Nachhaltigkeit im Fokus: Dr. Oetker, Kommunen und Deep Tech im Check
Autor: Nachhaltigkeit-Wirtschaft Redaktion
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Kategorie: News
Zusammenfassung: Der Artikel beleuchtet Dr. Oetkers Preis-, Produkt- und Nachhaltigkeitsbilanz sowie neue kommunale Initiativen für nachhaltiges Wirtschaften in Saarbrücken und Hachenburg.
Dr. Oetker im Check: Zwischen Tradition, Preisfragen und Nachhaltigkeitslücken
Die ARD-Verbraucherredaktion hat für den SWR Produkte und Geschäftspraktiken von Dr. Oetker untersucht. Im Mittelpunkt standen unter anderem Backmischungen, Pudding, Tiefkühlpizza, Müslis, Spezialprodukte, Aromen, Verpackungen und die Lieferkette von Kakao.
Beim Käsekuchen trat eine Backmischung für 2,49 Euro gegen einen selbst gebackenen Kuchen an. Einschließlich der zusätzlich benötigten Zutaten kostete die Backmischung in der Stichprobe 9,94 Euro, während der selbstgemachte Käsekuchen auf 9,75 Euro kam. Bei der Zubereitungszeit lag Konditorin Lucia Kranz mit 7:45 Minuten nur 30 Sekunden vor der Backmischung.
Beim Vanillepudding fiel der Preisvergleich anders aus. Selbstgemachter Pudding mit frischer Vanilleschote kostete in der Rechnung rund 6 Euro, während Fertigprodukte, darunter klassisches Dr.-Oetker-Puddingpulver, mit rund 35 Cent nahezu gleichauf lagen.
Eine Untersuchung der Füllmengen lenkte den Blick auf das Vitalis-Schokomüsli. Die Standardvariante schrumpfte von 600 auf 450 Gramm, die Feinherb-Version von 600 auf 400 Gramm – jeweils bei einem Preis von 3,99 Euro. Daraus ergab sich laut SWR eine versteckte Preiserhöhung von 33 beziehungsweise 50 Prozent.
Auch das Backpulver „Backin für den Airfryer“ wurde thematisiert. Es enthält zusätzlich Glucono-delta-lacton und kostet pro 100 Gramm fast doppelt so viel wie das klassische Backin. Dr. Oetker begründete den Preis mit einer speziell entwickelten Rezeptur, umfangreichen Anwendungs- und Verbrauchertests sowie deutlich kleineren Produktionsmengen.
Im Pizzatest kostete die Dr. Oetker Ristorante Salami 3,49 Euro. In der Blindverkostung mit drei günstigeren Salami-Pizzen gewann die Steinofenpizza von Wagner mit 37 Prozent der Stimmen. Gut & Günstig und Trattoria Alfredo erreichten jeweils 26 Prozent, während die Ristorante mit 11 Prozent auf dem letzten Platz der Stichprobe landete.
„Man braucht gute Zutaten, gute Mehle auf jeden Fall und viel Zeit - das Wichtigste.“ – Tobias Kühnle, Pizzabäcker in der deutschen Pizzanationalmannschaft, zitiert vom SWR.
Bei den Dessertprodukten zeigte der Test, welchen Einfluss Aromen und Farbstoffe auf die Wahrnehmung haben. Der Original-Vanillepudding setzte sich in der Stichprobe gegen selbstgekochten Pudding und ein Konkurrenzprodukt von Ruf durch, enthält laut Beitrag jedoch keine echten Vanilleschoten, sondern Aroma.
Beim Produkt „Quarkfein Erdbeergeschmack“ entsprach die im Original enthaltene Menge Erdbeerpulver umgerechnet gut ein Gramm. Der Erdbeergeschmack stamme überwiegend aus Aromen und nur zu einem verschwindend geringen Anteil aus Erdbeeren, berichtet der SWR.
Auch Ernährungstrends wurden geprüft. Die zuckerreduzierte Vitalis-Variante war pro Kilogramm in der Stichprobe rund zwei Euro teurer als das Standardmüsli. Beim Milchreis mit zusätzlichem Eiweiß standen 1,91 Euro pro 100 Gramm für die High-Protein-Variante 1,19 Euro für die klassische Variante gegenüber; der Protein-Milchreis enthielt dabei lediglich vier Gramm mehr Protein pro Portion.
Bei Kakao verwies der Beitrag auf jährliche Einkäufe von Dr. Oetker in Höhe von über 9.000 Tonnen, überwiegend aus Ghana und der Elfenbeinküste. Für die beiden Hauptanbauländer wurden in Studien vor vier Jahren jeweils rund 800.000 Kinder genannt, die unter verbotenen Bedingungen auf Kakaofarmen gearbeitet hätten.
