Kreislaufwirtschaft und nachhaltiges Reisen: Neue Modelle und Standards im Fokus

Autor: Nachhaltigkeit-Wirtschaft Redaktion

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Kategorie: News

Zusammenfassung: Der Pressespiegel zeigt Fortschritte bei wiederverwendbaren Bauteilen und der Kreislaufwirtschaft sowie eine wachsende Nachfrage nach nachhaltigem Reisen ohne Verzicht. Für die Eco Trophea werden bis 27. August Projekte gesucht; der TÜV-Verband fordert verbindliche Qualitätsstandards und unabhängige Prüfungen.

Nachhaltigkeit im Pressespiegel: Kreislaufwirtschaft, Reisen und neue Geschäftsmodelle

Bonner Zimmerei Modullogic setzt auf wiederverwendbare Bauteile

Die Zimmerei Modullogic aus Bonn-Beuel baut Häuser, deren Bestandteile später wiederverkauft werden können. Als Beispiel nennt der General-Anzeiger Bonn ganze Kinderzimmer, die ausgebaut und weiterverwendet werden können.

Gründer Florian Pauls kommt ursprünglich aus einem anderen Berufsfeld und beschreibt sich selbst als „nicht den klassischen Unternehmer“. Für das nachhaltige Konzept wurde die Zimmerei mit einem Preis für Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

Der Ansatz von Modullogic verbindet den Bau von Häusern mit der Möglichkeit, einzelne Elemente später erneut in den Wirtschaftskreislauf zu bringen. Dadurch stehen nicht nur Neubau und Nutzung, sondern auch die spätere Weiterverwendung von Bauteilen im Mittelpunkt.

„Ich bin nicht der klassische Unternehmer“ – Florian Pauls, zitiert vom General-Anzeiger Bonn.

Infobox: Die Bonner Zimmerei Modullogic entwickelt Häuser mit wiederverkaufbaren Bestandteilen und erhielt dafür einen Nachhaltigkeitspreis.

Reisende wollen nachhaltige Angebote, aber keinen Urlaubsverzicht

Eine aktuelle Yougov-Analyse zeigt laut der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung, dass immer mehr Deutsche in nachhaltige Angebote beim Reisen investieren. Ein vollständiger Verzicht auf Urlaub in der Ferne wird dagegen abgelehnt.

Nachhaltigkeit wird damit zunehmend als Bestandteil der Reiseplanung verstanden, nicht als Aufforderung, bestimmte Reiseformen grundsätzlich aufzugeben. Reisende suchen demnach nach Möglichkeiten, innerhalb ihrer bestehenden Urlaubspläne nachhaltigere Entscheidungen zu treffen.

Auch die Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Angebote wird in der Meldung als wachsend beschrieben. Nachhaltigkeitssiegel und Zertifizierungen gewinnen bei Unterkünften an Bedeutung, während klassische Verzichtsstrategien an Einfluss verlieren.

Infobox: Die Yougov-Analyse beschreibt einen Trend zu nachhaltigeren Reiseentscheidungen, ohne dass Reisende grundsätzlich auf Fernreisen oder Urlaub verzichten wollen.

Eco Trophea: Bewerbungsfrist endet am 27. August

Die Jury für den Nachhaltigkeitspreis Eco Trophea des Deutschen Reiseverbandes steht fest. Das berichtet Reise vor9. Den Vorsitz übernimmt Harald Zeiss, Vorsitzender des DRV-Ausschusses Nachhaltigkeit und Professor an der Hochschule Harz.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Wettbewerbs steht die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinden. Gesucht werden Projekte aus dem Bereich des Community Based Tourism, bei denen lokale Akteure aktiv eingebunden werden und soziale, wirtschaftliche sowie kulturelle Mehrwerte entstehen.

Bewerben können sich laut DRV Unternehmen und Organisationen weltweit aus allen Bereichen des Tourismus, die gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung nachhaltige Entwicklungen in den Zielgebieten umsetzen. Die Bewerbungsphase endet am Donnerstag, den 27. August.

Zur Jury gehören neben Harald Zeiss Julia Beelitz, Nicole Häusler, Claudia Mitteneder, Katrin Rieger und Kurt von Storch. 2025 gewann Via Transilvanica aus Rumänien den Nachhaltigkeitspreis Eco Trophea.

