lieferantenprüfung oder eine nachvollziehbare Strategie zur Senkung von Emissionen. Diese Informationen sollten der Hausbank nicht nur mündlich, sondern in einer kurzen und strukturierten Übersicht vorgelegt werden.
Schlechte ESG-Werte können die Finanzierung erschweren oder verteuern, insbesondere wenn Risiken nicht adressiert werden. Ein Unternehmen werde jedoch nicht automatisch ausgeschlossen, nur weil es noch nicht klimaneutral arbeite. Entscheidend seien Transparenz, Plausibilität und Fortschritt.
Der Beitrag empfiehlt Unternehmen außerdem, mehrere Bankpartner einzubeziehen. Nicht jedes Institut bewertet jede Branche gleich; ein zweites Gespräch könne daher hilfreich sein.
- Größte Energieverbräuche und wichtigste Energieträger ermitteln.
- Zustand von Gebäuden, Heizungen, Maschinen und Fuhrpark prüfen.
- Verbrauchte Rohstoffe und entstehende Abfälle erfassen.
- Teure und störanfällige Prozesse identifizieren.
- Künftige Anforderungen von Kunden an Nachhaltigkeitsdaten prüfen.
- Klima- und Lieferkettenrisiken der Standorte bewerten.
- Maßnahmen zu Arbeitssicherheit und Investitionen mit Wirkung auf Kostenersparnis, Resilienz und Finanzierungschancen berücksichtigen.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Beschäftigtengrenze für die CSRD | Mehr als 1.000 Beschäftigte |
| Umsatzgrenze für die CSRD | Mindestens 450 Millionen Euro Umsatz |
| VSME-Basismodul | 51 Punkte |
| VSME-Zusatzmodul | 42 Punkte |
| Veröffentlichung des Artikels | 24. September 2026 |
„Banken erwarten häufig keinen perfekten Endzustand, sondern einen plausiblen, möglichst konkreten Transformationspfad.“ – Steffen Pörner
Zusammenfassung: Auch kleine und mittlere Handwerksbetriebe bleiben über Banken, Kunden und Lieferanten mit ESG-Anforderungen konfrontiert. Für die Finanzierung zählen nach Darstellung des Deutschen Handwerksblatts vor allem belastbare Daten, ein glaubwürdiger Transformationspfad und ein realistischer Umgang mit Klima- und Geschäftsrisiken.
Quelle: Deutsches Handwerksblatt
Quellen:
- Kiel: Kreislaufwirtschaft-Projekt Creative Circular Cities endet nach drei Jahren
- Über Nachhaltigkeit unter Spardruck
- Tag der Nachhaltigkeit lädt zum Mitmachen ein
- Arminia Bielefeld gibt Einblicke hinter die Kulissen: So nachhaltig ist die Alm
- Greenwashing-Verbot der EU: Innovation oder Bremse für mehr Nachhaltigkeit beim Kleiderkauf?
- Nachhaltigkeit bei der Kreditvergabe: Worauf kommt es den Banken an?