Bei den Verpackungen gab Dr. Oetker an, bis 2030 zu 100 Prozent recycelbare, wiederverwendbare oder kompostierbare Materialien einsetzen zu wollen. Der aktuelle Stand liege bei rund 88 Prozent. Bei der Folie für Tiefkühlpizzen wurde die Dicke von 15 Mikrometer auf 13 Mikrometer reduziert; dadurch seien 2025 bereits 300 Tonnen Kunststoff eingespart worden.
Infobox – SWR: Der Marktcheck zeichnet ein gemischtes Bild: Selbst backen war beim Käsekuchen in der Stichprobe günstiger, Puddingpulver lag deutlich unter der Variante mit echter Vanille, und die Ristorante-Pizza belegte im Blindtest den letzten Platz. Bei Kakao sehen Experten soziale Risiken, während Dr. Oetker bei Verpackungen Fortschritte meldet.
Saarbrücken sucht Unternehmen mit nachhaltigem Geschäftsmodell
Die Landeshauptstadt Saarbrücken startet erstmals den „Saarbrücker Nachhaltigkeitspreis für Unternehmen“. Der Wettbewerb ist eine Weiterentwicklung des seit 2019 etablierten Wettbewerbs „FAIRnünftiges Unternehmen“ und wurde auf Grundlage der vor zwei Jahren verabschiedeten Nachhaltigkeitsstrategie erweitert.
Ausgezeichnet werden sollen Betriebe, die Nachhaltigkeit in ihrem wirtschaftlichen Handeln verankern und Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft übernehmen. Bewerben können sich Unternehmen jeder Größe mit Sitz in Saarbrücken – vom Familienbetrieb über mittelständische Unternehmen bis hin zu größeren Betrieben.
Besonders angesprochen werden Unternehmen aus Dienstleistung, Einzelhandel, Gastronomie und Beherbergung sowie Industrie und verarbeitendem Gewerbe. Als mögliche Beiträge nennt die Stadt ressourcenschonendes Arbeiten, Energieeinsparung, faire Arbeitsbedingungen, nachhaltige und fair gehandelte Produkte, gesellschaftliche Verantwortung sowie nachhaltig gestaltete digitale Lösungen.
Die Bewerbung ist online möglich und soll in der Regel nicht länger als 15 bis 30 Minuten dauern. Bewerbungsschluss ist Sonntag, 25. Oktober.
Teilnehmende erhalten Sichtbarkeit über ein Unternehmensprofil auf der Wettbewerbsplattform, eine Darstellung auf einer digitalen Karte und die Möglichkeit, das Wettbewerbssiegel zu nutzen. Im Rahmen der Preisverleihung werden die Unternehmen vorgestellt und erhalten professionelle Fotos für ihre Öffentlichkeitsarbeit.
Zusätzlich bietet die Landeshauptstadt gemeinsam mit Partnern kostenlose Workshops und Beratungen zu Nachhaltigkeit, Corporate Social Responsibility, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz an. Die Gewinnerinnen und Gewinner jeder Kategorie erhalten außerdem eine individuelle Energieberatung vor Ort, bei der Einsparpotenziale bei Energieverbrauch, Betriebskosten und CO₂-Emissionen aufgezeigt werden.
Über die Auszeichnungen entscheidet eine unabhängige Jury mit Vertreterinnen und Vertretern der Landeshauptstadt sowie der beteiligten Partnerorganisationen. Unterstützt wird die Initiative unter anderem von der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes, der Arbeitskammer des Saarlandes, ECOTRANS e.V., mehrwert! e.V., der Fairtrade Initiative Saarland, Saaris, dem August-Wilhelm Scheer Institut und East Side Fab e.V.
Infobox – Landeshauptstadt Saarbrücken: Der neue Nachhaltigkeitspreis richtet sich an Unternehmen jeder Größe mit Sitz in Saarbrücken. Neben öffentlicher Anerkennung umfasst das Angebot Workshops, Beratungen und für die Gewinnerinnen und Gewinner eine individuelle Energieberatung.
Hachenburg verbindet Agenda 2030 mit kommunalen Projekten
Die Verbandsgemeinde Hachenburg nutzt den Erdüberlastungstag als Anlass, ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten hervorzuheben. Der Tag wurde am 30. Juli erreicht und markiert laut WW-Kurier den Zeitpunkt, an dem die Menschheit mehr natürliche Ressourcen verbraucht hat, als die Erde im gesamten Jahr regenerieren kann.