Infobox: Die Eco-Trophea-Jury ist besetzt; die Bewerbungsfrist für Projekte des Community Based Tourism endet am Donnerstag, den 27. August.

YouGov-Erhebung: Nachhaltigkeit wird beim Reisen praktisch umgesetzt

tageskarte.io berichtet über eine Erhebung im MobilitätsMonitor von YouGov unter mehr als 20.000 Personen in Deutschland im Herbst 2025. Demnach verändert sich das Verständnis von nachhaltigem Reisen: Reisende bevorzugen zunehmend nachhaltigere Alternativen, ohne auf ihre Urlaubswünsche zu verzichten.

Die Zahlungsbereitschaft für umweltfreundliche Verkehrsmittel oder nachhaltige Angebote am Reiseziel stieg von Herbst 2024 bis Herbst 2025 von 24 auf 31 Prozent. Gleichzeitig gaben nur noch 32 Prozent an, Flugreisen zur Verringerung des CO₂-Ausstoßes zu vermeiden; das waren 2 Prozentpunkte weniger als 2024.

Auch der bewusste Verzicht auf Kreuzfahrten ging leicht zurück. Die Aufmerksamkeit für Nachhaltigkeitslabels und Zertifizierungen bei Unterkünften stieg dagegen von 25 auf 28 Prozent. Die Bereitschaft zur freiwilligen CO₂-Kompensation bei einer Klimaschutzorganisation erhöhte sich von 8 auf 10 Prozent.

Maßnahme oder EinstellungWert
Mehr Geld für umweltfreundliche Verkehrsmittel oder nachhaltige Angebote31 Prozent
Vermeidung von Flugreisen zur Verringerung des CO₂-Ausstoßes32 Prozent
Beachtung von Nachhaltigkeitslabels und Zertifizierungen28 Prozent
Freiwillige CO₂-Kompensation10 Prozent
Kauf lokaler Produkte54 Prozent
Besuch von Restaurants, Unterkünften oder Shops lokaler Betreiber59 Prozent
Aktive Einbeziehung der lokalen Bevölkerung66 Prozent
Verzicht auf täglichen Hotelservice68 Prozent
Respektvoller Umgang mit Kulturen, Lebensweisen und Perspektiven vor Ort77 Prozent

Besonders verbreitet sind Verhaltensweisen direkt am Urlaubsort. 54 Prozent kaufen lokale Produkte, 59 Prozent besuchen bewusst von Einheimischen betriebene Restaurants, Unterkünfte oder Shops. 66 Prozent halten es für wichtig, dass die lokale Bevölkerung bei der touristischen Weiterentwicklung einer Region aktiv einbezogen wird.

68 Prozent nehmen frische Bettwäsche und Handtücher nicht mehr täglich in Anspruch. Der höchste Zustimmungswert entfällt mit 77 Prozent auf den respektvollen Umgang mit den Kulturen, Lebensweisen und Perspektiven vor Ort.

Die Erhebung nennt außerdem Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen. Jüngere Reisende achten häufiger auf Nachhaltigkeitsaspekte und berücksichtigen Klimafolgen stärker bei der Reiseplanung. Frauen zeigen insgesamt eine höhere Nachhaltigkeitsorientierung als Männer, während Personen aus höheren sozialen Schichten eher bereit sind, zusätzliche Kosten für nachhaltige Angebote zu tragen.

„Verbote führen nicht zum Ziel. Stattdessen müssen Reisenden Alternativen angeboten werden, die einen erkennbaren Nutzen haben und sich leicht umsetzen lassen – ohne dass es sich nach Verzicht anfühlt“, sagt Ramona Ottmann, Consultant bei YouGov, laut tageskarte.io.

Infobox: Die stärksten Zustimmungswerte erreichen nachhaltiges Verhalten vor Ort, insbesondere der respektvolle Umgang mit lokalen Kulturen und der Verzicht auf täglichen Hotelservice.

fvw|TravelTalk: Nachhaltigkeit soll in die Reiseplanung passen

Auch fvw|TravelTalk berichtet, dass Reisende Nachhaltigkeit ohne Verzicht wünschen. Die Meldung ordnet die Ergebnisse der YouGov-Umfrage als Hinweis darauf ein, dass nachhaltige Angebote vor allem dann auf Akzeptanz stoßen, wenn sie sich in bestehende Reisepläne integrieren lassen.