Hachenburg ist seit 2023 Mitglied im „Club der Agenda-2030-Kommunen“. Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen bilden den Rahmen, um ökologische, wirtschaftliche und soziale Verantwortung im kommunalen Handeln zusammenzuführen.
Zu den genannten Maßnahmen gehört ein weiterentwickeltes kommunales Klimaschutzkonzept. Gemeinsam mit Wirtschaft, Verwaltung und Bevölkerung sollen dadurch neue Impulse für den Klimaschutz entstehen.
Eine Photovoltaikanlage auf dem Verwaltungsgebäude produziert Strom. Förderprogramme unterstützen Bürgerinnen und Bürger bei Investitionen in erneuerbare Energien, während Hitzeschutzmaßnahmen an Grundschulen den Folgen des Klimawandels entgegenwirken sollen.
Auch Bildungs- und Partnerschaftsprojekte sind Teil des Ansatzes. Das Jugendzentrum der Verbandsgemeinde wurde als „Faires Jugendhaus“ ausgezeichnet, und seit zehn Jahren besteht eine Partnerschaft mit dem Distrikt Gisagara in Ruanda. Im Rahmen der Klimapartnerschaft wurden laut Bericht bereits zahlreiche Projekte umgesetzt.
Ergänzt wird das Engagement durch das Stadtradeln, Energieberatungen im Rathaus sowie Projekte zu Umwelt-, Natur- und Ressourcenschutz. Die Nachhaltigkeitskoordinatorin Melissa Karthe hebt hervor, dass Klimaschutz, Biodiversität, nachhaltige Mobilität sowie ein bewusster Umgang mit Energie und Wasser aus vielen einzelnen Bausteinen bestehen.
Infobox – WW-Kurier: Hachenburg setzt auf eine Kombination aus Klimaschutzkonzept, Photovoltaik, Förderprogrammen, Hitzeschutz, Bildungsarbeit, Klimapartnerschaft und Mobilitätsprojekten. Die Verbandsgemeinde ist seit 2023 Mitglied im „Club der Agenda-2030-Kommunen“.
Secondhand-Markt in Oberpleis setzt auf Ressourcenschonung
In Oberpleis findet am Samstag, 13. September, ein Mädelsflohmarkt statt. Von 11 bis 14 Uhr werden auf dem Parkplatz der Volkshochschule Siebengebirge Damenmode, Schuhe, Schmuck, Taschen und Accessoires aus zweiter Hand angeboten.
Die Veranstaltung soll den Kauf und die Weitergabe gut erhaltener Gegenstände fördern und nachhaltigen Konsum im Alltag sichtbar machen. Wer selbst einen Stand betreiben möchte, kann sich über ein Registrierungsformular auf der Internetseite der Volkshochschule anmelden.
Die Zahl der Standplätze ist auf 29 begrenzt. Die Veranstalter empfehlen deshalb eine frühzeitige Anmeldung.
Der Flohmarkt bildet den Auftakt der Aktionswoche „7 Tage – 7 Chancen“, die vom 13. bis 19. September von den Stabsstellen Klimaschutz und Mobilitätsmanagement der Stadt Königswinter organisiert wird. Weitere Programmpunkte sind unter anderem ein Pub-Quiz, Vorträge und geführte Wanderungen.
Da die Veranstaltung unter freiem Himmel stattfindet, kann sie bei ungünstiger Wetterprognose bis spätestens zwei Tage vorher abgesagt werden. Dr. Andreas Meese von der VHS Siebengebirge und Joana Pires Heise vom städtischen Klimabüro stellen den Secondhand-Handel als Möglichkeit dar, Ressourcen zu schonen und Menschen zusammenzubringen.
Infobox – Bad Honnef heute: Der Mädelsflohmarkt findet am 13. September von 11 bis 14 Uhr in Oberpleis statt. Es stehen 29 Standplätze zur Verfügung; die Veranstaltung eröffnet die Aktionswoche „7 Tage – 7 Chancen“ vom 13. bis 19. September.
Freie Universität Berlin lädt zur Konferenz über nachhaltige Hochschulen
Die Freie Universität Berlin veranstaltet vom 21. bis 23. September 2026 gemeinsam mit der europäischen Hochschulallianz Una Europa die internationale Konferenz „Sustainability in Higher Education: Between Transformation and Vibe Shifts“. Organisiert wird die Veranstaltung von der Stabsstelle Nachhaltigkeit und Energie der Freien Universität Berlin.
Erwartet werden internationale Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Hochschulen, Politik und Zivilgesellschaft. Forschende, Hochschulmitarbeitende sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Bildungseinrichtungen sollen Forschungsergebnisse, Projekte und praktische Ansätze zur nachhaltigen Hochschulentwicklung diskutieren.
Die Konferenz befasst sich mit veränderten Rahmenbedingungen für Nachhaltigkeit im Hochschulwesen. Als Herausforderungen nennt der Informationsdienst Wissenschaft multiple Krisen, Skepsis gegenüber der Wissenschaft, den digitalen Wandel und Klimamüdigkeit.
Der Auftakttag umfasst Keynotes und Paneldiskussionen. Darüber hinaus sind sechs Workshops vorgesehen, in denen interdisziplinär über Klimaschutzmaßnahmen, neue strukturelle Ansätze und die soziale Verantwortung von Hochschulen gesprochen werden soll.
Zu den erwarteten Keynote-Speakerinnen und -Speakern gehören unter anderem Prof. Dr. Mandy Singer-Brodowski von der Universität Regensburg, Dr. Julie Newman vom Massachusetts Institute of Technology, Dr. Felix Chr. Matthes von der Öko-Institut Consult GmbH, Dr. Jeannette Behringer von der Universität Zürich, Riina Koivuranta von der Universität Helsinki, Thimo von Stuckrad von der Hochschulrektorenkonferenz sowie Prof. Dr. Lena Partzsch von der Freien Universität Berlin.
Die englischsprachige Konferenz richtet sich an Interessierte. Eine Anmeldung ist bis zum 31. August 2026 möglich.
Infobox – Informationsdienst Wissenschaft: Die Konferenz findet vom 21. bis 23. September 2026 an der Freien Universität Berlin statt. Im Zentrum stehen die nachhaltige Transformation von Hochschulen, sechs Workshops sowie die Frage, wie Nachhaltigkeit unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen neu gedacht werden kann.
Deep Tech soll die Landwirtschaft grundlegend verändern
Die NZZ beschreibt eine bevorstehende Agrarrevolution, die nicht auf einer einzelnen Technologie beruht. Sie entstehe aus dem Zusammenspiel von Künstlicher Intelligenz, Robotik, Sensorik, Satellitentechnologie, Genomeditierung, Biotechnologie und Präzisionsfermentation.
Dieses Zusammenspiel wird als „Deep Tech“ bezeichnet. Nach Darstellung der NZZ könnte es die Landwirtschaft stärker verändern als jede Innovation seit der Mechanisierung.
Im Hintergrund entwickle sich ein neues Wissenssystem, in dem Ökologie, Biologie, Informatik und Ingenieurwissenschaften zusammenwachsen. Die Landwirtschaft werde dadurch vom Erfahrungsberuf zu einer wissensbasierten Präzisionswirtschaft.
Besonders deutlich werde diese Entwicklung in der Pflanzenzüchtung. Neue Sorten benötigen laut NZZ bis heute meist zehn bis fünfzehn Jahre Entwicklungszeit. Die technologische Verbindung verschiedener Forschungsfelder soll dazu beitragen, wissenschaftliche Erkenntnisse und praktisches Wissen schneller zusammenzuführen.
Der Beitrag fordert ein innovationsfreundliches Umfeld. Zugleich stellt er die unterschiedlichen politischen Prioritäten heraus: Während die EU Milliarden investiere, spare die Schweiz an der Forschung.
Die NZZ verbindet die technologische Entwicklung mit einer veränderten Rolle des Menschen. Je intelligenter Maschinen würden, desto wertvoller seien jene Fähigkeiten, die sie nicht besitzen.
Infobox – NZZ: Deep Tech verbindet KI, Robotik, Sensorik, Satellitentechnologie, Genomeditierung, Biotechnologie und Präzisionsfermentation. Die NZZ sieht darin eine Entwicklung, die die Landwirtschaft stärker verändern könnte als jede Innovation seit der Mechanisierung.
Quellen:
- Wenn Pudding Kindheit ist: Was Dr. Oetker wirklich kann
- Landeshauptstadt Saarbrücken startet Wettbewerb „Saarbrücker Nachhaltigkeitspreis für Unternehmen“
- Hachenburg setzt auf Nachhaltigkeit: Schritte gegen Ressourcenverschwendung
- Mädelsflohmarkt in Oberpleis: Secondhand-Schätze und Nachhaltigkeit im Mittelpunkt
- Freie Universität Berlin veranstaltet internationale Konferenz zur nachhaltigen Transformation von Hochschulen
- Wie Deep Tech die Landwirtschaft revolutionieren wird