Damit rücken praktische Alternativen gegenüber pauschalen Einschränkungen in den Vordergrund. Für die Touristik entsteht daraus die Aufgabe, Angebote bereitzustellen, die einen erkennbaren Nutzen haben und einfach umgesetzt werden können.

Infobox: Laut fvw|TravelTalk wird Nachhaltigkeit von Reisenden grundsätzlich unterstützt, soll aber nicht mit dem Verzicht auf Urlaub oder bestimmte Reiseformen verbunden sein.

TÜV-Verband fordert Qualitätsstandards für die Kreislaufwirtschaft

Der TÜV-Verband fordert verlässliche Qualitätsstandards, überprüfbare Herstellerangaben und unabhängige Prüfungen für die Kreislaufwirtschaft. Anlass ist die geplante Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, mit der die Bundesregierung Recycling und Abfallvermeidung stärken will.

Erstmals sollen laut TÜV-Verband auch Rohstoffsouveränität und Versorgungssicherheit ausdrücklich im Gesetz verankert werden. Rohstoffe wie Metalle, Kunststoffe oder seltene Erden seien für die deutsche Wirtschaft unverzichtbar, während Deutschland bei vielen dieser Rohstoffe auf Importe angewiesen sei.

Eine stärkere Kreislaufwirtschaft könne dazu beitragen, wertvolle Materialien zurückzugewinnen, länger zu nutzen und die Abhängigkeit von Rohstoffeinfuhren zu verringern. Damit recycelte Rohstoffe zuverlässig wieder eingesetzt werden können, verlangt der Verband klare Qualitätsanforderungen, verlässliche Nachweise und unabhängige Prüfungen.

„Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft wird zunehmend zu einer Frage der Rohstoffsicherheit und der Widerstandsfähigkeit unserer gesamten Wirtschaft“, sagt Juliane Petrich, Referentin für Politik und Nachhaltigkeit beim TÜV-Verband.

Die Novelle soll werkstoffliche und chemische Verfahren ausdrücklich als Formen des Recyclings einordnen. Der TÜV-Verband unterstützt diese klare rechtliche Einordnung, lehnt jedoch eine Bevorzugung einzelner Technologien ab und plädiert für einen technologieoffenen Rechtsrahmen.

Entscheidend sei nicht, welches Verfahren eingesetzt werde, sondern welche Rohstoffe am Ende zurückgewonnen würden und ob sie Primärrohstoffe im Wirtschaftskreislauf ersetzen könnten. Zudem sollten die Regeln für Recycling möglichst einheitlich in Europa gelten, damit nationale Sonderwege den grenzüberschreitenden Einsatz recycelter Rohstoffe nicht erschweren.

Für Herstellerangaben fordert der Verband klare und einheitliche Prüfkriterien. Dazu zählen Informationen über Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit sowie Angaben zu enthaltenen Schadstoffen und zur Rückgewinnbarkeit kritischer Rohstoffe.

Nachweise sollten von Anfang an einheitlich und digital nutzbar gestaltet werden. Der Verband sieht darin Vorteile für Unternehmen und Behörden, da die Umsetzung erleichtert und die Kontrolle der Vorgaben wirksamer werden könne.

Bei der weiteren Ausgestaltung der Reform sollten Wirtschaft, Länder, kommunale Entsorger sowie unabhängige Sachverständige und Prüfstellen frühzeitig einbezogen werden. Der TÜV-Verband warnt vor doppelten Nachweisen und zusätzlichen Berichtspflichten und empfiehlt, bestehende Prüf- und Zertifizierungsstrukturen auch für neue Anforderungen zu nutzen.

Infobox: Der TÜV-Verband unterstützt die strategische Stärkung der Kreislaufwirtschaft, fordert dafür jedoch technologieoffene Regeln, überprüfbare Qualitätsstandards und die Nutzung bestehender Prüfstrukturen.

Quellen: